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Frankfurt: Die Konsti - Gipfel der Hässlichkeit

Der Fachmann sieht in der Konstablerwache einfach nur einen Platz von "grandioser Banalität", gespickt mit lieblosen Detail - einen Ort, den die Menschen meiden. Von Sebastian Amaral Anders

Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler denkt in anderen Dimensionen, wenn es um die Umgestaltung der Konstablerwache geht. Ein großer Wurf muss her.
Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler denkt in anderen Dimensionen, wenn es um die Umgestaltung der Konstablerwache geht. Ein großer Wurf muss her.
Foto: Müller

Ausnahmsweise geht es nicht um das Podest. Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler denkt in anderen Dimensionen, wenn es um die Umgestaltung der Konstablerwache geht. Ein großer Wurf muss her. Mäckler hat so eine Idee parat, in schnellen Strichen in sein schwarzes Büchlein gezeichnet. Vor dem Entwurf kommt aber die Bestandaufnahme. Und die fällt aus Mäcklers Sicht vernichtend aus. "Dieser Platz ist sicher einer der ödesten, die wir in Hessen haben", sagt der Professor für Städtebau ohne mit der Wimper zu zucken. Er sagt es in eine Kamera des Hessischen Rundfunks. Für die Sendung "Hauptsache Kultur" knöpft sich Mäckler die Architektursünden Hessens vor. Schonungslos.

Also die Konstablerwache, trotz aller Kritik von den Frankfurtern beinahe liebevoll Konsti genannt. Christoph Mäckler sieht in ihr einfach nur einen Platz von "grandioser Banalität", den die Menschen meiden. Gespickt mit lieblosen, heruntergekommenen Details, die das Kamerateam entdeckt hat. Da ist das schäbige Entree zur U-Bahn als Pforte zur Unterwelt der "grauenhaften" B-Ebene, das sind die Rundbänke mit dem gebogenen Metallgestänge und dem abgeplatzten Lack auf den Holzsitzflächen, da sind die Mülleimer im Viererpack als Gipfel der Hässlichkeit.

Häuser umgestalten

Doch Mäckler hält sich nicht mit Details auf. Schließlich kann ein Platz nur so schön sein, wie es die Häuser zulassen, die ihn einrahmen. Und die seien gar von "absurder Hässlichkeit". Da die Nachkriegsbauten nicht sämtlich abgerissen werden können, entwickelt Mäckler mit dem Stift eine Idee, die den Begriff "Umgestaltung" zur grandiosen Untertreibung degradiert. In wenigen Sekunden des HR-Beitrags darf der Zuschauer einen Blick auf die Zeichnung eines Platzes werfen, der stark an den letzten Spanien-Urlaub erinnert. Etwa an die "Plaza Mayor", das Herzstück Madrids.

Wo jetzt noch die Platanen stehen, sollen nach dem Entwurf drei bis vier Geschosse der Konstablerwache als inneres Karree einen geschlossenen Rahmen geben. Oben Wohnungen, unten Läden. Die U-Bahn-Abgänge könnten in die Bebauung integriert werden, der Platz wäre von der eigentlichen Randbebauung abgekoppelt. Ein Marktplatz, wie er im Buche steht, der womöglich auch dem Bauernmarkt gut zu Gesicht stünde. Dass er die Konstablerwache donnerstags und samstags am Leben erhält, findet übrigens keine Würdigung. "Christoph Mäcklers Vorschlag liegt auf dem Tisch", heißt es nach vier Minuten und siebzehn Sekunden am Ende des Beitrags. Das Geld für die Umsetzung vermutlich nicht.

Hauptsache Kultur: Architektursünden in Hessen. Donnerstag, 28. August, um 22.45 Uhr im HR-Fernsehen.

Autor:  SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Datum:  27 | 8 | 2008
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