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Afghanische Anwältin: Verfemt und verstoßen

Das Schlimmste an ihrer Arbeit, sagt Saliha Dourzad, sei die Korruption. Kein Behördengang, bei dem nicht versucht werde, die Hand für ein bisschen "Bakschisch" aufzuhalten. Ein paar Afghanis, damit der Aktenordner von einem zum anderen Schreibtisch schneller transportiert wird oder der Richter das Strafmaß reduziert. "Ich zahle nicht", sagt sie empört.

Zellentüren öffnen sich selten

Für viele verurteilte Frauen ist Saliha Dourzad der einzige Kontakt zur Außenwelt. Denn viele Familien verstoßen die Frauen, wenn sie im Gefängnis sitzen, weil sie die Ehre der Familie befleckt hätten. Die Anwältin besucht sie im Frauengefängnis im Süden Kabuls. Die Verwaltungschefin des Gefängnisses begrüßt Saliha Dourzad mit Küsschen auf die Wangen. Rana Hamed Zana, die das Sagen über fast 100 Frauen und 75 Kinder hat, wechselt freundlich ein paar Worte mit der Anwältin, dann lässt sie eine Wärterin Dourzads Mandantin holen.

Es ist eine blasse 19 Jahre alte Frau. Sie hat fünf Jahre abzusitzen, wegen Ehebruchs. Dem Richter genügte die Aussage ihres Bruders als Beweis. Die Anwältin versucht, das Verfahren wieder aufzurollen. Nach zehn Minuten bringt die Wärterin die junge Frau wieder zurück. Vorbei an den Metalltüren der Zellen, in denen jeweils sechs bis acht Frauen mit ihren Kindern leben. Die Türen gehen nur auf, wenn die Frauen zu Alphabetisierungs- oder Schneiderkursen im Gefängnistrakt gehen. In den Hof dürfen sie täglich nur eine Stunde.

Ehebruch - die Mehrheit aller Frauen in den Gefängnissen sind wegen sogenannter moralischer Verbrechen inhaftiert. Fünf bis 15 Jahre sieht das neue Gesetz für außerehelichen Geschlechtsverkehr vor.

Saliha Dourzad ist ein strenggläubiger Mensch, wie die meisten Afghanen. Es gibt keinen Tag, an dem sie nicht vor dem Sonnenaufgang ihren grünen Gebetsteppich ausrollt, bevor sie mit der Hausarbeit anfängt und dann neun Stunden ihre Mandantinnen betreut. Fünf Jahre für Ehebruch - findet die Anwältin das gerecht? Sie zögert mit der Antwort. Sie möchte eine Bewertung am liebsten vermeiden und versteckt sich hinter einem unverbindlichen Satz: "Ich muss das Gesetz einhalten." Sie überlegt. "Ich respektiere das Gesetz", sagt sie. Dann wird sie deutlich. "Wie soll ich einem Richter jemals klarmachen, dass eine geringere Strafe angemessen wäre? Afghanistan ist ein islamisches Land!" Sie gehört in dieses Land, sie ist Teil seines Rechtssystems. Nur deshalb kann Saliha Dourzad etwas verändern.

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Autor:  JULIA NAUMANN
Datum:  20 | 8 | 2008
Seiten:  1 2
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