kalaydo.de Anzeigen

CDU-Vorstand stützt Merkel: Alle Mann und ihr Kommando

Als wäre nichts gewesen. Merkel definiert das Wort "konservativ" und umarmt ihre parteiinternen Kritiker. Nach der CDU-Klausurtagung muss sie nur noch das Krisengepräch mit Westerwelle und Seehofer überstehen. Von Karl Doemens

Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Klausurtagung des CDU-Vorstandes.
Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Klausurtagung des CDU-Vorstandes.
Foto: afp

BERLIN. Für den Bruchteil einer Sekunde wirkt die CDU-Vorsitzende perplex. "Frau Merkel, wo sind Sie konservativ?", will ein Journalist wissen. Die Frau am Rednerpult spricht über das lateinische Wort "conservare" und tastet sich so ziemlich langsam im Nebel voran. Doch dann fällt ihr eine schöne Antwort ein. Gelegentlich werde sie ja als vorsichtig und zögerlich beschrieben, erwidert Angela Merkel: "Ich bin ein Mensch, der nicht dazu neigt, das was gewesen ist, sofort über Bord zu werfen." Und das sei doch wohl eine "ziemlich konservative" Einstellung.

Mit einer Antwort gleich zwei Vorwürfe - den der Führungsschwäche und den des fehlenden konservativen Profils - aufzugreifen und gegeneinander auszuspielen, das macht der 55-Jährigen so schnell niemand nach. Demonstrativ gut gelaunt ist sie nach der zweitägigen Klausurtagung ihrer Partei vor die Presse getreten. Schon vorher habe sie sich auf das Treffen gefreut. "Meine Vorfreude ist erfüllt worden", sagt Merkel: "Es hat Spaß gemacht."

Das verwundert in Anbetracht der Umstände doch ein wenig. Nicht nur war mit 33,8 Prozent das schlechteste Ergebnis einer Bundestagswahl seit 1949 zu verarbeiten. Auch hatten vier konservative Landespolitiker in einem offenen Brief der Vorsitzenden "präsidialen Führungsstil" und Profillosigkeit vorgeworfen. Ein neuer Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) beklagte die fehlende Orientierung an christlichen Werten. Und schließlich hatte Saarlands Ministerpräsident Peter Müller noch am Vortag gedroht, aus Protest gegen die Steuerreform der Abschlusserklärung seine Zustimmung zu verweigern.

Von all dem ist am Freitag keine Rede mehr. Hinter verschlossenen Türen hat der Wahlforscher Matthias Jung Merkels Projekt der Linksverschiebung der CDU als alternativlos bezeichnet. Den Brief der vier Aufrührer wertet Merkel als Ausdruck der angestrebten Vielfalt der Partei: "Ich bin ein Mensch, der sich über Debattenbeiträge freut." Generalsekretär Hermann Gröhe will nun mit den Autoren sprechen und von ihnen erfragen, was genau sie neben dem allgemeinen Lamento denn an Vorschlägen haben.

Am Ende loben alle die gute Gesprächsatmosphäre

Die Katholikentruppe hat ein klassisches Eigentor geschossen, als ihr Vorsitzender, der streitbare Publizist Martin Lohmann, erklärte, Merkel sei "nicht die Staatsratsvorsitzende" der DDR. So etwas hört man in der CDU gar nicht gerne, was zur Solidarisierung mit der Parteichefin führt.

Um den Kritikern, die sich um die Stammwähler sorgen, entgegenzukommen, nimmt der Vorstand in der "Berliner Erklärung" eine kosmetische Korrekur vor und tauscht zwei Absätze aus. Die Debatte mit Peter Müller sei "unglaublich kurz" gewesen, berichtet Merkel. Für ihn wird hinter dem Bekenntnis zur Steuerreform ein Halbsatz aufgenommen, der an die Einhaltung der Schuldenbremse erinnert.

Die steht freilich im Grundgesetz und gilt auch ohne CDU-Vorstandsbeschluss. Am Ende loben alle die gute Gesprächsatmosphäre. Die Berliner Erklärung ist einstimmig angenommen worden. Merkel wertet dies als "breite Unterstützung" für ihren Kurs. "Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen", philosophiert der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff: "Das war ein sehr, sehr guter Auftakt."

Autor:  Karl Doemens
Datum:  15 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken