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Bundesweite Studie: Jugend in Braun

Eine neue Studie im Auftrag des Innenministers stuft jeden siebten Neuntklässler in Deutschland als "in hohem Maße" ausländerfeindlich ein. Von Jeanette Goddar und Volker Schmidt


Foto: dpa

Jugendliche in Deutschland fühlen sich offenbar von rechtsextremen Gruppen stärker angezogen als von demokratischen Parteien. In einer bundesweiten Studie im Auftrag des Innenministeriums gaben 4,9 Prozent aller männlichen Neuntklässler an, einer rechten Gruppe oder Kameradschaft anzugehören. 3,8 Prozent waren es bei Jungen und Mädchen. In den Jugendorganisationen aller Parteien zusammen sind lediglich ein bis zwei Prozent. Für die Studie wurden 2007 und 2008 mehr als 44 600 Schüler von im Schnitt 15 Jahren befragt.

"Dass Rechte beim Einsammeln von Jugendlichen mehr Erfolg haben als etablierte Parteien, ist erschreckend", sagte der Leiter der Studie, der Kriminologe Christian Pfeiffer. Zumal allzuoft Taten folgen: 2,7 Prozent sagten, sie hätten "jemanden stark geschlagen und verletzt, weil er Ausländer war". 2,8 Prozent beschädigten aus dem gleichen Grund Sachen.

Nicht jeder, der rechtsextrem denkt, zeigt es so offen.
Nicht jeder, der rechtsextrem denkt, zeigt es so offen.
Foto: dpa

Noch viel weiter verbreitet sind rechtsextreme Denkweisen. Dem Satz "die meisten Ausländer sind kriminell" stimmten 39,2 Prozent zu. "Durch ihr Verhalten sind die Juden an ihren Verfolgungen nicht ganz unschuldig" unterschrieben 14,7 Prozent. Nahezu jeder dritte (29,7 Prozent) findet, es gebe "zu viele Ausländer in Deutschland". Die Auswertung ergab: 40,4 Prozent sind ausländerfeindlich, 14,4 Prozent - also jeder siebte - sogar "in hohem Maße". Als sehr ausländerfeindlich mit rechtsextremem Verhalten stuften die Forscher 8,2 Prozent der Befragten ein - wobei auch "niedrigschwelliges rechtsextremes Verhalten" wie das Hören einschlägiger Musik bewertet wurde.

Unter Jungen sind rechte Ansichten häufiger als unter Mädchen, im Osten und Süden häufiger als im Westen und Norden. Am auffälligsten sind die Unterschiede zwischen den Schultypen: Während an Haupt- und Förderschulen jeder Zehnte angibt, Mitglied einer rechten Gruppe zu sein, ist es an Gymnasien jeder Fünfzigste.

Professor Elmar Brähler von der Uni Leipzig ist in seinen Studien bei Menschen ab 14 Jahren zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. Er hat die Mechanismen dahinter untersucht: "Rechtsextreme Einstellungen entstehen in der Familie", sagt Brähler der FR. Abhilfe brächten daher weniger "Umerziehungsprogramme für Jugendliche" als eine breite Auseinandersetzung in der Gesellschaft.

Auch Sebastian Edathy (SPD), Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses, wundert sich nicht: "Kinder und Jugendliche geben wieder, was sie am Küchentisch hören", sagt er der FR. "Die Herausforderung ist: Die Jugendlichen sind beeinflussbar." Schulische und außerschulische Einrichtungen müssten gegensteuern. Lehrpläne dürften nicht allein auf das Eintrichtern von Fachwissen ausgelegt sein - "aber ich kann leider keine Schulpolitik machen".

Edathy fordert mehr Unterstützung des Bundes für Initiativen, die extreme Einstellungen bekämpfen. Ähnlich sieht es Kai Gehring, jugendpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag: "Es darf nicht so bleiben, dass in einigen Regionen Rechtsextreme die scheinbar attraktivsten Freizeitangebote machen."

Autor:  JEANETTE GODDAR UND VOLKER SCHMIDT
Datum:  17 | 3 | 2009
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