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Lokal-Nachrichten aus dem Taunus

08. September 2010

Eschborn: Ein Hund als Lehrer

 Von Gesa Fritz

An der Grundschule Süd-West in Eschborn bringt der Labrador Meggi den Kindern einiges bei - sogar rechnen und das Alphabet.

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Tierischer Unterricht

Im Main-Taunus-Kreis sind zwei Schulhunde im Einsatz: Meggi an der Grundschule Süd-West in Eschborn und Mika an der Friedrich-Ebert-Schule in Schwalbach. Mika ist momentan in
Elternzeit.
Für die tiergestützte Pädagogik werden besonders belastbare Tiere eingesetzt. Sie müssen eine Ausbildung als Begleit- oder als Therapiehund absolvieren.
Deutschlandweit haben sich bereits insgesamt 119 Schulen, die Schulhunde beschäftigen, im Internet auf der Homepage www.schulhundweb.de angemeldet. gf

Leon hat Glück. Er soll vor die Klasse treten und sein Können zeigen. Bei der Tafel erwartet ihn ein großer schwarzer Hund. „Meggi, bring!“, kommandiert der Erstklässler. Der Hund läuft los, schnappt sich einen der auf dem Boden liegenden Schaumstoff-Buchstaben und tauscht ihn bei dem Sechsjährigen gegen ein Leckerli ein. „F wie Fahrrad“, verkündet der Junge und schon ist der nächste dran.

Wieder schießen alle Arme in der 1b in die Höhe, jeder will dran kommen. So könnte es aussehen, das Schulparadies: Eine Klasse voll hochmotivierter Kinder, konzentriert bei der Sache; 18 Schüler, zwei Lehrer und eben Meggi.

Der Labrador arbeitet als Schulhund an der Grundschule Süd-West in Eschborn. An der Seite der Lehrerin Daniela Nägele hat Meggi vor vier Jahren ihren Dienst im Klassenzimmer angetreten. Ein Jahr musste sie pausieren – die Lehrerin war in Elternzeit. Seit den Sommerferien ist die Hundedame wieder im Schuldienst tätig.

Meggi kann nicht nur Buchstaben apportieren. In Mathe schleudert sie den Würfel, die Kinder müssen Zahlen zuordnen und addieren. Für höhere Klassen hat sie anspruchsvollere Aufgaben im Repertoire. Mit Meggi als Zuhörerin fällt das Vorlesen leichter, Kinder mit Sprachproblemen sprechen flüssiger. Kunststücke zur Belohnung beherrscht das Tier auch.

Ganz beiläufig bringt Meggi den Kindern bei, sich an Regeln zu halten und Rücksicht zu nehmen. Es ist viel leichter im Stuhlkreis ruhig zu sein, damit der Hund in der Runde bleibt, als einem Lehrer zuliebe, der schon zum fünften Mal „Pst!“ sagt. Meggie-Dienste, wie das Füllen der Wasserschüssel, sind begehrt.

Für die besonderen Zustände in der 1b sind eine Lehrerin mit Hundefaible, ein Schulleiter, der offen ist für Neues, und Sponsoren verantwortlich. Denn die speziell für pädagogische Arbeit ausgebildete Hündin hat etwa den Wert eines Kleinwagens.

Die Klasse ist eine Integrationsklasse, sie wird von drei Kindern mit besonderem Förderbedarf besucht. Meggis primäre Aufgabe besteht aber nicht darin, Schulstoff zu vermitteln. Sie macht die Schüler stark und selbstbewusst. Das hat Nägele in der Klasse erlebt, die sie mit Meggi vor der Babypause unterrichtete.

Der Hund trägt zum Zusammenhalt in der Klasse bei. Es ist Konsens, dass Meggi toll ist. An ihr wird soziales Verhalten trainiert. Dem Tier ist es egal, wie die Kinder aussehen, wie sie sprechen oder welche schulischen Leistung sie erbringen. Sie spürt traurige Kinder auf und legt sich zu ihnen. Auch die harten Jungs schmusen hemmungslos mit ihr. In schwierigen Situationen beruhigt es selbst Nägele, ihre Hand durch das weiche Fell gleiten zu lassen. Meggi nimmt die Schüler ohne Vorbehalte an, ihre Liebe ist bedingungslos.

Die Erstklässler gehen gerne in die Schule. Sie haben Spaß am Unterricht und das ist eine wesentliche Voraussetzung fürs Erlernen des Stoffes. Kein Kind muss in die Hundeklasse. Die Entscheidung fällen die Eltern vor der Einschulung. Weil Meggi aber nur in Begleitung von Nägele eingesetzt wird, erleben die Schüler anderer Klassen sie nicht im Unterricht.

Auch dem Hund scheint die Arbeit im Klassenzimmer Spaß zu machen. Er ist interessiert und aufmerksam bei der Sache, begrüßt die Kinder mit heftigem Wedeln und kleinen Nasenstübern. Meggi wurde schon als Welpe für diese Arbeit ausgewählt und speziell für sie geschult. Sie ist ruhig, gutmütig und kann mit Stress und Lärm umgehen. Nachmittags erholt sie sich zu Hause. Zwar gehört Meggi auf dem Papier dem Förderverein der Schule, praktisch ist sie aber Nägeles Hund.

Wird es Meggi doch einmal zu viel, zieht sie sich auf ihren Platz zurück. Und die Kinder erleben wieder eine Regel im sozialen Umgang: Wenn es jemandem reicht, muss man ihn in Ruhe lassen. Wissenschaftlich belegen kann Nägele die Wirkung von Meggi nicht. Vielleicht sind die beiden einfach ein überragendes Lehrer-Gespann. Vielleicht landen in ihrem Klassenverband immer außergewöhnliche Schüler.

Vor ein paar Tagen haben die Schüler der 1b den Buchstaben „M“ durchgenommen. Ricardo gehört zu denen, die das Alphabet schon beherrschen. „Meggi macht mir Mut“, hat er auf seinen Zettel geschrieben.

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