Hochtaunuskreis - Mit den Halbjahreszeugnissen bekommen die Eltern in Klasse vier eine Empfehlung, für welche Schule ihr Kind aus Sicht der Lehrer geeignet ist. Die Kriterien, anhand derer die Lehrer gemeinsam die Viertklässler beurteilen, sind eher vage formuliert. So ist die Eignung eines Schülers laut Richtlinie für eine weiterführende Schule "gegeben, wenn bisherige Lernentwicklung, Leistungsstand und Arbeitshaltung eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht des gewählten Bildungsganges erwarten lassen".
Konkret prüfen die Grundschullehrer, wie das jeweilige Kind in den vergangenen dreieinhalb Jahren die Hausaufgaben erledigt hat - selbstständig oder mit viel Unterstützung. Sie beurteilen, ob das Kind gerne in die Schule geht, neugierig und mit den Lerninhalten ausgelastet ist. Je positiver diese Fragen beantwortet werden, umso mehr geht die Tendenz in Richtung Gymnasium.
Rolf Hahn, Sprecher des Staatlichen Schulamts in Frankfurt, ist davon überzeugt, dass der Faktor Intelligenz überschätzt werde. "Fleiß und Ausdauer spielen die größere Rolle." Sehr intelligente Kinder seien keineswegs vor Abstürzen in ihrer schulischen Laufbahn sicher. Deshalb sei das "Erfahrungswissen" der Lehrer unverzichtbar. Die müssten unter anderem schauen wie sich ein Kind selbst organisiert, wie sicher es den Stoff beherrscht. Einen bestimmten Notendurchschnitt muss das Kind nicht erzielen.
Üblich ist es zudem, dass die Klassenlehrer regelmäßig Beratungsgespräche mit den Eltern führen. Somit gibt es in der Regel keine unliebsamen Überraschungen, wenn sich heraus stellt, dass das Kind die Grundschule voraussichtlich nicht mit dem erhofften Erfolg abschließt. Sind Vater und Mutter bei der ausgesprochenen Empfehlung anderer Auffassung als die Lehrer, tritt noch einmal die Klassenkonferenz zusammen um erneut über den Schüler zu beraten und eine schriftliche Stellungnahme zu verfassen. Im Zweifel aber geht der Elternwille vor. ben