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Ahmadinedschad-Gegner Karroubi: "Der Präsident macht uns Feinde"

"Seine Zeit geht zu Ende", sagt Ahmadinedschad-Gegner Karroubi über den iranischen Präsidenten. Im Interview mit FR-online.de spricht er auch über dessen Radikalität und Verhältnis Iran-USA.

Mehdi Karroubi landete 2005 als iranischer Präsidentschaftskandidat auf dem dritten Platz.
Mehdi Karroubi landete 2005 als iranischer Präsidentschaftskandidat auf dem dritten Platz.
Foto: rtr

Herr Karroubi, mach den Präsidentschaftswahlen 2005 haben Sie Irans Geistlichen Führer Ali Chamenei beschuldigt, Ihnen Ihren Sieg gestohlen zu haben. Erwarten Sie bei dieser Wahl mehr Fairness?

Ich will nicht mehr über die Vergangenheit reden. Die Zeit von Präsident Ahmadinedschad geht sowieso bald zu Ende. Und damals war nicht der Revolutionsführer verantwortlich für die Wahlmanipulationen, sondern das Innenministerium. Die haben ihre Pflicht nicht getan. Ich sage nicht, dass es diesmal besser wird. Es sind harte Zeiten. Ahmadinedschad hat alle Gouverneure und den ganzen Regierungsapparat zu seiner Verfügung. Wir werden auch jetzt hier und da behindert. Aber wir versuchen, unsere Rechte und die Rechte unserer Anhänger zu verteidigen.

Zur Person

Mehdi Karroubi, 71, war von 1989 bis 2002 sowie von 2000 bis 2004 Sprecher des iranischen Parlaments. Der Reformer landete 2005 als Präsidentschaftskandidat auf dem dritten Platz.

Bei den Präsidentschaftswahlen am 12. Juni tritt der Geistliche erneut an - als einer der drei Herausforderer des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Im FR-Interview kritisiert er Ahmadinedschads Politik als falsch. Sie habe dem Iran viele Feinde beschert. Von den USA fordert Karroubi ein Ende der Sanktionen.

Der Westen sieht den Iran als Sicherheitsrisiko. Verstehen Sie das?

Die Politik von Ahmadinedschad ist falsch. Wir akzeptieren sein Vorgehen nicht. Seine Politik führt dazu, dass wir immer mehr Feinde bekommen. Und ein großer Teil seiner Äußerungen ist unüberlegt: Wie kann er sagen, dass internationale Resolutionen nur ein Stück Papier seien. Das ist irrational. Aber eines ist wichtig: Die Radikalisierung im Iran kam nicht ohne Grund. Als wir Reformer an der Macht waren, waren wir dem Westen nicht fortschrittlich genug. Wir haben damals gewarnt: Passt auf! Wenn ihr immer mehr von uns fordert, wird es im Iran zu einer Radikalisierung führen. Wir haben allerdings selbst nicht geahnt, dass es so radikal werden könnte wie unter Ahmadinedschad.

Der neue US-Präsident Barack Obama zeigt sich offen. Wollen sie einen Dialog mit den USA?

Obamas Äußerungen unterscheiden sich sehr von denen Bushs. Die Bush-Politik war falsch und hat vieles im Nahen Osten verkompliziert. Von Obama erwarten wir jetzt aber Taten. Es gibt eine Mauer des Misstrauens zwischen dem Iran und den USA. Es braucht ein paar kräftige Faustschläge, damit sie fällt - wie damals bei der Mauer in Berlin. Aber die Amerikaner machen uns das Leben weiter schwer. Sie geben uns noch nicht einmal Ersatzteile für unsere Boeing-Flugzeuge. Also müssen wir sie auf dem Schwarzmarkt kaufen. Wenn diese Dinge endlich aufhören würden, hätten es die Gemäßigten im Iran leichter.

Sie fordern also Vorleistungen der USA. Aber was kann der Iran selbst tun?

Wir hatten nach dem 11. September eine gute Zusammenarbeit mit den USA in Afghanistan. Aber dafür haben wir bis heute nichts zurückbekommen. Die USA haben den Iran viele Jahrzehnte lang gekränkt und manipuliert. Die Amerikaner müssen den ersten Schritt tun.

Präsident Ahmadinedschads Äußerungen über den Holocaust haben das Verhältnis weiter verschlechtert.

Der Holocaust hat stattgefunden. Es gab die Mordtaten. Sollen wir Adolf Hitler verteidigen, indem wir den Holocaust leugnen? Es macht doch keinen Sinn, dass wir im Iran bezweifeln, dass dieser Mörder Leute umgebracht hat. Wichtig ist: Die Palästinenser leben in Palästina. Es ist ihr Vaterland. Sie haben Rechte dort. Also müssen Muslime und Juden einen Weg finden zusammenzuleben.

Zum Thema Atom: Ist der Preis nicht viel zu hoch, den der Iran für dieses eine, spezielle Segment von Fortschritt bezahlt?

Der Iran ist ein bedeutendes Land und lässt sich von niemandem bevormunden. Wir wollen das Know-how der Atomtechnik beherrschen. Wichtig aber ist, sich gegenseitig zu respektieren und offen miteinander zu reden. Wir sollten alles klar auf den Tisch legen. Transparenz von unserer Seite und gegenseitige Vertrauensbildung hätten Wirkung gezeigt. Aber die harte Position der USA und Ahmadinedschads Reden haben alles verkompliziert. So haben sich er und Bush gegenseitig hochgeschaukelt. Ein Teil des Drucks auf den Iran ist Folge der harten Äußerungen von Ahmadineschad. Das hat Washington als Vorwand genutzt, um uns in die Ecke zu stellen.

Interview: Martin Gehlen

Datum:  15 | 5 | 2009
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