Port of Spain. Selbst als der bolivianische Präsident Evo Morales mit finsterer Miene den jüngsten Mordanschlag auf ihn zu Hause indirekt "amerikanischen Kräften" in die Schuhe schob, reagierte Barack Obama gelassen.
Die US-Regierung sei "nicht involviert", zudem würde sie niemals "Gewalt gegen demokratisch gewählte Regierungen" unterstützen, wurde der US-Präsident von Mitarbeitern zitiert.
Obama setzte auch beim Gipfel der Organisation amerikanischer Staaten (OAS) auf seine schon in Europa bewährte Charmeoffensive - und offenbar mit beachtlichem Erfolg. Den Beleg dafür lieferte ausgerechnet Hugo Chávez, sendungsbewußter Präsident Venezuelas.
Der Mann, der bisher in den USA nur die Verkörperung des bösen, imperialistischen Kapitalismus sah, in Obamas Vorgänger George W. Bush sogar den leibhaftigen Teufel erkannte, wie er einmal, um Ironie bemüht, vor den UN sagte.
Bei der ersten Begegnung mit Chávez in Port of Spain, der Hauptstadt Trinidads und Tobagos, bemühte Obama dann sein bestes Spanisch und sein berühmtes, strahlendes Lächeln. "Como estas?" (Wie geht's Dir?), fragte der US-Präsident. Später nahm er ebenfalls breit lächelnd ein symbolträchtiges Geschenk von Chávez entgegen: "Die offenen Adern Lateinamerikas", ein Buch, in dem die jahrhundertelange brutale Ausbeutung Lateinamerikas beschrieben wird.
Aber die kurzen Begegnungen und wenigen Worte Obamas scheinen Chávez ungewohnt milde gestimmt zu haben. Im Nachhinein sprach er von der kurzen Begrüßung als einer sehr "feinsinnigen" Geste Obamas, der ein sehr "intelligenter Mann" sei, allemal intelligenter als Bush. Und dann signalisierte er seine Bereitschaft, wieder Botschafter mit Washington auszutauschen.
Die USA stehen bei den linksgerichteten Regierungen Lateinamerikas zwar noch immer am Pranger. So wetterte der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega geschlagene 50 Minuten gegen die "Arroganz" und die "Inhumanität" des kapitalistischen Systems. Und wie fast alle anderen Redner forderte er die Aufgabe der US-Sanktionen gegen Kuba.
Obama reagierte lediglich mit Ironie auf die Rede Ortegas: "Ich bin dankbar, dass Präsident Ortega mich nicht wegen Sachen beschuldigt hat, die sich ereigneten, als ich drei Monate alt war." Aber auch wenn der US-Präsident manche anti-amerikanischen Ausbrüche nicht ernst nimmt, wusste er um die Herausforderung in Trinidad. Also war seine 15-minütige Rede gespickt mit großen Gesten der Versöhnung und Bescheidenheit - und mit leisen Forderungen an die Lateinamerikaner.
"Amerika hat sich geändert", betonte Obama, nun müssten sich aber auch die anderen bewegen. Insbesondere Kuba: Er habe den ersten Schritt getan, gab der US-Präsident mit Hinweis auf die von ihm angeordneten Reiseerleichterungen zu verstehen. "Wir sind jetzt sehr gespannt auf Havannas nächsten Schritt", meinte Obama-Sprecher Robert Gibbs. Der US-Präsident will ausdrücklich "nicht reden um des Redens willen". Kuba "muss Signale senden, dass sich etwas bewegt, wenn es um Menschenrechte geht, um politische Rechte, die Möglichkeiten der Kubaner zu reisen", sagte Obama in einem CNN-Interview.
Obama hat die gleiche Botschaft nach Trinidad gebracht, mit der er die Welt seit fast drei Monaten zu beeindrucken versucht. Es gebe ein "neues Amerika", das in Augenhöhe und fair mit der Welt umgehen möchte. Aber er betont auch, dass die USA "nicht für alle Probleme in der Welt verantwortlich" seien.
Der neue US-Präsident streckt fast allen in der Welt demonstrativ die geöffnete Hand aus - und hofft auf eine positive Resonanz, auf Kompromissbereitschaft in bisher verfeindeten oder misstrauischen Staaten. Konservative Kommentatoren in den USA wie die des "Wall Street Journal" warnen allerdings schon seit der Europareise Obamas, dass er es wohl vermöge, Beifall und Begeisterung auszulösen - dies aber werde nichts an der Politik von Ländern wie dem Iran, Russland oder eben Kuba ändern.
"Wir sollten nicht zu viel erwarten, Embargo oder nicht, Kuba bleibt so lange eine Gefängnisinsel, bis die Führer gezwungen werden, ihren Griff zu lockern", so die Zeitung. Obama versucht auch deshalb Erwartungen früh zu dämpfen: Es werde eine "lange Reise" sein, bevor sich das Verhältnis mit Kuba normalisieren werde.