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Evangelischer Kirchentag in Bremen: Obdachlose unerwünscht

Messwein ist es nicht, was die Bremer Stadtstreicher zu sich nehmen. Dass Innensenator Mäurer (SPD) sie zum Kirchentag nicht im Stadtbild sehen möchte, empört neben Grünen und Linken auch die Protestanten. Von Eckard Stengel

Eine Räumungsaktion für den Kirchentag sei nicht geplant, versichert die Stadt bremen. Die Polizei solle mit den Trinkern nur mal wieder reden und ihnen sagen: Geht doch mal woanders hin!
Eine "Räumungsaktion für den Kirchentag" sei nicht geplant, versichert die Stadt bremen. Die Polizei solle mit den Trinkern nur "mal wieder reden" und ihnen sagen: "Geht doch mal woanders hin!"
Foto: dpa

Als Jesus einst den Tempel von Jerusalem betrat, soll er die Händler und Geldwechsler vertrieben haben. Dass er gegen Obdachlose vorgegangen wäre, ist nicht überliefert. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) ist jetzt in den Ruf geraten, er wolle die Innenstadt von Trinkern säubern - rechtzeitig vor dem Deutschen Evangelischen Kirchentag, der Mitte Mai erstmals in Bremen stattfindet.

Zwei Wochen vor dem alkoholfreien Glaubensfest mit bis zu 300.000 Besuchern hatte die Bild-Zeitung geklagt: "Penner und Trinker verschandeln das Bild unserer Stadt". Der Chef der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Uwe Woltemath, blies ins selbe Horn: "Schluss mit dem Saufen in der Öffentlichkeit!" Und Senator Mäurer ließ sich in dem Boulevardblatt mit der Aussage zitieren, die "vielen Trinker" seien wahrlich "kein angenehmer Anblick": "Gerade zum Kirchentag sollen die Besucher von unserer Stadt einen schönen Eindruck bekommen. Darum werden wir dafür sorgen, dass dieses Bild sich ändert."

Als erstes wetterten die mitregierenden Grünen gegen die "Vertreibung von Obdachlosen": "Rot-Grün ist angetreten, um die sozialen Probleme dieser Stadt zu lösen. Und nicht, um sie beiseite zu schieben." Auch die Linksfraktion äußerte sich "fassungslos".

Am Ende protestierten auch die Protestanten: Der oberste Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, und Landesdiakoniepfarrer Michael Schmidt distanzierten sich von den "Kehr-aus-Äußerungen". Der Kirchentag sei "keine simple Glitzer-Show des schönen Scheins". Wohnungslose seien nun mal "Teil dieser Gesellschaft und spiegeln die vielfältigen sozialen Probleme in unserem Land wider". Eine "Aufräumaktion" nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn" sei da der falsche Weg.

Der Senator versteht die ganze Aufregung nicht. Sein Sprecher versicherte der FR, es sei keine Räumungsaktion für den Kirchentag geplant. Die Polizei solle mit den Trinkern nur "mal wieder reden" und ihnen sagen: "Geht doch mal woanders hin!" So mache sie es häufiger, wenn auf dem Marktplatz "exzessiv getrunken wird und das die Leute stört".

Autor:  ECKHARD STENGEL
Datum:  7 | 5 | 2009
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