Uwe Schwenker hat die Reißleine gezogen. Mehr unter Druck als aus Einsicht ist der ehemalige Nationalspieler als Geschäftsführer des deutschen Handball-Meisters THW Kiel zurückgetreten.
"Wir haben ihn aufgefordert, Kassenbelege für Barabhebungen vorzulegen. Dem ist er nicht nachgekommen. Aus arbeitsrechtlicher Sicht kann diese Art nicht akzeptiert werden", sagte der THW-Gesellschafter Georg Wegner am Dienstag in Kiel. Der unter Manipulationsverdacht stehende Schwenker habe "leichten Druck gespürt", sagte Wegner.
Grund für den Rücktritt seien allerdings nicht die erhobenen Vorwürfe, betonte Wegner. Auch nach Einsicht in die 1000 Seiten starken Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft gebe es "keine belastbaren Beweise". Der Rückzug des früheren Nationalspielers nach rund 16 Jahren habe das Ziel, "den überragenden sportlichen Erfolg der Mannschaft des THW Kiel nicht zu gefährden und den Verein vor weiterem Schaden zu bewahren."
Vertrag wird aufgelöst
Der unbefristete Vertrag des Managers wird "im Einvernehmen" zum 30. Juni 2009 ohne Zahlung einer Abfindung aufgelöst. Bis dahin werde Schwenker der Mannschaft und dem Trainer weiter zur Verfügung stehen, allerdings den Verein nicht mehr nach außen vertreten, betonte Wegner, der als Sprecher der fünf Gesellschafter fungiert.
Gegen Schwenker ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Untreue. Dem Verein wird vorgeworfen, Spiele in der Champions League durch Schiedsrichterbestechungen manipuliert zu haben, darunter auch das Finale 2007 gegen den Nord-Rivalen SG Flensburg-Handewitt. Schwenker bestreitet die Vorwürfe.
Begründungen für ungeklärte Bargeldabhebungen in Höhe von mehr als 100.000 Euro in den vergangenen Jahren hat der 50-Jährige bislang nicht gegeben. Laut Wegner will sich Schwenker erst erklären, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen sind. "Dass der Geschäftsführer zu Unregelmäßigkeiten schweigt, ist eine unhaltbare Situation", betonte Ulrich Rüther, Sprecher des Beirats und Vorstandsvorsitzender von Hauptsponsor Provinzial-Versicherungen.
Belege fehlen
Seit vier Wochen ist der deutsche Rekordmeister in Erklärungsnot, weil sowohl der Verwendungszweck von Zahlungen in Höhe von insgesamt 92.000 Euro in Jahr 2007 an den kroatischen Spielervermittler Nenad Volarevic, einen Freund des früheren THW-Trainers Zvonimir Serdarusic, als auch Abbuchungen im vergangenen Jahr über rund 60.000 Euro nicht belegt werden können.
Unbeeindruckt von allen Diskussionen um Bestechungen zieht der THW in dieser Saison souverän wie selten seine Kreise. Trotz der Entlassung von Erfolgstrainer Zvonimir Serdarusic im Juni vergangenen Jahres, mit dem sich Schwenker aus privaten Gründen überworfen hatte, läuft es beim Bundesliga-Primus wie am Schnürchen. Die von Alfred Gislason trainierte Mannschaft steht vor dem Gewinn der 15. deutschen Meisterschaft und hat gute Chancen, erneut ins Finale der Champions League einzuziehen.
"Für die Mannschaft und Alfred Gislason tut es mir richtig leid", sagte Geschäftsführer Peter Krebs vom Bundesliga- Rivalen HSV Hamburg. "Die spielen in dieser Saison ein Traum-Handball und haben das ganze Theater nicht verdient." Mannschaftskapitän Stefan Lövgren baut auf bessere Tage: "Ich hoffe, dass jetzt mehr Ruhe einkehrt und wir uns wieder auf das Sportliche konzentrieren können."
Die Geschäftsführung beim THW übernimmt bis auf weiteres die Geschäftsstellen-Leiterin Sabine Holdorf-Schust. Der Verein sucht jedoch zur nächsten Saison einen neuen Geschäftsführer - möglichst aus dem Handball-Bereich.
Namen wollte Wegner nicht nennen, ein heißer Kandidat ist jedoch der frühere THW-Spieler Wolfgang Schwenke, der bis Saisonende als Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen tätig ist. (dpa)