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CIA: Terroristen paktieren mit Piraten

Westliche Geheimdienste befürchten eine Eskalation der Piratenangriffe auf zivile Schiffe. Reiseveranstalter melden statt Stornierungen einen "Hang zum Nervenkitzel" der Urlauber.

Piraten im Golf von Aden (Archivbild).
Piraten im Golf von Aden (Archivbild).
Foto: ap

Hamburg/Dschibuti. Westliche Geheimdienste befürchten eine Eskalation der Piratenangriffe auf zivile Schiffe im Golf von Aden und vor der somalischen Küste. "Wir haben klare Hinweise darauf, dass sich die Terrororganisation Al-Qaida bei den Piraten eingeschaltet hat", sagte ein Vertreter des US-Auslandsnachrichtendienstes CIA der Nachrichtenagentur ddp in Dschibuti.

"Die islamistischen Terroristen wollen von den sprudelnden Einnahmen der Piraten profitieren und versorgen sie im Gegenzug mit modernen Waffen und Geräten", berichtete ein CIA-Experte.

Al-Qaida plane "offenbar sogar Selbstmordanschläge an Bord von Kreuzfahrtschiffen, um die westlichen Staaten in Bedrängnis zu bringen".

Zum harten Vorgehen gegen die Piraten erhält die Deutsche Marine nun dieselben Befugnisse, wie sie bereits in den "Einsatzregeln" für den Flottenverband der Europäischen Union (EU) festgelegt worden sind. Der EU-Verband kreuzt schon vor Somalia.

Die deutsche Fregatte "Karlsruhe", die ebenfalls vor Ort ist, wird erst am 19. Dezember nach der Mandatserteilung durch den Bundestag zu der Flotte stoßen. Sie darf dann nach den noch unter strengstem Verschluss gehaltenen deutschen "Einsatzregeln" Piratenschiffe nicht nur abdrängen, sondern auch versenken.

Das soll die "Ultima Ratio" - äußerstes Mittel - sein, wie aus Marinekreisen in Berlin zu erfahren war. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" werden Militärpolizisten auf der "Karlsruhe" stationiert.

Sie sollen für eine korrekte Behandlung von Gefangenen sorgen. Die Feldjäger müssen für jeden Gefangenen eine präzise "Dokumentation" anlegen, zu der eindeutige Personenidentifizierung sowie Schrift-, Belehrungs- und Meldenachweise gehören.

Außerdem sollen die Feldjäger den Kommandanten beraten und "Tatortarbeit an Bord des gekaperten Schiffes" leisten. Die von den USA vorgeschlagene Verfolgung von Piraten auch auf dem somalischen Festland lehnt die Bundesregierung ab.

Deutsche Sicherheitsexperten zeigten indessen ihr "völliges Unverständnis" über die Absicht deutscher Reiseveranstalter, an ihren Kreuzfahrten durch die gefährlichen Gewässer des Piratengebietes im Golf von Aden festzuhalten.

Eine Annullierung der neun Fahrten, die zunächst bis März vorgesehen sind, sei für die Organisationen mit zu hohen Kosten verbunden, hatte der Geschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes, Hans-Gustav Koch, wissen lassen. Es gebe keine wirtschaftlich vertretbare Alternative für die Route, weil der Weg um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas jede Reise um rund drei Wochen verlängern würde.

Offiziere der Deutschen Marine werteten die Bitten der Reeder, ihren Schiffen militärischen Begleitschutz zu geben, als "abstrus". Es sei schon von den Kapazitäten der Marine her nicht möglich, mit Kriegsschiffen Kreuzfahrtschiffe zu eskortieren, betonte ein Marineoffizier.

Außerdem könnten die Gefahren nicht abgeschätzt werden, wenn es in der Nähe eines mit vielen Gästen fahrenden Passagierschiffes zu einer Waffenauseinandersetzung mit Piraten kommen würde. Keine Besatzung eines Militärschiffes könne dabei für die Sicherheit der Menschen an Bord garantieren.

Aus Hamburger Reederkreisen war zu hören, dass es bisher für die geplanten Fahrten durch den Golf von Aden und das Seegebiet vor Somalia "kaum Stornierungen" gegeben habe.

Unter der Hand sagte ein Reiseveranstalter, der namentlich nicht genannt werden wollte, "dass man bei den Kreuzfahrern sogar einen gewissen Hang zum gefährlichen Nervenkitzel für die geplante Reise durch die Piratensee feststellen konnte".

Die Leute gingen natürlich wie die Reeder davon aus, dass nichts passiere. Immerhin hielten die Kreuzfahrtschiffe einen Abstand von 400 Seemeilen zur Küste von Somalia. Auch würden "Vorkehrungen" für die Sicherheit der Passagiere getroffen. Zu Einzelheiten wollten sich die Reiseveranstalter nicht äußern.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben die somalischen Piraten bei ihren Kaperungen in diesem Jahr an die 100 Millionen Euro erpresst. Für die Freilassung des saudi-arabischen Supertankers "Sirius Star", den die Piraten immer noch in ihrer Gewalt haben, verlangen sie 25 Millionen Dollar. (ddp)

Datum:  13 | 12 | 2008
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