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Amtseinführung von Barack Obama: "Die Nation ist voller Hoffnung"

Millionen Menschen jubeln ihm zu: Barack Obama ist der erste schwarze Präsident der USA. Mit seinem Amtseid beschließt er die Amtszeit von George W. Bush - und setzt für seine eigene auf Hoffnung.

Barack Obama schwört seinen Amtseid auf dieselbe Biebel, die einst Abraham Lincoln seiner Amtszeit zugrunde legte. Seine Frau Michelle steht ihm bei, indem sie die heilige Schrift hält.
Barack Obama schwört seinen Amtseid auf dieselbe Biebel, die einst Abraham Lincoln seiner Amtszeit zugrunde legte. Seine Frau Michelle steht ihm bei, indem sie die heilige Schrift hält.
Foto: ap

Washington. Barack Obama ist als erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden. Der oberste Richter der USA, John Roberts, nahm dem 47 Jahre alten Obama auf den Stufen des Kapitols in Washington vor Millionen Zuschauern den Amtseid ab. Er ist der 44. Präsident der USA und der Nachfolger von George W. Bush. Kurz zuvor trat Vizepräsident John Biden sein Amt mit einem Eid an.

Mehr als eine Million Menschen halten den Atem an. Auf der National Mall in Washington sind sich alle des historischen Augenblicks bewusst, als Barack Obama vor dem Obersten Richter John Roberts steht und den Eid auf die Verfassung leistet. Noch nie hat die Amtseinführung eines US-Präsidenten eine solche feierliche Spannung ausgestrahlt.

Barack Obama schwört seinen Amtseid auf dieselbe Biebel, die einst Abraham Lincoln seiner Amtszeit zugrunde legte. Seine Frau Michelle steht ihm bei, indem sie die heilige Schrift hält.
Barack Obama schwört seinen Amtseid auf dieselbe Biebel, die einst Abraham Lincoln seiner Amtszeit zugrunde legte. Seine Frau Michelle steht ihm bei, indem sie die heilige Schrift hält.
Foto: ap

Roberts ist Obamas erster Gratulant, und dann bricht die Menge in Jubel aus. Trompeten erklingen, vielen stehen Tränen in den Augen.

Die allgemeine Freude steht in scharfem Kontrast zur Verabschiedung der alten Regierung. Als George W. Bush - zu diesem Zeitpunkt immerhin noch Amtsinhaber - und sein Stellvertreter Dick Cheney zu der Zeremonie am Westflügel des Kapitols erscheinen, werden auf der National Mall Buhrufe laut. Andere singen spöttisch: "Na na na na, hey hey - Goodbye!"

Barack Obama wird durch seinen feierlichen Amtseid erster schwarzer Präsident der USA.
Barack Obama wird durch seinen feierlichen Amtseid erster schwarzer Präsident der USA.
Foto: rtr

Die Morgenkälte von vier Minusgraden macht anscheinend niemand etwas aus. Die Menge ist erfüllt von der historischen Dimension der Amtseinführung Obamas, vom Gefühl, dass jetzt wirklich die alten Rassengrenzen überwunden sind. "Den ganzen Morgen denke ich an meine Großmutter und an die Helden, auf deren Schultern wir stehen", sagt die 34-jährige Lyshundria Houston aus Memphis, Tennessee, nach einer Anreise von mehr als 20 Stunden. "Sie wären so stolz", sagt die Schwarze aus der Stadt, in der Martin Luther King ermordet wurde. "Das lässt auch die Kälte verschwinden."

Andrang verlangt den Besuchern viel Geduld ab

Der künftige Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, ist zu seiner Vereidigung auf den Stufen des Kapitols in Washington aufgebrochen. Zuvor hatten er und seine Frau Michelle sich zum Kaffee mit George W. und Laura Bush im Weißen Haus getroffen.
Der künftige Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, ist zu seiner Vereidigung auf den Stufen des Kapitols in Washington aufgebrochen. Zuvor hatten er und seine Frau Michelle sich zum Kaffee mit George W. und Laura Bush im Weißen Haus getroffen.
Foto: rtr

Vor dem Kapitol ist die Balustrade mit dem Rednerpult von einer durchsichtigen Plexiglas-Wand geschützt. Muhammad Ali nimmt seinen Platz ein, ebenso der Schauspieler John Cusack und Regisseur Stephen Spielberg. Als das Bild von Senator Edward M. Kennedy auf der Großbildleinwand auftaucht, bricht die Menge auf der National Mall in Jubel aus.

Der gewaltige Andrang verlangt allen Besuchern viel Geduld ab. An einigen Kontrollstellen gibt es Probleme durchzukommen. Faosat Idowu aus der nigerianischen Millionenstadt Lagos kam mit Karten für die Zeremonie nach Washington, erhält aber keinen Zugang an fünf verschiedenen Stellen zwischen dem Kapitol und dem Weißen Haus. Schließlich landet sie im Tunnel einer Schnellstraße, die am Dienstag für den Verkehr gesperrt ist. Sie trägt einen hellroten Schal und lauter Obama-Anstecker mit dem Motto: "Africans for Obama". Trotz allen Frusts über den großen Andrang lässt sie sich die gute Stimmung nicht nehmen: "Das gehört bei dieser Aufregung dazu, das stört mich überhaupt nicht."

Auf der National Mall, der drei Kilometer langen Parkanlage zwischen dem Kapitol und dem Lincoln-Denkmal, herrschte Volksfeststimmung.
Auf der National Mall, der drei Kilometer langen Parkanlage zwischen dem Kapitol und dem Lincoln-Denkmal, herrschte Volksfeststimmung.
Foto: rtr

Vor Ausschankstellen für Kaffee bilden sich lange Warteschlagen, an einer Stelle stehen 150 Menschen für ein wärmendes Getränk an. In den Nebenstraßen herrscht Flohmarkt-Atmosphäre. An weißen Zelten werden Obama-T-Shirts und andere Souvenirs verkauft. Der Geruch von gegrillten Würstchen mischt sich mit dem von chinesischen Gerichten.

"Der erste Mann in der Politik, den wir nicht hassen"

In die Feststimmung mischt sich die Sorge um die eigene Zukunft in den Zeiten der Krise. Immobilienhändlerin Denise Grandberry aus St. Louis steht mit ihrer Tochter Nikki auf der Mall und spricht über all die Häuser, aus denen die überschuldeten Bewohner ausziehen mussten. "Ich habe die Reste von Lebensschicksalen gesehen", sagt sie. "Jetzt habe ich Hoffnung und ich denke, die Nation ist voller Hoffnung."

Es sind deutlich mehr als eine Million Menschen auf den Beinen. Allein 410.000 Fahrgäste kommen bis 9.00 Uhr mit der U-Bahn ins Stadtzentrum, wie die Verkehrsgesellschaft mitteilt. Der Helfer Robyn Ahlstrom, der sich freiwillig beim Presidential Inaugural Committee gemeldet hat, freut sich über den Andrang: "Gott segne sie, dass sie bei diesem Wetter gekommen sind!"

Onjali Bodrul ist aus London gekommen, um den Amtsantritt des Mannes zu sehen, dessen Laufbahn sie in ihrem Politik-Studium in Oxford verfolgt hat. Über Obama sagt sie: "Er ist seit langer Zeit der erste Mann in der Politik, den wir nicht hassen."

Auf dem Weg zum Wechsel

Obama besuchte am Morgen mit seiner Familie einen Gottesdienst. Dann war Kaffee mit dem Amtsinhaber George W. Bush und dessen Frau im Weißen Haus geplant. Der alte und der neue Präsident traten gemeinsam den Weg zum zum Sitz des Kongresses an. Für den mehr als 220 Jahre alten Eid hatte Obama die Bibel ausgesucht, die Abraham Lincoln 1861 benutzt hatte - der Präsident, der die Sklaven befreite und das Land im Bürgerkrieg durch seine schwersten Stunden lotste.

Bush dagegen erntete zum Finale seiner Amtszeit erneut Schuhe: Inspiriert vom "Schuhwerfer von Bagdad" haben Demonstranten dem scheidenden US-Präsidenten George W. Bush eine besondere Abschiedsvorstellung geboten. Mehrere Dutzend Bush-Kritiker warfen kurz vor Bush' Auszug ihre Schuhe auf den Rasen des Weißen Hauses. "Gebt Bush einenTritt", nannten sie ihre Aktion. Anders als der Schuhwerfer von Bagdad, der im Dezember bei einer Pressekonferenz in der irakischen Hauptstadt Bush mit seinen Schuhen beworfen hatte, müssen die Akteure in Washington mit keinen juristischen Konsequenzen rechnen. Die Sicherheitskräfte des Weißen Hauses empfingen sie freundlich, wie es heißt. Niemand wurde festgenommen. (dpa/rtr/ap)

Datum:  20 | 1 | 2009
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