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Hofheim und Main-Taunus
Lokal-Nachrichten aus dem Taunus

07. März 2013

Hofheim: Tierische Therapeuten

 Von Christina Franzisket
Zorro lässt sich gern von Masseurin Lilo Bako streicheln.  Foto: Martin Weis

In der Fachklinik für Psychiatrie in Hofheim helfen sensible Vierbeiner, Patienten zu heilen. Hunde spüren sofort, wenn es jemandem nicht gut geht.

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Wenn es seinem Frauchen nicht gut geht, spürt Zorro das sofort. Der kleine Hund steht dann auf, geht zu ihr hin und legt seinen Kopf auf ihr Knie.

Leider geht es seinem Frauchen Beate Schling (Namen der Patienten von der Redaktion geändert) sehr oft nicht gut. Die 48-Jährige leidet unter Depressionen. Seit zehn Wochen befindet sie sich in stationärer Therapie in der Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik in Hofheim.

Normalerweise müsste sie ihren Hund während des Krankenhausaufenthalts zu Hause lassen, doch nach Hofheim darf sie ihn mitbringen. Hier wird Zorro sogar Teil ihrer Therapie: „Er begleitet mich zu allen Arztgesprächen“, sagt Schling, „und spendet mir dabei viel Trost“.

Patienten dürfen Haustiere mitbringen

Die Fachklinik in Hofheim bietet eine tiergestützte Therapie für psychisch kranke Menschen an. Dabei werden Haustiere und auch klinikeigene Tiere eingesetzt: „Wir sind Tierfreunde“, sagt Geschäftsführer und Chefarzt Stephan Volk.

Zwei Zimmer stehen im Haus für Patienten mit Tieren zur Verfügung. Kostenlos ist das Mitbringen der Vierbeiner nicht. Außerdem müssen die Patienten eine Bescheinigung eines Tierarztes über die Gesundheit ihres Vierbeiners mitbringen, und die Tiere müssen sozialisiert sein: „Sie dürfen den Klinikbetrieb nicht stören“, sagt Volk.

Pflegedienstleiterin Dragana Guduras hatte vor rund drei Jahren die Idee, Tiere zu Therapiezwecken einzusetzen. Sie absolvierte eine Ausbildung in Freiburg und bringt seitdem ihre Bichon-Friese-Hündin Emi mit zur Arbeit. Die kleine Hündin mit den weißen Löckchen wuselt bei Gesprächen zwischen den Beinen der Patienten herum, lässt sich streicheln und auf den Arm nehmen und sorgt so für Entspannung und Fröhlichkeit: „Durch die Tiere bekomme ich Zugang zu den Patienten“, sagt Guduras, „wir sprechen über sie, streicheln sie und so kann ich Vertrauen herstellen“.

Das erste Tier „erbte“ die Privatklinik, als sie in die Räume in der Kurhausstraße zog: Kater Charlie lebte bereits seit vielen Jahren auf dem Grundstück und fing fleißig Ratten, die vom Schwarzbach her kamen. Der Kater war nicht nur Liebling der Belegschaft, sondern auch bei den Patienten sehr beliebt. „Charlie ist stolze 23 Jahre alt geworden“, sagt Masseurin und Klangtherapeutin der Fachklinik Lilo Bako, „als er starb, haben wir ihn alle sehr vermisst“.

Sanfte Therapeuten auf vier Pfoten

Eine neue Katze sollte die Lücke füllen, die Charlie hinterließ, doch die Tierheime wollten der Klinik keine Katze anvertrauen. Schließlich vermittelte ein Patient der Klinik ein norwegisches Waldkatzenbaby. Seitdem ist Katzendame Momo Rattenfängerin und sanfte Therapeutin auf vier Pfoten. Guduras beobachtet oft die positive Wirkung, die Momo auf Patienten hat: „Die Katze hat ein Gespür. Wem es schlecht geht, dort geht sie hin und tröstet mit ihrer Nähe“, sagt Guduras.

Die 31-jährige Patientin Lena Muth genießt die Anwesenheit der Vierbeiner: „Die Tiere beurteilen nicht, sie sind ehrlich, haben keine Hintergedanken“, sagt sie. Lena Muth ist oft Patientin in Hofheim. Wenn es ihr während des Aufenthalts besonders schlecht geht, bringt ihre Mutter den Familienhund zu ihr: „Ich gehe mit ihm spazieren“, erzählt sie, „er gibt mir Ruhe und macht mich fröhlich.“

In der Kaffeeküche der Klinik sitzen die beiden Patientinnen Muth und Schling zusammen mit Guduras und Masseurin Bako. Bako erzählt davon, wie sie einmal eine Patientin massiert hat und ein kleiner Hund dabei auf dem Bein seines Frauchens lag: „Wenn mich das Tier nicht stört, darf es gerne bleiben“, sagt sie. „Die Tiere können aber auch auf den Zimmern bleiben“, erklärt Guduras, während Hund Zorro plötzlich auf dem Boden vor ihr steht und zu ihr aufschaut. Die Pflegedienstleiterin bückt sich und streichelt den Hund, der wie wild mit dem Schwanz wackelt: „Du Süßer“, sagt sie. Alle lachen.

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