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Bildung einer kriminellen Vereinigung: Islamvertreter unter Verdacht

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Spitzenfunktionäre deutscher Islam-Vereine sind umfangreicher als bisher bekannt. Es geht um Geldwäsche, Betrug und Bezüge zu einer Islamistengruppierung. Von Helmut Frangenberg und Ursula Rüssmann

Besucher stehen bei einer Führung durch das islamische Zentrum in München im Gebetsraum der Moschee. Hier hat die Islamische Gemeinschaft Deutschlands ihren Sitz.
Besucher stehen bei einer Führung durch das islamische Zentrum in München im Gebetsraum der Moschee. Hier hat die Islamische Gemeinschaft Deutschlands ihren Sitz.
Foto: dpa

Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Spitzenfunktionäre deutscher Islam-Vereine. Der Vorsitzende der "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland" (IGD), Ibrahim El-Zayat, und der Generalsekretär von Milli Görüs, Oguz Üçüncü, sowie fünf weitere Personen werden verdächtigt, an der Bildung einer kriminellen Vereinigung beteiligt zu sein. Die Gruppe habe durch Straftaten Geld einnehmen wollen, um "politisch-religiöse und letztlich islamistische Ziele" zu verfolgen, meinen die Ermittler.

Der Generalsekretär der islamistischen Organisation Milli Görüs, Oguz Ücüncü, reagierte prompt: "Ich weise die Vorwürfe zurück, weil sie nichts mit der Wahrheit zu tun haben"

Hintergrund

Sowohl Milli Görüs (IGMG) als auch die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGM) mit El-Zayat an der Spitze werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Die IGMG gilt laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) mit 27000 Mitgliedern als größte islamistische Organisation in Deutschland und verfügt über 323 Moschee- und Kulturvereine. Die IGM von El-Zayat ist laut BfV die in Deutschland mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft, der einflussreichsten islamistischen Bewegung der gesamten islamischen Welt. (dpa)

Den Verdächtigen wird unter anderem Geldwäsche und Betrug in mehreren Fällen vorgeworfen. Die Rede ist davon, dass öffentliche Fördermittel ohne erforderliche Gemeinnützigkeit eingestrichen und Immobilien mit betrügerischen Finanzkonstruktionen erworben worden seien. Der Verbleib von Geld aus Spendensammlungen sei unklar. Üçüncü und El-Zayat wiesen alle Vorwürfe zurück.

EL-Zayat, der von Köln aus seine weltweiten Geschäfte organisiert und unter anderem arabische Investoren berät, gilt den Ermittlern als "Kopf der Gruppierung". Ihm und den "von ihm vertretenen Gruppierungen" werfen sie "direkte Bezüge zur Muslimbruderschaft und zu einer auch in Deutschland agierenden türkischen Islamistengruppierung" vor.

El-Zayat gilt als einflussreiche Kraft im organisierten deutschen Islam. Als Generalbevollmächtigter der "europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgesellschaft" verwaltet er mehr als 600 Moscheen in Europa und betreut die Immobilien von Milli Görüs. Der Verein Milli Görüs ist die dominierende Kraft im Islamrat, der an der Islamkonferenz von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble teilnimmt. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei vertretungsberechtigte Vorstandsmitglieder der großen Migrantenorganisation wegen Steuervergehen und falscher Bilanzen.

Beobachter, die El-Zayat kennen, beschreiben ihn als "klugen Dialogpartner", aber "machtorientiert". Im Zentralrat der Muslime von Deutschland, zu dem auch die IGD gehört, gilt El-Zayat als mächtiger Strippenzieher im Hintergrund, der mit seinen radikaleren Positionen dem gemäßigt-konservativen Vorsitzenden Axel Ayyub Köhler das Leben schwer macht. El-Zayats Frau Sabiha ist die Schwester des langjährigen Vorsitzenden von Milli Görüs in Deutschland, Mehmet Erbakan.

Autor:  HELMUT FRANGENBERG UND URSULA RÜSSMANN
Datum:  20 | 3 | 2009
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