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14. Oktober 2008

CDU/NPD-Schreibkollegen: Rechte ködern Russlanddeutsche

 Von ANNIKA JOERES
In der Monatszeitung "Ost-West-Panorama" für Russlanddeutsche schreiben der NPD-Vorsitzende Udo Voigt, der NPD-Generalsekretär Peter Marx - und zahlreiche Christdemokraten und Christsoziale (Symbolbild).  Foto: dpa

CDU-Mitglieder schreiben gemeinsam mit NPD-Größen für eine rechtsradikale Aussiedler-Zeitschrift. Ein Autor ist Mitglied des nordrhein-westfälischen Integrationsbeirates. Von Annika Joeres

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"Liebe Landsleute," schreibt der CSU-Politiker Arthur Bechert aus Regensburg, "ehrliche Bemühungen und redliche Arbeit zahlen sich aus." Becherts Ansprache allerdings erschien in einer unredlichen, nämlich rechtsradikalen Zeitung: dem vorwiegend russischsprachigen "Ost-West-Panorama" aus Oerlinghausen bei Bielefeld.

In der Monatszeitung für Russlanddeutsche schreiben NPD-Vorsitzende Udo Voigt, NPD-Generalsekretär Peter Marx - und zahlreiche Christdemokraten und Christsoziale.

So ist der Chefredakteur Heinrich Daub ein Mainzer CDU-Mitglied. Als Herausgeber firmiert Viktor Harder, CDUler aus Oerlinghausen. Doch die beiden Männer an der Spitze der Zeitung sind nicht die einzigen, die sich in der Publikation mit einer Auflage von rund 10.000 Lesern zu Wort melden.

Zu den Autoren gehört auch Heinrich Neugebauer, CDU-Mitglied aus Krefeld und stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen NRW. Der 70-Jährige meint, seine Artikel seien nicht zu beanstanden. "Dass daneben NPDler schreiben ist doch nicht meine Schuld", sagte Neugebauer der FR. Sein Text sei zudem aus Versehen an die Zeitschrift geschickt worden.

Der Russlanddeutsche ist der Ansicht: "In einer Demokratie darf jeder schreiben, was er will." Rechts und Links seien unbestimmte Begriffe und überhaupt sei die Antifa "schlimmer als alle Hooligans zusammen".

Mitglied im nordrhein-westfälischen Integrationsbeirat

Neugebauer ist Mitglied des nordrhein-westfälischen Integrationsbeirates, der von seinem Parteikollegen und NRW-Integrationsminister Armin Laschet vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde.

"Wir werden den Fall sorgfältig prüfen", sagte Hendrik Wüst, Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen. "Eine Mitgliedschaft in der Partei und sein Engagement für das Ost-West-Panorama schließen sich aus." Nach Recherchen des WDR soll Harder auf Drängen der CDU-NRW die Partei am Montag verlassen haben.

Rechtsradikale Parteien versuchen gezielt, Russlanddeutsche als Wähler anzusprechen, zum Beispiel über Publikationen in russischer Sprache. Oder auch über gemeinsame Auftritte: Erst vor einigen Wochen demonstrierte Claus Cremer, NPD-Chef in NRW, mit rechtsgerichteten Russlanddeutschen vor dem Düsseldorfer Landtag. Das Motto: "Wir sind alle ein Volk, wir sind alle ein Reich."

Dem Interessenverband Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sind die rechten Vereinnahmungsversuche bekannt. "Es gibt dieses Ansinnen", so eine Sprecherin des Verbands. Aber die überwiegende Mehrheit lasse sich nicht in die rechte Ecke ziehen.

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