Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Hintergrund
Die Frankfurter Buchmesse ist das Literatur-Großereignis. Ehrengast 2014 ist Finnland.

05. Oktober 2014

Ebola-Virus: Buchmesse bereitet sich auf Ebola vor

 Von  und 
Gitter sorgen dafür, dass Neugierige nicht zu nahe an die Isolierstation geraten können.  Foto: AFP

Der Zustand des Ebola-Erkrankten in der Isolierstation der Frankfurter Uniklinik ist „sehr ernst“. Derweil bereitet sich die Buchmesse, die ab Dienstag 300.000 internationale Gäste erwartet, in Sachen Ebola auf alle Eventualitäten vor. In den Hotels liegen Notfall-Nummern bereit.

Drucken per Mail

Nachdem der gefährliche Ebola-Virus in Afrika grassiert und inzwischen auch ein Erkrankter in Frankfurt behandelt wird, bereitet man sich bei der Buchmesse auf alle Eventualitäten vor. Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne sagte, die größte Buchmesse der Welt verfüge über einen eigenen Gesundheitsdienst – ein Team von Ärzten, Sanitätern, Notfallhelfern, die auf dem Messegelände in Bereitschaft stünden. Sie könnten im Falle eines Ebola-Verdachtsfalls sofort tätig werden und stünden „in engem Kontakt“ mit der städtischen Gesundheitsbehörde. Die Seuchen-Isolierstation des Universitätsklinikums sei ebenfalls in diese Vorbereitungen einbezogen.

Derzeit weisen an der Uniklinik lediglich ein provisorisch aufgestellter Zaun und ein Wachmann von außen darauf hin, was im Bau 68 A vor sich geht. Etwas abgeschottet, zwischen Gleisen und Parkplätzen, wird hier in einer speziellen Isolierstation hinter Luftschleusen ein an Ebola erkrankter Arzt behandelt. Auf Betreiben seines Arbeitgebers, einer italienischen Hilfsorganisation, wurde der Ugander am Donnerstag von Sierra Leone aus nach Frankfurt geflogen. Hier lägen ideale Behandlungsmöglichkeiten vor, heißt es beim hessischen Sozialministerium.

Zu dem Gesundheitszustand des Mediziners machten die Klinik und der Leiter des Kompetenzzentrums Frankfurt, Professor René Gottschalk, am Sonntag mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht keine Angaben. Der behandelnde Oberarzt Timo Wolf hatte den gesundheitlichen Zustand des Patienten am Freitag als „sehr ernst, aber stabil“ bezeichnet. Es könne allerdings sein, dass sich der Zustand des Mannes zunächst etwas verschlechtere. Danach bestünde die „berechtigte Hoffnung“, dass der Patient die Erkrankung überstehen werde. Dem Leiter der Infektiologie, Hans-Reinhard Brodt, zufolge, sind derzeit fünf bis zehn Ärzte damit beschäftigt, den Patienten zu versorgen. Es handele sich um ein „erfahrenes Team“.

Wieder gesund

Der erste in Deutschland behandelte Ebola-Patient hat das Krankenhaus wieder gesund verlassen. Der Mann aus dem Senegal hatte sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO beim Einsatz in einem Labor in Sierra Leone infiziert.

Ende August war er nach Hamburg gebracht worden. Er habe bereits am Freitag entlassen werden können, teilte das Universitätsklinikum Eppendorf am Samstag mit.

Sehr unterschiedlich gehen die regulären Patienten des Klinikums mit der Tatsache um, dass das hochinfektiöse Ebola in der Nähe des Bettenhauses behandelt wird. Während sich mehrere Patienten im Gespräch mit der FR entspannt gaben und in die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen vertrauen, trifft man auch besorgte Menschen. Eine Frau sagte, sie sei sicher, dass ein erhebliches Risiko bestünde. Laut dem stellvertretenden Ärztlichen Direktor der Klinik, Kai Zacharowski, besteht jedoch „keinerlei Gefahr“. Der reguläre Krankenhausbetrieb sei nicht betroffen, die Ebola-Behandlung laufe „sozusagen als Add-on nebenbei“.

Angesichts von mehr als 300.000 Besuchern, die ab Dienstag zur Buchmesse erwartet werden, ist man sich dort darüber im Klaren, dass der Frankfurter Flughafen ein mögliches „Einfallstor“ für die Krankheit sei, sagte die Sprecherin. Schließlich sind unter den rund 7300 Ausstellern aus aller Welt „einige ganz wenige“, so Böhne, aus den westafrikanischen Ländern, in denen Ebola ausgebrochen ist.

Auch die Frankfurter Hotels, die in der Buchmessen-Woche so viele internationale Gäste beherbergen wie sonst kaum, bereiten sich auf den Ernstfall vor. Eduard Singer, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands in Frankfurt, sagte der FR, die großen Häuser könnten bei einem Verdachtsfall „sofort“ Ärzte herbeirufen. Ein entsprechender „Ersthelfer-Einsatz“ sei organisiert. Singer ist Generaldirektor des Hessischen Hofs in Nachbarschaft des Messegeländes. In seinem Haus, aber auch in anderen Hotels, hätten die Mitarbeiter „stets Notfall-Nummern zur Hand“, falls ein Gast verdächtige Symptome zeige.

Am Frankfurter Flughafen sieht man sich ebenfalls gut vorbereitet, so ein Sprecher. Melde eine Flugzeugcrew einen Verdachtsfall, würden die Passagiere des Fliegers noch vor Betreten des Terminals untersucht. Spezielle Vorbereitungen bezüglich Ebola seien jedoch nicht nötig.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Dossier

Frankfurter Buchmesse 2015

Unser Paket zur Frankfurter Buchmesse:

Dossier-Übersicht - alles auf einen Blick
Hintergrund - laufende Berichterstattung
Indonesien - rund um das Gastland 2015
Buch-Rezensionen des FR-Feuilletons
FR-Veranstaltungen auf der Buchmesse


Dossier als Feed abonnieren
Info

Programm

Die FR auf der Buchmesse

Die Frankfurter Rundschau ist in diesem Jahr wieder mit einem Stand auf der Buchmesse vertreten.

Die Frankfurter Rundschau finden Sie auf der Buchmesse in Halle 3.1., Stand C48. Dort bieten wir Ihnen Informationen zu unseren Produkten - und Diskussionen mit vielen Gästen. Mehr...

Frankfurter Buchmesse

Bedrohte Freiheit des Worts

Von  |
Wegen Bestseller-Autor und Islam-Kritiker Rushdie boykottiert der Iran die Frankfurter Buchmesse.

Der Iran hat mit dem Boykott der Buchmesse an die Todesstrafe für Rushdie erinnert. Die Grenzen der Toleranz werden nicht nur im Umgang mit autoritären Regimen sichtbar. Der Leitartikel.  Mehr...

Swetlana Alexijewitsch

Die Stimme der Sowjetmenschen

Chronistin des Alltags in Weißrussland:  Swetlana Alexijewitsch, Literatur-Nobelpreisträgerin 2015.

Die Nobelpreis-Trägerin Swetlana Alexijewitsch hat aus fremden Lebenszeugnissen Literatur gemacht. Wer ist die Frau, die gegen die gegen Putin und die weißrussische Diktatur anschreibt?  Mehr...

Tipps für die Buchmesse

Zehn Dinge, die Sie auf der Buchmesse nicht tun sollten

Sie sind Buchmesse-Neuling? Dann hören Sie auf die Erfahrung von langjährigen Messebesuchern. Zehn Tipps, was Sie besser gar nicht erst versuchen sollten. Mehr...

Anzeige

Lesen
Was tun in den nächsten Wochen? Die FR-Redaktion empfiehlt Bücher.

Was auch immer Sie in den nächsten Wochen vorhaben: Falls Sie Bücher dabei haben wollen, können Sie sich hier die sommerlichen Empfehlungen der Redaktion anschauen. Dazu auch etwas Musik.

Serie
Polizeiabsperrung, kaum eine Kriminalgeschichte kommt ohne sie aus.

In der Sommerpause von „Tatort“ und „Polizeiruf“ hat sich die FR-Redaktion ihre Krimis selbst geschrieben. Ähnlichkeiten mit Fernsehermittlern waren aber rein zufällig.