Es ist ein erfahrener Pilot, mit dem sich drei Journalisten aus Frankfurt am Sonntagabend in einem Werbe-Luftschiff auf die Reise begeben. Und es ist der Pilot, dem die drei am tragischen Ende des Fluges womöglich ihr Leben zu verdanken haben. Nach Problemen bei der Landung geht das Gefährt in Flammen auf, der 52-jährige Pilot Mike N. kann sich im Gegensatz zu seinen Passagieren nicht mehr retten und stirbt in den Flammen.
Die Untersuchungen zur Unfallursache halten noch an. "Es ist möglich, dass es bei der Landung zu Beschädigungen gekommen ist", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen der Frankfurter Rundschau. Möglicherweise sei dadurch der Brand entfacht. Die Schilderung eines der Passagiere unterstützt diese These: Der Pilot sei nicht auf dem offiziellen Landeplatz sondern einige hundert Meter weiter auf unwegsamem Gelände gelandet, berichten der Bad Homburger Fotograf Joachim Storch, der auch für die Frankfurter Rundschau arbeitet, und zwei Frankfurter Kollegen eines privaten TV-Senders. "Das war unwegsames Gelände." Der Pilot habe nach der Landung lediglich gesagt "I had an accident, I crashed the airship." Als es in der kleinen Gondel dann immer heißer wurde und sie das Feuer wahrnahmen, seien er und die anderen beiden Passagiere aus eigenem Antrieb aus der Tür oder Fenstern gesprungen.
Feuerball in der Luft
„Ich habe mich rausgeschmissen und bin auf den Rasen gerollt“, sagt Storch. Das lodernde Luftschiff habe dann mit dem Piloten langsam an Höhe gewonnen. „Wie in Zeitlupe“ sei das brennende Schiff gestiegen, beschreibt der Fotograf seine Erlebnisse: „Ich dachte, der Pilot kommt auch gleich raus“. Aber der kommt nicht raus aus dem Feuerball. In der Luft beginnt die kleine Kapsel unter dem großen Heliumsack immer stärker zu brennen.
Vom Boden aus können die Passagiere dem Unglück nur fassungslos folgen. „Zwischendrin hat der fürchterlich geschrien“, sagt Storch über den Kapitän, der vergeblich um sein Leben kämpft. Das Luftschiff geht in der Luft in Flammen auf und fällt mehrere hundert Meter weiter als Wrack auf die Wiese.
Nach Polizeiangaben verbrannte der Pilot noch in der Luft und starb nicht beim anschließenden Aufprall auf dem Boden. Feuerwehrleute sperrten den Unfallort weiträumig ab. Sie konnten noch am Abend die Überreste der Leiche des Piloten von der Wiese in einen Sarg heben.
Rund 60 Feuerwehrleute waren am Sonntag abend im Einsatz, um das brennende Luftschiffwrack zu löschen – darunter alle sechs Stadtteilwehren von Reichelsheim (Wetteraukreis).
Erste vor Ort war die Feuerwehr Reichelsheim: „Auf der Wiese waren die Flammen ja weithin sichtbar, deswegen riefen massenhaft Leute an, und es wurden so viele Wehren alarmiert“, erklärt Alexander Hitz, Wehrführer der Feuerwehr Reichelsheim.
Nach etwa zehn Minuten waren die Flammen bereits gelöscht, sagt Jörg Reinemer, Pressesprecher der Polizei Mittelhessen. „Das Luftschiff war total ausgebrannt und außer dem Gestänge fast nichts mehr übrig.“
Für Verwirrung sorgte bei den Feuerwehrleuten anfangs die Aussage einiger Augenzeugen, die Kanzel sei abgestürzt, bevor das Luftschiff brannte, erzählt Wehrführer Hitz: „Da wurde zunächst eine Suchaktion gestartet. Rettungshubschrauber und Polizei überflogen das Gebiet, Feuerwehrleute suchten zu Fuß – bis dann die Meldung kam, die drei Passagiere seien wohlbehalten am Boden.“
Bis in den frühen Morgen haben die Feuerwehren den Ermittlern noch das Gelände ausgeleuchtet, erklärt Kreisbrandinspektor Otfried Hartmann.
Der Betrieb auf dem Flugplatz lief am Montag wieder normal. (pam)
Das Luftschiff-Unglück war schon am Sonntagabend Thema auf der Hessentagsstraße, die Nachricht machte schnell die Runde, etwa im Weindorf. Zigtausende hatten den Tag über immer wieder die Blicke nach oben gerichtet, wenn das blau-gelbe Luftgefährt über ihren Köpfen schnurrte und ihre Kameras nach oben gerichtet, um es zu fotografieren.
„Ein schrecklicher Unfall“, sagte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) gestern. Dass die Veranstalter der Luftfahrten ihren Stand umgehend abgebrochen haben, könne er nachvollziehen. Auswirkungen auf den Hessentag sieht er aber nicht. „Das hat ja nicht direkt mit der Veranstaltung zu tun.“ Auf den Festflächen herrschte gestern Betrieb wie immer.
Kripo-Sprecher Siegfried Schlott von der Polizeidirektion Hochtaunus erfuhr schnell vom Unfall. Vom Sonderaufgebot für den Hessentag mussten aber keine Beamten abgestellt werden. Schlott: „Wir hatten damit nichts zu tun.“
Betroffen reagierten viele der Schausteller auf der Landesausstellung, wo der Reifenhersteller für sich geworben hatte. (jüs)
Fachleute wissen um die Schwierigkeiten, ein Luftschiff bei Gewichtsverlust unten zu halten. Demnach berührte die Gondel den Boden, wobei das kleine Fahrwerk zerschellte. Eine „wahre Heldentat“, nennt der Technik-Experte der Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen, Hans-Paul Ströhle, die Aktion. Er habe den Piloten persönlich gekannt. Weil die drei Passagiere ausgestiegen sind, musste das Schiff automatisch in die Höhe steigen. So habe der Australier zwar die Passagiere gerettet, aber den eigenen Tod in Kauf genommen. „Er hat sich geopfert.“ Polizeisprecher Jörg Reinemer war kurz nach dem Unglück vor Ort. Er sagte, die Passagiere stünden unter Schock.
Luftschiff mit nicht brennbarem Heliumgas gefüllt
Das Unglücksgefährt vom Typ Lightship A60 ist ein Prallluftschiff. Es kommt im Gegensatz zu einem „richtigen“ Zeppelin ohne inneres Gerüst aus und steht unter Druck von nicht brennbarem Heliumgas. Die Polizei und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (Braunschweig) ermitteln. Bislang ist noch nicht geklärt, warum das Luftschiff die Landebahn berührte und in Flammen aufging. „Wir können vor morgen oder übermorgen nichts Definitives sagen“, sagte Jörg Reinemer am Montag.
FR-Fotograf Storch vermutet, dass es der Gewichtsverlust war, der das Luftschiff in die Höhe gerissen habe. Ihm tat das Reden nach dem Absturz gut, sagte er. Die Geretteten erhielten Beistand von Notfallseelsorgern.
Das Luftschiff war vom Reifenhersteller Goodyear gemietet worden und überflog zu Werbezwecken den Hessentag. „Das machen wir seit Jahren“, berichtet Good-yearsprecher Jürgen Wiedemann. Die Firma hat ihre Aktivitäten auf dem Hessentag eingestellt. „Wir können jetzt nicht weitermachen.“ Goodyear drückte ihr Mitgefühl mit der Familie des verunglückten Piloten aus. (mit dapd)
Nicht jedes Luftschiff ist ein Zeppelin. Ursprünglich nannte man nur Starrluftschiffe, die ein Gerüst aus Trägern und Streben besitzen, Zeppeline. Heute gelten auch halbstarre Luftschiffe mit lediglich drei Längsträgern als „Zeppeline Neuer Technologie“. Das auf dem Hessentag verunglückte Luftschiff war hingegen ein Prallluftschiff – auch „Blimp“ genannt – und besaß kein Gerüst. Seine äußere Form erhielt es nur durch den Überdruck des Heliumgases.
Die typische Luftschiffform, die man von Weitem am Himmel erkennen kann, ist der Auftriebskörper. Er wird mit Helium gefüllt, damit er leichter als die ihn umgebende Luft ist. An dem Auftriebskörper hängt eine Gondel, in die die Passagiere einsteigen. den bleibt.
Im Auftriebskörper muss ein leichter Überdruck herrschen, damit er seine pralle Form behält und die Gondel tragen kann. Um den Überdruck zu erhalten, gibt es im vorderen und hinteren Teil des Auftriebskörpers je einen ballonartigen Sack, der sich mit Außenluft aufbläst. Der Pilot des Luftschiffs kann selbst regulieren, wie prall die Ballons gefüllt sind und dadurch den Schwerpunkt des Luftschiffs verlagern. Außerdem gibt es Ventile, die sich öffnen, wenn der Heliumdruck zu groß wird.
Pro Kubikmeter Helium kann ein Luftschiff einen Kilogramm Gewicht vom Boden heben. Die Auftriebskörper halbstarrer Luftschiffe können aufgrund ihres Skeletts mehr Helium fassen als die Auftriebskörper von Prallluftschiffen. So bieten die Passagiergondeln von halbstarren Luftschiffen Platz für zwölf Passagiere, die Kabinen von Prallluftschiffen können nur drei Passagiere tragen.
Zum Steuern des Luftschiffs tritt der Pilot auf ein Pedal. Damit bewegt er die Flossen, die oben und unten am Heck des Auftriebskörpers angebracht sind.
Bei einem Blimp sind der Antriebsmotor und Kraftstofftank direkt an der Passagiergondel befestigt. Bei einem halbstarren Luftschiff befindet sich beides etwa sieben Meter über der Passagiergondel.
Die Goodyear Blimps des Typs GZ-20 sind 59 Meter lang, elf Meter breit und 13,4 Meter hoch. Die Kabine misst 2,70 Meter in der Länge, 1,50 Meter in der Breite und 1,90 Meter in der Höhe.
Durch seine Masse haben Luftschiffe einen hohen Luftwiderstand. Das Prallluftschiff, das auf dem Hessentag verunglückte, konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 46 Knoten bei günstigem Wind erreichen, das sind 98 Kilometer in der Stunde. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit betrug allerdings nur 52 Kilometer in der Stunde.
Mithilfe des Motors und der vier Flossen, die sich rechts, links, oben und unten am Heck befinden, steuert der Pilot das Luftschiff in Richtung Landeplatz. Die luftgefüllten Ballons sorgen dafür, dass der Auftriebskörper dabei nicht zu viel Druck verliert. Nach der Landung sorgt die Bodencrew mit Bleisäcken und anderem Ballast dafür, dass das Luftschiff am Boden bleibt.