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Eintracht gewinnt gegen Freiburg: Ein spätes Tor, das Türen öffnet

Mit seinem ersten Tor für Eintracht Frankfurt beschert Halil Altintop den Hessen in letzter Minute den Sieg gegen den SC Freiburg. Nun sind es nur noch zwei Punkte Rückstand auf Platz fünf. Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Sebastian Jung (vorne) und der Freiburger Mohamadou.
Sebastian Jung (vorne) und der Freiburger Mohamadou.
Foto: dpa

Frankfurt/Main. Es war Chris, der bärenstarke Chris, der den späten und nicht mehr zu erwartenden Siegtreffer für seine Mannschaft einleitete - ausgerechnet mit einem astreinen Luftloch kurz vor dem eigenen Strafraum.

Der Brasilianer, ein begnadeter Zweikämpfer und einer der besten Frankfurter an diesem Abend, trat einfach über den Ball, Maik Franz knallte ihn mit seinem schwachen linken Fuß einfach lang und hoch und weit nach vorne, Alexander Meier setzte sich im Luftkampf gegen Heiko Butscher durch und verlängerte die Kugel in den Lauf des lauernden Halil Altintop, der Ömer Toprak entwischte und den Ball im Stile eines Klassestürmers über den Freiburger Torwart Simon Pouplin ins Glück lupfte. 2:1. Nach 91 Minuten.

Eintracht Frankfurt

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Dann brachen in Frankfurt alle Dämme. "Ein wundervolles Gefühl", erzählte der Matchwinner breit grinsend (siehe auch weiteren Bericht auf dieser Seite). Auch der Frankfurter Vorstandschef Heribert Bruchhagen, der sich schon früher auf den Weg hinunter gemacht hatte und das siegbringende Tor gerade noch aus dem Augenwinkel sah, schwebte schon fast auf Wolke sieben. "Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, dass wir in der letzten Minute mal ein Spiel gewonnen haben", sagte er. Dass die Eintracht die drei Punkte verdient hatte, daran bestand für Bruchhagen nicht der geringste Zweifel: "Wir waren eindrucksvoll", fand der normalerweise so defensive Eintracht-Boss. "Ich habe selten eine so überlegene Eintracht gesehen."

Köhler träumt

Die Eintracht marschiert

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Die Hessen haben sich nach dem zähen und mühseligen Arbeitssieg gegen den Abstiegskandidaten aus dem Breisgau oben festgesetzt, das Klassement weist sie auf Rang sieben aus, die Eintracht hat 34 Punkte beisammen, das ist nach 22 Spieltagen schon ein Zähler mehr, als sie in der gesamten vergangenen Runde gehamstert hatte. Der Abstand zu Borussia Dortmund auf dem letzten Europa-League-Rang beträgt nur noch zwei Punkte. "Jetzt wird wieder geträumt vom Uefa-Cup", sagte Benjamin Köhler, der eine starke Partie ablieferte und sein Team mit seinem schönen Freistoß zum 1:1 (40.) ins Spiel zurückbrachte. Ansonsten hielten sich die Frankfurter Spieler und auch der Trainer merklich zurück mit offensiv formulierten Beitrittsforderungen zu Europa. "Wir wissen das schon realistisch einzuordnen", bekundete Manndecker Maik Franz.

Da war es an dem für gewöhnlich stocknüchternen Bruchhagen, die Trommel zu rühren. "Es wäre unnatürlich, wenn wir jetzt nicht ein bisschen nach oben schielen würden", sagte der Ostwestfale. Natürlich müsse "vieles zusammenkommen", damit die Eintracht in die Phalanx der Spitzenklubs einbrechen könne. "Aber im Sport ist es nicht selten, dass eine Mannschaft außerordentlich überrascht." Bruchhagen konnte eine gewisse Genugtuung nicht verbergen: "Vor ein paar Wochen sind wir hier noch verteufelt worden für schlechte Einkaufspolitik und was weiß ich alles." Und nun? Nun spricht der Vorstandsvorsitzende doch allen Ernstes von der "Eigendynamik des Erfolges". Da mussten dann doch viele schmunzeln.

In den vergangenen, so schweren Jahren war die Eigendynamik immer und zwingend mit dem Zusatz "Misserfolg" versehen. So schnell ändern sich die Zeiten. Und doch, das weiß Bruchhagen natürlich nur zu gut, wird die Eintracht sich mächtig strecken müssen, will sie tatsächlich irgendwie da oben eindringen. Zumal es für die Hessen in den kommenden beiden Wochen nach Hamburg und Stuttgart geht, ehe der FC Schalke 04 in Frankfurt gastiert. "Jetzt haben wir schwere Spiele vor der Brust, danach wissen wir, wo wir stehen", kommentierte Bruchhagen. Und doch kam auch hier dieser so ungewohnte Zusatz: "Ich bin da aber durchaus optimistisch." Michael Skibbe, der stets nach oben strebende Trainer, drückte sich weitaus moderater aus. Nach den Partien gegen diese drei Schwergewichte "kann sich doch einiges relativiert haben", weshalb er auch unbeirrt am Saisonziel von 46 Punkte festhalten wird. Wenn in den kommenden zwölf Begegnungen noch der eine oder andere Punkt mehr aufs Konto gehievt werden könne, "bitte schön, sehr gerne".

Skibbe war vielleicht auch deshalb ein wenig gedämpfter, weil seine Mannschaft gegen den Aufsteiger aus Freiburg doch lange Zeit um Orientierung bemüht war, zumindest in den ersten 30,35 Minuten. "Es hat mich gestört, dass wir den Wind aus dem Dortmund-Spiel überhaupt nicht mitnehmen konnten", kritisierte Skibbe. "Wir waren gedanklich viel zu langsam."

Den Frankfurtern fiel vor allen Dingen nichts, aber auch gar nichts ein, wie sie die massive Freiburger Deckung aus den Angeln hätte heben können. Das 0:1 fiel aber dennoch aus heiterem Himmel. Das lag einzig und alleine an Oka Nikolov, dem Torhüter. Der ließ eine absolut harmlose Flanke des von den Eintracht-Fans gefeierten Ex-Frankfurters Du-Ri Cha im Fünfmeterraum fallen, Papiss Cissé staubte dankend ab (25.). Nikolov ging mit Magenproblemen in die Partie, Ersatzmann Ralf Fährmann lief sich schon nach wenigen Minuten warm, doch der wechselwillige Nikolov, wollte den Schnitzer nicht auf sein Unwohlsein zurückführen. Das berichtete Trainer Skibbe, der Schlussmann selbst war zu einer Aussage mal wieder nicht zu bewegen.

Für die Eintracht war der Tiefschlag wie ein Hallowach-Erlebnis. Antreiber war in erster Linie Benjamin Köhler, der sich in bestechender Form befindet. Der kleine Mittelfeldspieler holte auch den Freistoß raus, den er selbst direkt verwandelte. Ob Gegenspieler Ömer Toprak ihn da wirklich foulte, darüber gingen die Meinungen auseinander. SC-Trainer Robin Dutt wertete die Szene als Fehlentscheidung, "das muss der Schiedsrichter sehen, dass das kein Foul ist". Eintracht-Coach Skibbe wollte hingegen ein "klares Foul" gesehen haben. Eine Szene, zwei Meinungen. Schütze Köhler räumte ein: "Muss man nicht unbedingt geben." Kann man aber. Und dann, in der zweiten Hälfte, als die Eintracht "noch mal so richtig Feuer unters Dach brachte" (Skibbe), war es der Neue, Halil Altintop, der die Frankfurter ganz spät erlöste. "Wenn wir so weitermachen, ist alles möglich", ließ er sich dann noch entlocken.

Autor:  Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein
Datum:  14 | 2 | 2010
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