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Bistum Limburg: Wirbel um Schwulen-Segen

Sie heiraten und der Teufel ist los: Bezirksdekan Peter Kollas wird gefeuert, weil er sie segnet. Sie bekommen Reaktionen aus der ganzen Republik. Nun wollen Jürgen Erbach und Kristof Heil beim Bischof vorsprechen. Von Petra Mies

Jürgen Erbach und Kristof Heil: Ihre Trauung löste viel Wirbel im Bistum Limburg aus.
Jürgen Erbach und Kristof Heil: Ihre Trauung löste viel Wirbel im Bistum Limburg aus.
Foto: privat

Nein, mit einem derartigen Wirbel hätten Jürgen Erbach, 47 Jahre, und Kristof Heil, 43, nicht gerechnet. Erbach, Professor für Immobilienmanagement und Initiator des Optikparcours Wetzlar, eines Lehr- und Spaßpfades, befindet: "Wenn wir damit gerechnet hätten, dass wir solchen Schaden damit hervorrufen würden, unsere Lebensgemeinschaft legalisieren zu lassen, hätten wir es so nicht gemacht - vor allem wegen Herrn Kollas nicht."

Am 15. August 1988 hatten Erbach und Heil telefoniert, um sich zu einem Eis zu verabreden. Genau 20 Jahre später ließen die homosexuellen Männer ihre Partnerschaft von Oberbürgermeister Wolfram Dette im Standesamt von Wetzlar eintragen - und sich anschließend im Wetzlarer Dom vom evangelischen Pfarrer Arnulf Linden und dem katholischen Pfarrer und Bezirksdekan Peter Kollas segnen. Letzterer ist inzwischen vom Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst als Dekan abgesetzt und von Prälat Franz Kaspar ersetzt worden.

Bischöfliche Begründung: Es sei für katholische Seelsorger nicht möglich, eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften zu segnen.

Seither ist der Teufel los. Das schwule Paar bekommt viele Reaktionen aus ganz Deutschland. Eben weil sie Kollas so schätzten, und auch aus dem Wunsch heraus, seelsorgerisch begleitet zu werden, haben sie um eine Audienz bei Tebartz-van Elst ersucht. Ende vergangener Woche kam das Antwort-Fax, dass zwei hochkarätige Repräsentanten des Bistums mit ihnen sprechen wollten. Erbach: "Der Termin steht noch nicht fest."

Erbach sieht nicht ein, dass homosexuelle Partnerschaften, von denen bundesweit "quasi im Hinterzimmer 200 kirchlich gesegnet werden", derart in ihrem Glauben behindert würden. "Schwule sind keine Katakomben-Christen, die sich wie im römischen Reich verstecken müssen und denen Schilder umgehängt werden, auf denen steht: "Bitte nicht füttern, bitte nicht segnen." Mich erschüttert, dass das ausgerechnet in einem traditionell als eher liberal geltenden Bistum geschehen ist."

Während führende Mitglieder der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau dem entlassenen Dekan Kollas ihren Respekt zollten, bleibt das Bistum Limburg bei seinem Standpunkt. Sprecher Robert Eberle betont den "professionellen Umgang" mit dem Thema. "Wir bekommen viel Zustimmung für die Entscheidung des Bischofs" - schon deshalb, da im Einladungsschreiben des Paares von Trauzeugen die Rede gewesen und insgesamt der Eindruck entstanden sei, dass es sich um eine Eheschließung wie jede andere handle. "Das geht in der katholischen Kirche nicht." Dabei seien Ehe und Familie auch nach dem Grundgesetz mit besonderem Schutz ausgestattet. Und die Konsequenzen für Kollas nennt Eberle vergleichsweise milde: "Er hat ja nur ein Nebenamt abgegeben."

Auch der Stadtdekan von Frankfurt kritisiert die Segnung des Paares. "Herr Kollas ist doch kein Anfänger, sondern berufserfahren", sagt Raban Tilmann. "Er hat sich da wohl unter Druck setzen lassen, weil das Paar so viele Gäste und sogar den Oberbürgermeister im Gepäck hatte." Es sei tragisch: "Er hat sich da ein bisschen hineinziehen lassen, das hat uns alle überrascht und entsetzt."

Autor:  PETRA MIES
Datum:  25 | 8 | 2008
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