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4000 Selbstanzeigen: Steuerbetrüger stürmen Finanzämter

Steuerfahnder in Verzückung: "Das durchbricht jede Schallmauer". Tausende Steuersünder zeigen sich selbst an. Ein Nebeneffekt: Der Kaufpreis für Daten-CDs sinkt. Von Matthias Thieme

Geld an Bord? Kontrolle an der Schweizer Grenze.
Geld an Bord? Kontrolle an der Schweizer Grenze.
Foto: dpa

Die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung hat nach Informationen der Frankfurter Rundschau eine Rekordzahl erreicht. Derzeit hätten sich bundesweit schon rund 3500 Steuersünder selbst angezeigt, heißt es aus gut informierten Fahnder-Kreisen. Bis zur kommenden Woche rechne man aber offiziell mit rund 4000 Selbstanzeigen, da vieles noch nicht in die Statistik eingearbeitet werden konnte. "Das durchbricht jede Schallmauer", freuen sich die Steuerfahnder. Allein in Hessen hatten sich bis Mittwoch 609 Steuersünder angezeigt - alle wegen Schwarzgeld in der Schweiz.

"Man erlebt große Aufregung bei den Leuten", sagt die Frankfurter Steuerberaterin Britta Seidel, die viele reuige Steuersünder betreut. "Die Klienten kommen nach schlaflosen Nächten mit schlechtem Gewissen bei uns ins Büro und wollen reinen Tisch machen." Viele hätten einen Ruf zu verlieren, seien öffentlich bekannt. Angestellte von Banken und Versicherungen bangten um ihren Job, Handwerker um das Ansehen im Dorf. "Die meisten wissen gar nicht, dass sie bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe riskieren", sagt Seidel.

Fahnder sehen "Dammbruch"

Da jetzt auch Datensätze mit Kundennamen verschiedener Banken aufgetaucht seien, bestehe der Verdacht, "dass gleich bei mehreren Instituten die Dämme brechen", heißt es aus Fahnder-Kreisen. Dies steigere die Unsicherheit der Steuerhinterzieher. Auf der anderen Seite sinke die Hemmschwelle zur Selbstanzeige, da Steuersünder hofften, in der Masse nicht mehr so aufzufallen. "Es gibt eine gewisse Solidarität der Steuerhinterzieher beim Entschluss zur Selbstanzeige", sagen die Ermittler und witzeln: "Einige Dienststellen zählen die eingehenden Selbstanzeigen nicht mehr, sondern messen den Stapel einfach mit dem Zollstock."

Dabei gehen den Fahndern auch die Daten von Vermögensverwaltern und Treuhändern ins Netz, jenen Beihelfern der Steuerhinterziehung, die komplizierte Finanzkonstrukte in der Schweiz und in Liechtenstein aufbauen, um mit undurchsichtigen Stiftungsmänteln die wahren Besitzer des Schwarzgelds zu verschleiern. "Die Festung wankt", freuen sich die Ermittler, "ein ganzes System bricht zusammen."

400 Millionen Euro erwartet

Ein Nebeneffekt der Welle von Selbstanzeigen dürfte die deutschen Steuerzahler freuen: Der Kaufpreis für die angebotenen CDs mit Daten von Auslandsanlegern sinkt, weil sich die auf den Datenträgern potenziell gespeicherten Steuersünder selbst melden. Die Verkäufer, die Finanzverwaltungen wie in Bayern und Baden-Württemberg solche Datensätze anbieten, sitzen auf einer Ware, die an Wert verliert. "Das wird Einfluss auf die Verhandlungen in Bayern und Baden-Württemberg haben", sagen Insider und prophezeien Nachlässe zugunsten der Staatskasse.

Zu eventuellen Verhandlungen äußere man sich nicht, sagen Sprecher des Finanzministeriums in Baden-Württemberg und Bayern. Man prüfe die rechtlichen Voraussetzungen. Der Staat kann sich jetzt schon freuen: Rund 400 Millionen Euro wird er laut Schätzungen zusätzlich einnehmen.

Autor:  Matthias Thieme
Datum:  25 | 2 | 2010
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