Stinksauer ist sie. Dass die Moschee am Fischsteinkreisel gebaut werden darf, passt der Frau aus der gegenüberliegenden Wohnsiedlung überhaupt nicht. Ihren Namen will sie nicht nennen, auch nicht ihr genaues Alter. Ansonsten nimmt die Grauhaarige mit kariertem Blazer und altmodischer Brille, die angibt "über 70 Jahre alt" zu sein, kein Blatt vor dem Mund. "Die Politiker haben unseren Wunsch total ignoriert", das ist noch eines der moderaten Worte, die am Montagmittag am Gittertor zur ehemaligen Postsiedlung fallen.
Seit mehr als 30 Jahren wohnt die Frau an der Pfannmüllerstraße. Wie sich das Viertel in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat, gefällt ihr überhaupt nicht. Als sehr beunruhigend empfindet sie die Entwicklung - nicht nur in Hausen, sondern auch in der Innenstadt. "Auf der Zeil laufen doch nur noch Kopftücher rum", stellt sie entrüstet fest. "Die wollen unsere Islamisierung", erklärt sie sodann empört und fährt fort in ihrer Kritik: "Die leben hier wie Gott in Frankreich und von Sozialhilfe, wollen net schaffen, und an unsere Sitten halten sie sich auch nicht."
"Die", das sind mal die Türken und mal die Moslems, die Deutschland unterwandern wollen. Und deswegen ist die Rentnerin gegen den Moscheebau in ihrer Nachbarschaft. Als weitere Gründe führt sie all jene an, die auch von vielen anderen immer wieder zu hören sind. So auch an diesem Tag. Und alle befragten Moscheegegner äußern ihre Enttäuschung über die erteilte Baugenehmigung und rattern ihre Argumente wie auf Abruf nur so runter: "Es gibt in Hausen schon genug Moscheen", "Unser Viertel wird überfremdet", "Hausen kippt um." Nur über die Zahl der in Hausen bereits existierenden Moscheen - mal werden zwei, mal drei genannt - herrscht Uneinigkeit.
Die Enttäuschung über den unlängst erteilten offiziellen Startschuss für die Bauarbeiten sitzt tief; selbst denen, die nichts sagen wollen, ist es anzumerken. Mimik und Gestik können mehr ausdrücken als tausend Worte. Der Frust über die Frankfurter Politiker, "die den Bau nicht verhindert haben", geht mit Resignation einher. "Ich habe ein dreiviertel Jahr mitgekämpft", erklärt eine Frau, die aktives Mitglied in der Bürgerinitiative gegen die Moschee gewesen ist. Dass all der Einsatz, all das Unterschriftensammeln, die Ortsbegehung mit der Oberbürgermeisterin umsonst gewesen ist, das scheint ihr bitter aufzustoßen. Die sportlich gekleidete Rentnerin ist verärgert auf die Politiker im Römer. Wer nicht im Stadtteil wohne, könne doch gar nicht erahnen, was eine weitere Moschee mit sich bringe.
"Der Käse ist gegessen", sagt wiederum eine andere Rentnerin aus der Nachbarschaft. Die Hausener Bürger hätten ihre Meinung laut und deutlich gesagt, trotzdem seien sie nicht gehört worden. "Nun müssen wir die Kröte schlucken", lautet die Schlussfolgerung. Eine ältere Dame, die gerade das Hausener Schwimmbad verlässt, hat eine dezidierte Meinung zu Moscheebauten in Deutschland: "Ich bin strikt gegen Moscheebauten in unserem Land. Wenn die Herrschaften hier leben wollen, dann sollen sie sich nach unserer Kultur richten." Mehr will sie zum Thema nicht von sich geben.
Weitaus auskunftsfreudiger hingegen ist eine 44-Jährige aus der "Postsiedlung". Ihren Namen behält sie für sich, ihre Meinung aber nicht: "Ich habe mir schon gedacht, dass das so kommt." Sie sei zwar nicht ausländerfeindlich, aber zu viele Moslems in einem Stadtteil, das sei auch nicht gut. "Die Relationen stimmen nicht mehr. Es gibt hier mehr Moscheen als Kirchen", stellt die Frau aus dem Hotelfach fest. Sie gehört zu den Hausener Bürgern, die mit ihrer Unterschrift den Moscheebau verhindern wollten. Sie sei bei den Treffen der BI gewesen, habe Hiltrud Schröter sympathisch gefunden und nach deren Ansprachen applaudiert. Was genau ihr an Hiltrud Schröters Reden gefallen habe, weiß die 44-Jährige jedoch nicht mehr. Nur so viel: "Es hat sehr eingeleuchtet, was sie gesagt hat."
Anonym bleiben wollen übrigens auch all jene befragten Bürger, die sich keineswegs kritisch zum Bauvorhaben der schiitischen Hazrat-Fatima-Gemeinde äußern. Nur eine hat damit kein Problem. "Wenn es am Fischsteinkreisel eine russisch-orthodoxe Kirche gibt, warum sollte dort nicht auch eine Moschee stehen", meint Margarita Lendersdoff, die sich als russisch-orthodoxe Christin vorstellt.