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Flirt-Express in Hessen: "Willst mich doch nur gefügig machen"

Die Stimmung ist heiter, Hostessen verteilen Sekt und Süßigkeiten. Speed-Dating bei der Bahn. Singles fahren mit dem Flirt-Express von Frankfurt nach Limburg. Von Maren Hennemuth

Pünktlich zum Valentinstag: Anstoßen im Flirt-Express.
Pünktlich zum Valentinstag: Anstoßen im "Flirt-Express".
Foto: dpa

Vom Aussehen ist es ein ganz gewöhnlicher Regional-Zug, der am Gleis 1a im Frankfurter Hauptbahnhof steht. Davor hat sich eine Gruppe Menschen versammelt. Katharina, 28, aus Offenbach, ist eine von ihnen. Sie wurde von ihren Freundinnen beim Flirt-Express der Deutschen Bahn angemeldet. "Mal gucken, was so passiert. ich erwarte aber nicht, hier meinen Traummann zu finden", sagt sie und grinst.

Limburg steht auf der Anzeigetafel, doch das eigentliche Ziel ist der siebte Himmel - so jedenfalls hatte die Bahn das Event beworben. "Pünktlich einen Tag vorm Valentinstag, damit ich den nicht allein verbringen muss", beschreibt eine Frau ihre Motivation.

Rund 60 Teilnehmer flirteten während der rund zweistündigen Fahrt.
Rund 60 Teilnehmer flirteten während der rund zweistündigen Fahrt.
Foto: dpa

Spaß und erlaubtes Spitzeln

Genaue Zahlen, wie viele Ehen tatsächlich aus einer Zufallsbekanntschaft im ICE entstanden sind, hat die Deutsche Bahn nicht: "Wir führen zwar viele Statistiken, aber darüber gibt es keine Daten", sagt Pressesprecher Torsten Sälinger mit einem Schmunzeln.

Beim Einstieg in den Flirt-Express bricht ein wenig Chaos aus. Irgendwas ist schief gelaufen beim Verteilen der Plätze. Die Bahn sieht von ihrem ursprünglichen Plan ab, die Singles nach Alter sortiert in zwei verschiedene Abteile zu stecken. Alle kommen in eins. Ein Moderator fordert die Herren auf, Platz zu nehmen.

Auch Katharina sitzt ihrem ersten Gesprächspartner gegenüber. Fünf Minuten haben beide Zeit, über Hobbys, Musikgeschmack, Beruf und Kinderwunsch zu reden. Wie beim klassischen Speed-Dating. Ist die Zeit abgelaufen, stehen die Männer auf und gehen zum nächsten Platz. Die Frauen bleiben sitzen.

Die Stimmung wird umso heiterer, je näher der Zug Limburg kommt. Hostessen verteilen Sekt und Süßigkeiten. Von einem Studenten ist zu hören: "Du willst mich doch nur gefügig machen." Und: "Warum sind wir überhaupt eingestiegen, wir hätten doch gleich zu mir gehen können."

Derweil treten sich die Pressevertreter gegenseitig auf die Füße. Sie stürzen sich auf die Flirtenden, versuchen möglichst viele Gesprächsfetzen auf Notizblöcken festzuhalten. Andreas, 31, aus Frankfurt, wundert sich, dass so viele von ihnen anwesend sind. Ein Journalist nennt es eine PR-Aktion der Deutschen Bahn.

Katharina hat mittlerweile einen roten Kopf bekommen. "Es ist witzig, weil Flirten Spaß macht." Aber ihr Traummann war wohl wirklich nicht dabei. Einige Teilnehmer seien auf ihre Art und Weise schon nett gewesen. Das "Art und Weise" wiederholt sie noch einmal mit Nachdruck.

Ein bisschen spitzeln muss die Bahn auch hier. Aber diesmal fragt sie vorher nach, ob die Adressen der Teilnehmer weitergegeben werden dürfen. Zum Datenabgleich kommt es erst, wenn zwei Flirtende eingewilligt haben, den anderen wiedersehen zu wollen. Kreuzen beide den Wiedersehenswunsch an, hat es "gefunkt".

Wie oft sie ja angekreuzt hat, verrät Katharina nicht. Kurz bevor der Zug wieder in den Frankfurter Hauptbahnhof einfährt, zücken sie und ihr Flirtpartner die Handys. Aber nicht zum Nummerntausch, wie sie sagen. "Wir wollen nur gucken, ob wir den selben Netzanbieter haben." Ein gefundenes Fressen für die Journalisten. Bei der Bahn ist eben nichts privat.

Autor:  MAREN HENNEMUTH
Datum:  16 | 2 | 2009
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