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SPD-Austritt

Clement fühlt sich gedemütigt

Nicht nur gerügt, sondern gedemütigt, gar unwürdig behandelt fühlt sich der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Deshalb habe er die SPD verlassen.

Wolfgang Clement: So viel Zustimmung habe ich noch nie erlebt.
Wolfgang Clement: "So viel Zustimmung habe ich noch nie erlebt."
Foto: Foto: dpa

Berlin. Der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat die SPD verlassen, weil er sich von der Partei nicht nur gerügt, sondern gedemütigt fühlte.

Clement hat auch SPD-Chef Franz Müntefering für seinen Parteiaustritt mitverantwortlich gemacht. "Ich sollte unter Mitwirkung von Franz Müntefering entmannt werden", sagte Clement am Sonntag im "Deutschlandfunk".

Das "Fass zum Überlaufen" habe gebracht, dass ihm die Bundesschiedskommission neben der Rüge für seine Äußerungen im hessischen Landtagswahlkampf eine Erklärung abverlangt habe, künftig seine Worte sorgfältig zu wählen, sagte Clement der "Welt am Sonntag".

Clement hatte in dieser schriftlichen Erklärung bestritten, dazu aufgerufen zu haben, die hessische SPD nicht zu wählen. Weiter schrieb er: "Ich werde aber bei der Wortwahl künftiger Äußerungen darauf achten, dass solche Missverständnisse nicht mehr entstehen." In seinem ersten Interview seit dem Parteiaustritt sagte er nun: "Meine Töchter nennen das lächerlich, ich selbst bezeichne es als unwürdig."

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bot Clement nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" eine "Schnuppermitgliedschaft" in seiner Partei an. Zuvor waren Angebote bereits aus der FDP laut geworden.

Clement sagte, er habe nicht die Absicht, jetzt in eine andere Partei zu gehen. Er äußerte die Erwartung, dass er sich an Diskussionen innerhalb der SPD auch von außen beteiligen könne. "Ich hoffe, dass die Partei, wenn sie die Blähungen hinter sich hat, ernsthafter über diesen Austritt nachdenkt und sich Gedanken darüber macht, was ich eigentlich an Substanz gesagt habe. Und da liegt eine ganze Menge auf dem Tisch, das geordnet werden muss", sagte er dem Deutschlandfunk.

Anders als in der SPD habe er bei den Bürgern viel Verständnis für seinen Schritt gefunden. Am vergangenen Montag, an dem sein Austritt öffentlich wurde, habe er schon bis 9.00 Uhr morgens 540 zustimmende E-Mails erhalten und nur etwa 50 kritische. Bis heute erhalte er in der Öffentlichkeit überall "zustimmende Zurufe", sagte Clement. "So viel Zustimmung habe ich noch nie erlebt."

Clement hatte eine Woche vor der hessischen Landtagswahl vom Januar die energiepolitischen Pläne der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti scharf kritisiert und den Wählern geraten, gut zu überlegen, wem sie ihre Stimme geben. Die Schiedskommission seines nordrhein-westfälischen Landesverbandes hatte ihn deshalb aus der SPD ausschließen wollen. Die Bundesschiedskommission der Partei beschränkte sich vor einer Woche aber auf eine Rüge und eine persönliche Erklärung Clements. Dennoch war er einen Tag später ausgetreten. (dpa/rtr)

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Datum: 30 | 11 | 2008
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