Frankfurt - "Endlich!!! Die Anerkennung!!!" - Der Jubelschrei auf der Homepage der Privaten Tages- und Internatsschule Dieburg (PTID) drei Tage vor Weihnachten 2006 war kaum zu "überhören". Rund sechs Jahre nach Gründung dieser Gesamtschule müssen die Abiturienten der PTID dank staatlicher Anerkennung ihrer Oberstufe nun nicht mehr die gefürchtete, weil umfangreichere "externe" Prüfung machen.
Die PTID ist eine typische Vertreterin heutiger Privatschulen. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten - vor allem wegen geringer Klassenstärken - in der Anfangsphase, wächst die Nachfrage bei Privatschulen seit den 60er Jahren kontinuierlich um jährlich rund drei Prozent, berichtet der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen (VDP), Christian Lucas: "Doch wir spüren den Boom nur auf den Wartelisten." Der wachsenden Nachfrage stehe ein viel zu geringes Angebot gegenüber.
Als Grund führt Lucas die immer noch restriktive Genehmigungspraxis des deutschen Staates gegenüber Privatschulen an - "trotz aller Pisa-Diskussionen". Während im übrigen Europa deutlich höhere Quoten, gerade bei den Pisa-Spitzenreitern Finnland und Holland, registriert würden, "dürfen in Deutschland gerade mal sechs Prozent der jungen Menschen in eine Privatschule gehen", ärgert sich Lucas.
Als Ursache für die staatliche Zurückhaltung vermutet Lucas "eine Art von Selbsterhaltungstrieb". Rückläufige Schülerzahlen aufgrund der demographischen Entwicklung führten schon heute zu Schulschließungen. "Da will sich der Staat nicht noch eine private Konkurrenz vor die Nase setzen."
Schulen für alle Schichten
Die Folgen sind für Lucas auch pädagogisch ärgerlich. Auch weil "gute Pädagogik nur mit einer sozialen Durchmischung zu erreichen ist", wollen zumindest die Mitglieder seines Verbandes "Schule für alle Schichten sein". Das werde finanziell schon durch das Privatschulgesetz geregelt und ermöglicht. Mit dem habe sich auch der Vorwurf einer elitären Auswahl erledigt.
Die Auswahl der Schüler habe gesetzlichen Vorschriften zu folgen. Das gelte auch für die in der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS) mit dem VDP und drei weiteren Verbänden (Walldorfschulen, Landerziehungsheime, Freie Alternativschulen) organisierten Schulverbände der katholischen (40 Prozent aller AGFS-Schulen) und evangelischen Kirche (14 Prozent aller AGFS-Schulen). Wie alle Privatschulen, hätten auch die konfessionellen Einrichtungen die Regeln für die Aufnahme von Schülern zu erfüllen. "Und die sind identisch mit jenen für staatliche Schulen", so Lucas. Allerdings würden viele Privatschulen inzwischen das Niveau der Aufnahmekriterien deutlich erhöhen, um so den Ansturm "einigermaßen gerecht bewältigen zu können."
Auch Gerlinde Huber, pädagogische Leiterin der PTID, sieht in Zukunft weiteres Wachstum. "Unterricht ist Dienstleistung", lautet ihr Argument. "Und wir arbeiten kundenorientiert." Die private Organisationsform fördere das Engagement bei den Lehrern. Zudem zeigten Eltern heute deutlich mehr Selbstbewusstsein, wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht. "Solche Eltern bringen großes Engagement mit, das sich ebenfalls sehr positiv auf den Schulbetrieb auswirkt", sagt Huber. Entsprechend der europäischen Entwicklung, "der sich Deutschland auf Dauer nicht entziehen kann", sei für die Privatschulen mittelfristig ein Anteil an der Schülerzahl von zehn bis 15 Prozent möglich, so Lucas.
Das belegen die Wartelisten der Privaten. Theo Stadtmüller, Geschäftsführer der Walldorfschule Darmstadt, bestätigt, dass auf deren Wartelisten stets zwischen 300 und 500 Anfragen stünden - Tendenz steigend. Auch Stadtmüller sieht neben dem spezifischen Walldorf-Angebot die Diskussion um Pisa als Hauptursache. Längst sei die Behauptung widerlegt, dass ein Walldorf-Abitur schlechtere Durchschnitte bringe. Stadtmüller: "Private bieten an, was Eltern wirklich suchen." Frank W. Methlow