Der Angreifer, der am Mittwoch im Dresdner Landgericht eine Frau niederstach und ihren Mann schwer verletzte, hat die Tat vermutlich aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven begangen. "Der Mann ist ein fanatischer Ausländerfeind", sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius der Frankfurter Rundschau.
Dennoch können sich die Ermittler nicht erklären, was genau das Gemetzel im Gericht ausgelöst hat. "Nicht jeder, der Ausländer hasst, tötet", so Avenarius. Der Täter habe noch keine Aussage gemacht und werde von einem Psychologen begutachtet.
Eigentlich stand keine große Sache zur Verhandlung: Alex W. ein 28-jähriger arbeitsloser Lagerarbeiter, in Russland groß geworden, stand am Mittwoch wegen Beleidigung erneut vor Gericht. Er hatte im November auf einem Spielplatz die 32-jährige Marwia E. im Streit um eine Schaukel beschimpft. Der in Russland geborene Alex W. wollte, dass das Kind Platz machte für seine kleine Nichte. Alex W. beleidigte die gebürtige Ägypterin, die ein Kopftuch trug, als "Schlampe", "Islamistin" und "Terroristin."
Die Frau zeigte ihn an, das Amtsgericht Dresden verurteilte ihn wegen Beleidigung zu einer Strafe von 780 Euro. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Denn schon im Amtsgericht soll Alex W. sich rassistisch über die im dritten Monat schwangere Frau geäußert haben. So eine habe kein Recht hier zu leben, soll er gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft wollte daraufhin eine härtere Strafe.
Etwa eine Stunde nach Verhandlungsbeginn um 9.30 Uhr, gerade als die schwangere Mariwa E. als Zeugin ihre Aussage beendet hatte, stürzte sich der in Perm geborene arbeitlose Lagerarbeiter mit einem Messer auf sie und stach 18 mal zu. Der Ehemann warf sich dazwischen und wurde auch verletzt. Der dreijährige Sohn (bisher war von einer Tochter die Rede), musste mit ansehen, wie seine Mutter verblutete.
Für die Staatsanwaltschaft ist das ein Mord. "Der Täter hat abgewartet, bis die Frau mit ihrer Aussage fertig war, dann hat er sie heimtückisch überfallen und getötet", sagt Avenarius.
Durch Drücken eines Notrufknopfes alarmierte Vorsitzende Richter Tom Maciejewski zwei Bundespolizisten, die vor einem Saal nebenan als Zeugen warteten. Sie eilten zum Tatort. Einer hielt den Ehemann irrtümlich für den Täter und schoss ihm ins Bein. Die Schussverletzung, so Avenarius, sei aber nicht der Grund, warum der Ehemann noch in Lebensgefahr schwebe.