Wenn 14 schöne Mädchen frieren, schwitzen, weinen und sich vor laufenden Kameras lächerlich machen, dann kann man sicher sein: Hier geht es um die Hoffnung auf Titelseiten und Glamour. Um Heidi Klums Castingshow "Germany´s next Topmodel". Am 4. März geht es los und schon jetzt ist klar: Boulevardmedien werden über Zickenkriege berichten, Kritiker sich aufregen, halb Deutschland wird einschalten - um am Ende ein Mädchen gewinnen zu sehen, das aus dem nächsten Otto-Katalog lächelt.
Zumindest wenn die Karriere so verläuft wie bei den Siegerinnen Lena Gercke, Barbara Meier, Jennifer Hof und Sara Nuru. Nämlich kläglich. Vorläufiger Höhepunkt war Meiers TV-Werbespot für Müllermilch. Nuru schaffte es auf die Modenacht eines Keksherstellers. Lambertz statt Lagerfeld. Molke statt Mailand.
"Die Show produziert Mini-Celebrities und keine Models", urteilt Carlos Streil, Scouter der Agentur East-West-Models. Die Mädchen würden für Veranstaltungen gebucht, um die Medien anzulocken. Für Streil ist die Sendung bloß eine Plattform für extrovertierte Mädchen, die sonst bei Misswahlen antreten. Bei Models käme es aber darauf an, "im richtigen Moment den richtigen Blick in die Kamera zu werfen".
Frank Kuhlmann, Gründungspräsident der Modelagentur Metropolitan sieht es ähnlich. "Lena Gercke ist hübsch, aber sie hat keine Substanz. Ein Topmodel wie Claudia Schiffer wäre noch mit einem Sack überm Kopf präsent, Lena ginge unter." Auch über Barbara Meier fällt sein Urteil klar aus: "Sie hat schiefe Zähne und eine zu ernste Mimik. Mit ihren roten Haaren kommt sie in einen Nischenmarkt - und da gibt es viel Bessere". Jennifer Hof sei nach ihrem Sieg sowieso nie mehr aufgetaucht. Potential sieht er nur bei Sara Nuru - allerdings nicht als Model: "Sara hat eine sehr positive Ausstrahlung. Sie könnte eine gute Moderatorin abgeben".
Müller Milch macht´s nicht
Die Jobs der Mädchen während der Sendung seien nicht repräsentativ, so Kuhlmann. Die erhielten sie nämlich dafür, dass der Auftraggeber zuvor in der Show beworben werde. Die Aufträge, die die Siegerinnen nach der Sendung erhielten, beeindrucken die Fachleute nicht. "Wenn Barbara Meier jetzt Werbung für Müllermilch macht, ist das doch nichts Tolles", sagt Streil. Tatsächlich haben sich die meisten professionellen Models bei Agenturen beworben oder wurden zufällig entdeckt. Schenkenberg wurde beim Skaten angesprochen.
Claudia Schiffer, von Agenturen wegen ihrer Schlupflider und Figur abgelehnt, schaffte den Durchbruch mit einer Bardot-Fotostrecke. Und auch Heidi Klum weiß, dass der Sieg bei einer Casting-Show nichts zu bedeuten hat. 1992 gewann sie Thomas Gottschalks Casting-Wettbewerb "Model 92". Der Durchbruch gelang ihr allerdings erst, als sie das Cover eines US-Magazins zierte. Als Ergebnis von zwei Jahren Klinken putzen in New York.