Aktuell: Wintersport | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Handball-EM 2016
Aktuelle News, Ergebnisse, Spielberichte, zur Handball-EM der Männer in Polen.

01. Februar 2016

Handball-EM: Von der Couch zum EM-Triumph

 Von 
Mann mit Durchsetzungsvermögen: Kai Häfner.  Foto: AFP

Das ganz persönliche Wintermärchen der EM-Nachrücker Kai Häfner und Julius Kühn. „Neue Leute, frische Beine.“ So einfach lautet die Erklärung von Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Drucken per Mail

Wenn Kai Häfner aufwacht, gilt sein erster Blick Julius Kühn. Die beiden Handball-Nationalspieler teilen sich bei der EM ein Zimmer. Eine Wohngemeinschaft auf Zeit. Sieben Tage, sieben Nächte. Und an jedem Morgen dieselbe Frage: Ist das alles wahr oder doch nur ein schöner Traum?

Seit einer Woche laufen die beiden Handballer mit einem Dauergrinsen durch die Welt. Ein wahr gewordenes Märchen, „das ich noch immer nicht glauben kann“, sagt der 26 Jahre alte Häfner. Am Sonntag vor einer Woche saß er noch auf seiner Couch vor dem Fernseher, fieberte mit, schrie und bangte um Steffen Weinhold. Der Kapitän war kurz vor dem Ende verletzt auf der Platte liegengeblieben. Wenig später piepte Häfners Smartphone. Eine SMS von Teammanager Oliver Roggisch: „Komm’ nach Breslau. Flug ist gebucht. Wir brauchen Dich.“

Der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Weil sich auch Christian Dissinger am selben Abend so schwer verletzte, dass auch für ihn die EM zu Ende war, erhielt der 22 Jahre alte Kühn dieselbe SMS. Gemeinsam flogen sie nach Breslau, gemeinsam stürmten sie seither von Sieg zu Sieg.

Erst der Sensationserfolg gegen Dänemark (25:23), dann der Halbfinal-Krimi gegen Norwegen (34:33), in dem die Nachrücker bereits den Unterschied ausmachten. In der Verlängerung ballerte Häfner den Skandinaviern die Bälle nur so um die Ohren, drei seiner insgesamt fünf Treffer erzielte er in der Verlängerung. Darunter auch der alles entscheidende: „Zufällig hatte ich den Ball. Das war so gar nicht besprochen. Weil aber nur noch wenige Sekunden zu spielen waren, habe ich geworfen.“ Ein Wurf ins Glück. Ein Schuss ins EM-Finale, in dem die deutschen Handballer gestern Abend die Spanier (24:17) von der Platte fegten und Häfner mit sieben Toren bester deutscher Schütze war. Danach brachen alle Dämme. Ein Toben, ein Johlen. „Mein Handy ist fast explodiert. Ich musste es ausmachen“, sagt Häfner, „sonst hätte wäre ich gar nicht zum Feiern gekommen.“

Mehr dazu

„Neue Leute, frische Beine.“ So einfach lautet die Erklärung von Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Klingt simpel, ist es auch. „Wenn wir trainieren, merkt man schon, dass die anderen Spieler ein paar Zwickerchen mehr haben als Julius und ich“, sagt Häfner. Und doch, es ist dies auch ein Beweis für die gelebte Philosophie des Bundestrainers. Sigurdsson redet nicht nur über Vertrauen, er vermittelt es seinen Spielern auch. Er setzt auf sie, gibt ihnen Selbstvertrauen. „Unglaublich, dass es so schnell ging“, sagt Kühn, „gleich so viele Spielanteile zu bekommen, ist schon Wahnsinn.“ Der blonde Hüne zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit guten Leistung zurück. Im Halbfinale zunächst nur in der Deckung neben Abwehrchef Finn Lemke, nach dem Wechsel als Mann für die leichten Tore. Der Rechtshänder, Gattung klassischer Rückraumshooter, erzielte gegen Norwegen fünf Tore. Im Finale trug er sich einmal die Torjägerliste ein.

Ja, es ist real

Eigentlich kannten sich Häfner und Kühn vorher nur vom Sehen. Etwa, wenn der TSV Hannover-Burgdorf gegen den VfL Gummersbach in der Bundesliga spielt. Auch zum letzten EM-Vorbereitungslehrgang in Berlin waren sie vorsichtshalber nachgereist. Weil Steffen Fäth und Christian Dissinger nach dem letzten Test gegen Island leichte Blessuren davongetragen hatten. Alles nur halb so schlimm. Das ärztliche Bulletin bedeutete kurz vor der Abreise nach Breslau das Aus für Häfner und Kühn. Der Traum von der ersten EM, er war für die Nummer 17 und 18 im deutschen Aufgebot geplatzt. „Natürlich war ich enttäuscht. Darüber verschwende ich jetzt aber keinen Gedanken mehr“, sagt Häfner und zwickt Kühn in die Wange.

Ja, es ist real. Diese gemeinsame Woche wird sie für immer verbinden. „Wenn mir am vergangenen Sonntag einer gesagt hätte, du stehst in einer Woche im Finale auf der Platte“, sagt der Kühn, „den hätte ich für bekloppt erklärt“.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Spezial
Handball-EM

Deutschland ist Handball-Europameister: Interviews und Reaktionen, Hintergründe und Ausblicke nach der EM in Polen in unserem Spezial Handball-EM.

Handball-EM in Polen

Der Turnier-Modus

Der Modus der Handball-EM in Polen. Mehr...