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Al-Wazir bleibt in Hessen: Offenbach statt Berlin

Der hessische Grünen-Star Tarek Al-Wazir gibt den Bundespolitikern einen Korb. Sein Chefposten ist ihm wichtiger als ein Bundestagsmandat - vorerst. Von Pitt von Bebenburg und Vera Gaserow

Keine Lust auf Berlin: Al-Wazir.
Keine Lust auf Berlin: Al-Wazir.
Foto: dpa

Seine "Lust auf Opposition" wird er weiter in Hessen ausleben: Tarek Al-Wazir geht nicht nach Berlin. Und er bleibt damit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) als Opponent und den hessischen Grünen als Partei- und Fraktionschef erhalten.

Der 38-jährige Politologe hatte sich für den Gang an die Öffentlichkeit am Dienstag eine typische Lösung ausgedacht. Erst sprach er in seiner Pressekonferenz über das hessische Konjunkturprogramm, dann über seine Zukunft. "1,7 Milliarden Euro sind wohl wichtiger", sagte er knapp.

Schon im vorigen Jahr, als die Bundes-Grünen einen Parteivorsitzenden suchten, hatten viele auf Al-Wazir gehofft. Doch er lehnte ab. Seit der Landtagswahl im Januar, als die hessischen Grünen mit 13,7 Prozent das beste Ergebnis aller Zeiten in einem Flächenland erzielten, wurden die Rufe lauter, in den Bundestag zu gehen. "Natürlich war es schön, dass so viele Leute gesagt haben, Du wärst eine Verstärkung für uns", kommentierte Al-Wazir. "Aber die schaffen's auch ohne mich."

Der Offenbacher mit jemenitischem Vater wollte seiner Frau und den beiden kleinen Kindern keinen weiteren Wahlkampf mit anschließendem Umzug zumuten. Und er sieht sich in der Landespolitik gefordert. Al-Wazir gilt in Wiesbaden als der eigentliche Oppositionsführer. Das hat mit der tiefen Krise der hessischen SPD zu tun, es ist aber auch ein Verdienst des klugen Analytikers und scharfzüngigen Redners Al-Wazir.

In Wiesbaden war nach der Wahl über den Verbleib Al-Wazirs ebenso spekuliert worden wie über den von Roland Koch. "Was Koch angeht, ist er in der umgekehrten Situation von mir", spottete Al-Wazir: "Er macht das Fenster auf, aber es ruft niemand nach ihm."

In Berlin äußerte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast ihr Bedauern: "Er hat eine Entscheidung für Hessen getroffen. Auch auf der Basis seiner familiären Situation. Nun ist es so." Parteichef Cem Özdemir betonte: "Ich hätte mich über eine Entscheidung von Tarek für Berlin gefreut."

Gleichzeitig verstehe er, dass Roland Koch "ein starkes Argument" für Al-Wazir sei, in Hessen zu bleiben. "Und wir können den Tarek ja leider nicht vervielfältigen." Damit sei für Al-Wazir bundespolitisch "noch nicht aller Tage Abend". Ohnehin sind sämtliche grünen Spitzenposten derzeit besetzt.

Autor:  VON PITT VON BEBENBURG UND VERA GASEROW
Datum:  3 | 3 | 2009
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