So viel Musikgrößen hat die Kleinstadt Oberursel noch nie gesehen: Wegen des Hessentags treten dort in diesen Tagen zahlreiche internationale Stars auf. Mit dabei ist ein sehr berühmter Name - wenn auch noch nicht in der Musikszene: Der älteste Sohn des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, Pierre, legte am Samstagabend bei einer Party von Hitradio FFH Platten auf. In Oberursel wird er zuvor wohl noch nicht gewesen sein, nicht anders als die deutsche Band Madsen, deren Sänger Sebastian Madsen beim Auftritt vor mehr als 14.000 Menschen am Freitagabend in der Hessentagsarena bekennen musste: „Oberursel, wir waren noch nie hier.“
Bis zum 19. Juni geht das größte Landesfest in Deutschland noch. Mehr als eine Million Menschen werden erwartet. Das Programm zählt mehr als 1.000 einzelne Veranstaltungen. Allein in den ersten drei Tagen waren es nach Angaben der Staatskanzlei bereits rund 433.000 Besucher, und auch am Montag herrschte noch reger Andrang. Allein vor dem Riesenrad gab es lange Schlangen. Der Absturz eines Zeppelins in der Wetterau, der zuvor über dem Hessentagsgelände gekreist hatte, hielt die Besucher nicht fern und spielte auf dem Fest selbst keine größere Rolle.
Festivalatmosphäre: In der Hessentagsarena rockten bereits einige bekannte Künstler. Bei der...
Foto: Michael Schick
Feierten am Sonntagabend mit 15.000 Fans eine große Party: Marie Fredriksson und Per Gessle alias Roxette in der Hessentagsarena.
Foto: Michael Schick
Herbert Grönemeyer bei seinem Frankfurt am Main-Konzert am 11. Juni 2011 in der Commerzbank-Arena.
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Shakira nahm sich zwei Stunden Zeit für die Fans in der ausverkauften Frankfurter Festhalle. Die kolumbianische Sängerin begeisterte rund 10.000 Anhänger mit Hits wie "Whenenver, wherever" und "Waka Waka". Im Dezember hatte Shakira das Konzert in Frankfurt wegen Wetterkapriolen samt Schneechaos an europäischen Flughäfen absagen müssen.
Foto: Michael SchickSarkozy Junior und Madsen sind nicht die einzigen bekannten Namen in dem 183-Seiten starken Programm des Hessentags. Roxette, Bryan Adams, Linkin' Park und Clueso - sie alle spielen im „Tor zum Taunus“, wie Oberursel sich selbst bezeichnet. Allein zum ausverkauften Konzert von Roxette kamen am Sonntagabend rund 15.000 Menschen. Die Stadt mit ihren nur etwas mehr als 40.000 Einwohnern steht praktisch zehn Tage lang im Mittelpunkt der Popmusik in Hessen.
Am Samstagabend kamen in unmittelbarer Nachbarschaft noch Auftritte von Shakira in der Frankfurter Festhalle, Herbert Grönemeyer im Stadion und Joe Cocker an der Mainzer Mole hinzu. Obwohl die Bahn nach Angaben eines Sprechers zusätzliche Züge einsetzte, kam es zu erheblichen Problemen. Ein am Frankfurter Hauptbahnhof am Samstagabend Richtung Gießen eingesetzter Kurzzug war so überfüllt, dass zahlreiche Menschen am Bahnsteig zurückbleiben mussten. „Hätten die nicht wenigstens einen längeren Zug nehmen können, schließlich ist ja auch noch Wäldchestag“, fragte sich ein Konzertbesucher.
Oberursel hat sich für den Hessentag in den vergangenen Jahren stark modernisiert. Nach Angaben des Bürgermeisters Hans-Georg Brum (SPD) wurde in der Stadt für 200 Millionen Euro gebaut und saniert. Im Zentrum entstand ein neuer Park, das Bahnhofsgebäude ist neu gestaltet. Auf dem Bahnhofsplatz ist nun viel Platz für ein Riesenrad und zahlreiche Stände.
Brum hatte bereits vor dem Hessentag angekündigt, dass Oberursel wegen seiner Nähe zu Frankfurt besonders viel aufbieten müsse: „Wegen unserer zentralen Lage im Rhein-Main-Gebiet rechnen wir mit einem anspruchsvollen Großstadtpublikum.“ Beim Rundgang am Samstag bescheinigte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) der Stadt, dass sie ihr Ziel erreicht hat: „Oberursel hat sich herausgeputzt.“
Der Ministerpräsident durfte auf der Landesausstellung dann ein Polizeiorchester dirigieren, mit einem Simulator Straßenbahn fahren und mit der ehemaligen Fußball-Nationalspielerin Nia Künzer auf eine Torwand schießen. Gemeinsam mit seiner Frau Ursula spielte Bouffier auch noch eine Runde Tischfußball.
„Die Leute interessieren sich sehr für die Stadt“, berichtet Arnold Richter vom Oberursel-Stand auf der Landesausstellung. Sehr viele Besucher kämen von außerhalb. Das liegt auch an der intensiven Werbung für das Volksfest. Das Hessentagspaar Charmaine und Christian hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Termine schon vor dem Volksfest absolviert. Jetzt, wo der Hessentag gestartet ist, erscheinen die beiden noch bis in die Nacht hinein bei Veranstaltungen. So solle der Name Oberursel den Besuchern in Erinnerung bleiben, erklären sie. (dapd)