Wiesbaden. "Einen schwierigeren Tag als diesen gibt es für meine Partei und mich nicht", sagte Ypsilanti am Montagabend in Wiesbaden. Sie sei "maßlos enttäuscht" über das Verhalten der vier Abweichler. Sie sei am Montagmorgen gegen 10 Uhr von der Abgeordneten Carmen Everts darüber informiert worden, dass vier SPD-Parlamentarier sie nicht zur Ministerpräsidentin wählen wollten.
Sie habe daraufhin um ein Gespräch gebeten, das ihr allerdings verweigert worden sei, sagte Ypsilanti. Für sie sei die Situation "überraschend" gekommen, es habe "keine Hinweise" für ein solches Verhalten gegeben, fügte sie hinzu. Die Partei- und Fraktionschefin äußerte sich nicht zur Frage nach Neuwahlen.
Ypsilanti betonte, sie wäre den Weg einer Zusammenarbeit mit der Linken nicht gegangen, wenn sie von diesen Bedenken gewusst hätte. Insbesondere Everts sowie Parteivize Jürgen Walter hätten sie noch im Sommer gebeten, die Partei zusammenzuführen und "diesen Weg zu gehen". Durch die zahlreichen Regionalkonferenzen und die zwei Parteitage danach sei man "in einem ständigen Kommunikationsprozess" gewesen. Jetzt seien auch die Bürger im Land "maßlos enttäuscht", die den Politikwechsel gewollt hätten.
Hessischer SPD-Vorstand stellt sich hinter Ypsilanti
Der Vorstand der hessischen SPD hat sich nach dem gescheiterten Versuch der Machtübernahme hinter Parteichefin Andrea Ypsilanti gestellt und Parteivize Jürgen Walter zum Rücktritt aufgefordert. "Wir gehen als Landesvorstand davon aus, dass Jürgen Walter seinen stellvertretenden Landesvorsitz zur Verfügung stellt", sagte Vorstandsmitglied Manfred Schaub am Montag in Wiesbaden.
Die vier SPD-Abgeordneten, an deren Widerstand der von Ypsilanti geplante Machtwechsel mit Hilfe der Linkspartei gescheitert war, würden aufgefordert, ihre Mandate zurückzugeben, sagte Vorstandsmitglied Gernot Grumbach. Schaub und Grumbach sind wie Walter stellvertretende Parteivorsitzende.
Ypsilanti äußerte sich bei dem gemeinsamen Auftritt nach der Vorstandssitzung nicht zu ihren Plänen. "Das ist ein ganz, ganz schwieriger, problematischer Tag für die hessische SPD", sagte sie lediglich. Sie sei maßlos enttäuscht, fügte sie hinzu. "Vor allem werden auch die enttäuscht sein, die auf den Politikwechsel gehofft haben." (ap/ddp/dpa/rtr)