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Hintergrund
Die Frankfurter Buchmesse ist das Literatur-Großereignis. Ehrengast 2014 ist Finnland.

16. Oktober 2015

Buchmesse Frankfurt: Im Klassenzimmer der Zukunft

 Von 
Basteln im Klassenzimmer der Zukunft einen Lego-Roboter: Zwei Schüler aus Bensheim.  Foto: epd

Die Frankfurter Buchmesse ist auch eine wichtige Plattform zur Präsentation von Innovationen. In diesem Jahr sind zum Beispiel digitale Schulbücher und interaktive Anwendungen für den Unterricht im Fokus. Schüler testen das Klassenzimmer von morgen

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Frankfurt –  

Rund 1000 Schüler haben die Veranstalter auf die Frankfurter Buchmesse eingeladen. In einem eigenen Bereich sollen sie dort das Klassenzimmer von morgen testen: „Schon seit drei Jahren bilden wir hier das Lernen der Zukunft ab. Dazu laden wir immer Schulklassen ein, die dann hier vor Ort neue Konzepte ausprobieren“, sagt Michael Kirchner von der Frankfurter Buchmesse.

In einer Ecke der Halle 4.2 arbeiten die Schüler gruppenweise in gemütlichen Kojen an verschiedenen Projekten. Es gibt etwa eine Social-Media-Redaktion, die über das Geschehen auf der Buchmesse berichtet, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Medienunternehmen werden Filmbeiträge und Artikel über Veranstaltungen produziert. Die Ergebnisse werden im Blog we.learn.it präsentiert. Andere Teams lösen mit Hilfe neuer Technologien verschiedene Aufgaben: So soll zum Beispiel ein Lego-Roboter konstruiert werden, der Container aus dem Wasser bergen kann. Anschließend treten die einzelnen Gruppen in einem Wettbewerb gegeneinander an.

In einer sogenannten Workshop-Area nutzen die Schüler Alltagsgegenstände, um daraus neue Geschichten entstehen zu lassen. Dabei hilft ihnen die neue App „Think with Things“, die von einem britischen Startup entwickelt wurde. „Zuerst gestalten die Schüler die Charaktere, dann die verschiedenen Szenen mit Hilfe dieser Alltagsgegenstände. Anschließend gehen sie zu den digitalen Produktionsstationen, wo sie die Dinge dreidimensional einscannen“, erklärt Elmar Husmann von der europäischen E-Learning-Plattform ELIG, die gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse und Partnern aus der Wirtschaft das Klassenzimmer der Zukunft eingerichtet hat. Die digitalisierten Objekte werden dann von den Schülern in Kurzfilmen und Multimedia-Animationen verwendet.

Gleich nebenan erforschen Schüler in einem interaktiven Labor die Eigenschaften von Meerwasser. „Wir nutzen auch hier digitale Technologien. Die Spektrometer sind kabellos mit Tablet-Computern verbunden, auf denen die Messergebnisse dann dargestellt werden“, so Husmann. Anschließend können die wissenschaftlichen Daten einfach über spezielle Lernplattformen oder die sozialen Medien geteilt werden.

Das Schulbuch der Zukunft

Im Zentrum des interaktiven Klassenzimmers steht in diesem Jahr das Schulbuch der Zukunft. Dabei spielt Papier weiter eine wichtige Rolle, denn etwa 70 Prozent der Schüler arbeiten nach Angaben der Veranstalter lieber mit einem gedruckten Buch. Deshalb bekommen alle Teilnehmer auf der Buchmesse ein gebundenes Heft, wo die einzelnen Projekte und Aufgaben beschrieben sind. Mit Hilfe unsichtbarer Wasserzeichen, die mit einer speziellen Smartphone-App gescannt werden, können die Inhalte in den Schulbüchern aber jederzeit digital aktualisiert, ergänzt und individuell erweitert werden.

Direkt neben den Klassenzimmer der Zukunft hat die Frankfurter Buchmesse einen ihrer vier Hotspots aufgebaut, an denen digitale Innovationen zu verschiedenen Themen präsentiert werden. „Dieses Jahr haben wir in den Hotspots etwa 100 Aussteller auf insgesamt 1500 Quadratmetern mit circa 160 Veranstaltungen“, erklärt Michael Kirchner von der Frankfurter Buchmesse. Am Bildungs-Hotspot in Halle 4.2 sind zahlreiche Firmen vertreten, die sich mit digitalen Unterrichtsmaterialien beschäftigen.

Michael Kirchner über die digitalen Hotspots auf der Buchmesse

Eine davon ist „Learnetic“ aus Polen: Mit „M-Author“ bietet es unterschiedliche Publikationswerkzeuge für kommerzielle Anbieter von Bildungsliteratur an. Die Inhalte können interaktiv gestaltet und an die unterschiedlichen Endgeräte wie Tablet-PCs oder Smartphones angepasst werden. Auf einer speziellen Online-Plattform werden sie dann für die Nutzer bereitgestellt und können dort auch mit nicht-kommerziellen Inhalten verknüpft werden: „Wir sind fest davon überzeugt, dass Lerninhalte auch von Lehrern publiziert werden sollen. Mit ‚M-Instructor‘ bieten Lehrkräften eine Plattform an, um interaktive Inhalte zu produzieren und diese Publikationen auch mit Kollegen und Schülern zu teilen“, erläutert Artur Dyro, der Geschäftsführer von „Learnetic“.

In vielen Ländern seien die Schulen allerdings noch nicht entsprechend vernetzt, so der Manager. „Deshalb haben wir ‚M-Libro‘ entwickelt. Das Programm erlaubt es Lehrern und Schülern, die Inhalte vorab auf Tablets und Smartphones zu laden und sie dann offline zu benutzen.“

Die von „Learnetic“ designten Lernprogramme richten sich an unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen. Auf der Frankfurter Buchmesse zeigt das Unternehmen zum Beispiel eine interaktives Mathematik-Programm, das in finnischen Grundschulen zum Einsatz kommt und die Kinder auf spielerische Weise in die Welt der Zahlen begleitet.

Dokumente, einfach zum Anhören

Auf die Umwandlung von Text in Sprache hat sich das niederländische Unternehmen „Readspeaker“ spezialisiert. Das Programm liest seinem Nutzer die Inhalte von Internetseiten, aber auch PDF- und Textdokumente sowie elektronische Bücher in 41 verschiedenen Sprachen vor.

Zu Beginn sei „Readspeaker“ vor allem für Sehbehinderte Menschen entwickelt worden, einer der beiden Firmengründer sei selbst von Geburt an blind, erläutert Marteen van de Koevering: „Unsere Programme werden aber nicht nur von Menschen mit besonderen Bedürfnissen benutzt, sondern auch von Leuten, die sich einfach gedruckte Inhalte anhören wollen. Das ist eine andere Art zu lernen: Für viele Menschen ist es gut, zugleich zu lesen und zu hören. Sie können sich die Dinge dann besser merken.“

Multimedia-Show im virtuellen Hörsaal

Ein wahres multimediales Feuerwerk entfacht das koreanische Unternehmen "Darim" an seinem Stand: Aus der kleinen Koje mit dem giftgrünen Hintergrund wird mit technischen Kniffen ein virtuelles Studio mit grellen Effekten, verschneiten Bergen und rauschenden Wasserfällen. Was bei TV-Stationen bereits Alltag ist, soll in Zukunft auch für virtuelle Vorlesungen genutzt werden.

Neben allerlei visuellen Spielereien hat der virtuelle Hörsaal von "Darim" auch eine Reihe von praktischen Werkzeugen zu bieten: Der Professor kann mit einem Mausklick Präsentationen einblenden, Filmsequenzen abspielen und mit einem digitalen Zeigestab Inhalte hervorheben und markieren. Die Studenten sitzen dabei entweder vor dem eigenen PC oder in einem Hörsaal, in den der Professor per Video zugeschaltet wird. Die Übertragung läuft in beide Richtungen, der Vortragende kann über seinen Monitor einen Blick ins Publikum werfen und auch einzelne Personen heranzoomen, wenn sie sich zu Wort melden.

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