Dresden. Der Präsident der Dresdner Industrie- und Handelskammer, Hartmut Paul, war offenbar Informant des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR. Das gehe aus Unterlagen der Stasi-Unterlagenbehörde hervor, berichtet die in Dresden erscheinende "Sächsische Zeitung". Paul räumte dem Bericht zufolge einen mehrjährigen Stasi-Kontakt ein. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, Detlef Hamann, kündigte an, das Präsidium werde die neue Faktenlage prüfen.
Man habe ihn bereits als Jugendlichen angesprochen, sagte Paul der Zeitung. Er sei immer ein "zuverlässiger Leitungskader" gewesen. Der Umgang mit der Stasi habe dazugehört, ein "arbeitsmäßiges Verhältnis - mehr nicht", sagte er demnach. Er habe nicht gewusst, dass er als Inoffizieller Mitarbeiter in den Akten geführt worden sei.
"Ich war nie ganz offiziell Mitglied dieses Vereins", sagte er. Er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Eine Verpflichtungserklärung habe er nie unterschrieben und auch keine Berichte verfasst.
Paul ist seit 1993 Präsident der Dresdner IHK. Dem Bericht zufolge war der ehemalige Restaurantchef im Ostberliner Fernsehturm bereits als Kellnerlehrling in Leipzig von der Stasi angesprochen und unter dem Decknamen "IM Lerche" geführt worden. Seit 1998 betreibt er ein Hotel in Radebeul.
IHK-Geschäftsführer Hamann sagte, die IHK werde nun unter anderem bei der entsprechenden staatlichen Stelle nachfragen, wie die neue Faktenlage zu bewerten sei. Über Konsequenzen müsste gegebenenfalls die Vollversammlung entscheiden.
"Es stellt sich nun die grundsätzliche Frage, ob er eine Verpflichtungsklärung abgegeben hat, für die Stasi zu arbeiten", sagte Hamann. Außerdem müsse geklärt werden, ob eine solche Zusammenarbeit als IM stattgefunden und ob jemand dadurch Schaden genommen habe. Dabei sei zu bedenken, dass jeder Exportbetrieb ständig von der Staatssicherheit kontaktiert wurde.
Die gesetzlich vorgeschriebene Anfrage bei der Stasi-Unterlagenbehörde zu Paul sei 1990 negativ beschieden worden. Diese Vorschrift, alle IHK-Mitarbeiter zu überprüfen, gebe es seit drei Jahren nicht mehr.
"Wenn die Gauck-Behörde 1990 beschieden hätte, dass es eine Akte und Hinweise auf eine Tätigkeit Pauls gebe, hätte die Wahl nicht stattgefunden", fügte Hamann hinzu. (ddp)