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16. Oktober 2015

E-Book Zoë Beck: „Da sind wir ganz konservativ“

 Von Sabine Vogel
Zoë Beck, Jahrgang 1975, ist Krimiautorin in Berlin. Seit 2013 betreibt sie mit dem Hamburger Jan Karsten den Verlag Culturbooks, der sich ausschließlich der Produktion von E-Books verschrieben hat.  Foto: Victoria Tomaschko

Die E-Book-Verlegerin Zoë Beck hat erstmals ein Papierbuch gemacht. Warum?

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Frau Beck, Sie vertreiben eigentlich ausschließlich E-Books. Gibt es dafür ein eigenes Genre?
Die Idee, einen E-Book-Verlag zu gründen, entstand zunächst, weil es so viele großartige Texte von Autorinnen und Autoren gibt, die leider vergriffen sind und nicht mehr neu aufgelegt werden. Die Texte digital verfügbar zu halten, ist nur logisch. Wir suchten außerdem nach tollen Originalen – vieles wird von Printverlagen abgelehnt, weil die Länge nicht stimmt oder ein Text keinem Genre einfach zuzuordnen ist, oder weil man Angst davor hat, Neues zu wagen. Das ist frustrierend und schlicht falsch. Literatur braucht Diversität und Wagnis. Also kümmern wir uns drum. Wenn ein Text uns gefällt, wollen wir natürlich, dass andere ihn auch lesen. Mainstream interessiert uns nicht.

Geht es darum, Bäume zu retten?
Es sollte immer und überall darum gehen, Bäume zu retten! Wir haben zwei Pflanzenpatenschaften im Botanischen Garten Berlin und unterstützen mehrere Umweltschutzorganisationen. Aber außer der Welt wollen wir mindestens die Literatur retten. Damit sind wir zum Glück ja nicht allein.

Ihre eigenen, sehr erfolgreichen Krimis erscheinen klassisch (bei Heyne) im papiernen Schmökerformat. Was – oder sollte man fragen: wie – lesen Sie, wenn Sie schwächelnd im Bett liegen?
Ich lese sehr, sehr gern digital, egal wo ich bin. Ich liebe trotzdem Bücher. Ich besitze mehr, als gut für meine Wohnung ist, und ich kaufe ständig noch welche dazu. Inhaltlich auch viel Non-Fiction, mich interessiert so vieles und ich lerne gern dazu. Ich freue mich über alles, was ich als gut geschrieben und gut durchdacht empfinde.

Die Zuwachsraten fürs E-Book sollen ja stagnieren. Jetzt erscheint bei Culturbooks das erste Papierbuch. Wie kommt das denn?
So wie es unsere Culturbooks bisher als Single, Album, Maxi oder Longplayer gab, gibt es nun elektrische Bücher „unplugged“ – unser neues Printlabel für ausgewählte Projekte. Mit sinkenden Zuwachsraten hat das nichts zu tun, wir machen gegenteilige Erfahrungen. Das Publikum, das sich für unsere Texte interessiert, tastet sich langsam an das Digitale heran und merkt endlich, dass E-Books gar nicht böse sind. Uns geht es um die Texte, nicht um das Trägermedium. Aus digitaler Sicht hat der Vertrieb von Papierbüchern etwas Träges und zugleich etwas beeindruckend Ausgeklügeltes. Abzusehen war, dass ein Printbuch sehr viel mehr Aufmerksamkeit seitens der Presse bekommt. Was mich wieder unglücklich macht, weil unsere digitalen Titel dieselbe Aufmerksamkeit verdienen.

Der Roman „Das Zigarettenmädchen“ der indonesischen Autorin Ratih Kumala verführt den Leser nicht allein durch analoges Papiergeraschel... muss man dabei das Rauchen anfangen?
Oh, es gibt ihn auch ganz konventionell als digitale Ausgabe, genannt E-Book! Da sind wir konservativ! Das Buch enthält zu Beginn eine Gesundheitswarnung, wie eine Zigarettenschachtel. Und es geht in den Rauchszenen vor allem um Genuss. Die Fähigkeit, Genuss zu empfinden, die Suche nach der perfekten Genussformel …

Interview: Sabine Vogel

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