Vor 20 Jahren fiel die Mauer, doch was haben wir gewendet? Wir hören nun mehr Oasis als Ostrock, fahren eher Toyota als Trabi und tragen lieber Trenchcoats statt Lederolmäntel. Auch politisch sind wir eins geworden: ein Land, ein Grundgesetz, eine Kanzlerin. Aber wie ist es um unsere geistige Einheit bestellt? Haben wir die Mauer in den Köpfen überwunden? Denken wir nicht mehr in "Ost" und "West"?
Die 1980er Jahrgänge haben die DDR allenfalls noch während ein paar Kindheitsjahren erlebt, doch sie waren nie wirklich Teil der politischen Systeme. Ihr Geschichtsbild müsste folglich in Saarland und Sachsen zumindest ähnlich sein, das Einheitsdenken groß und die Vorbehalte klein.
Doch weit gefehlt: Es herrschen Unwissenheit und Unwohlsein statt Einheit und Erleichterung. Das bestätigte kürzlich eine repräsentative Umfrage in Sachsen-Anhalt, wo sich mehr als die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen in dem Bundesland von den Westdeutschen als Menschen zweiter Klasse behandelt fühlen. Die DDR stufen ein Drittel der Befragten rückblickend nicht als Diktatur ein, und knapp 60 Prozent halten den Sozialismus nach wie vor für eine gute Idee, die lediglich schlecht umgesetzt wurde.
Die Meinung dieser Zwischengeneration ist eine verzerrte Collage aus den subjektiven Schilderungen der Eltern und Verwandten, aus löchrigen Lehrplänen und Filmen wie "Good Bye, Lenin" und "Sonnenallee".
Welche Hoffnungen darf man auf diese Generation setzen, welche Erwartungen muss man fallen lassen? Wir haben junge Menschen aus allen Teilen Deutschlands zu ihrem DDR-Bild und ihren Vorbehalten befragt, um der wichtigsten Frage ein Stück näher zu kommen: Wie werden wir eins - auch im Geiste?
Lesen Sie auf den folgenden Seiten sechs Protokolle junger Menschen.