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Frankfurt: Tanzen, weinen, lange Nacht

Bei der HR3-Nacht feierten zum Abschluss der Musikmesse rund 16.000 Menschen im Zoo und in den angesagten Clubs der Stadt.

Das Radio ruft und die Massen kommen: Im Zoo sorgten Fräulein Wunder und andere Stars für Schlangen am Eingang.
Das Radio ruft und die Massen kommen: Im Zoo sorgten Fräulein Wunder und andere Stars für Schlangen am Eingang.
Foto: Oeser

Ich hab getanzt, ich hab geweint, ich hab geschrien vor Glück. Stampfen, singen, pfeifen und jetzt alle die Hände in die Luft - es ist der Frankfurter Zoo, der am Samstagabend bebt. Der Radiosender hr3 hat zur fünften hr3@night gerufen und damit gleich die ganze Stadt mit Konzerten, DJs, Theater, Comedy, Lesungen und vielem mehr zur Partyzone erklärt. Philipp Poisels meist gefühlvolle Songs und nachdenkliche Texte kommen beim Publikum gut an. "Ich hab getanzt als gäb's kein Morgen mehr", singt er weiter und spätestens jetzt hält niemand mehr still.

Das ist doch eine Aufforderung. Nur die Erdmännchen, Streifenkiwis oder Zwergseebären haben sich verzogen. Aber sie hätten ja ohnehin nichts vom Kombiticket und den anderen 19 Veranstaltungsorten, die für die Feierwütigen und Musikhungrigen in dieser Nacht alle per Shuttlebus bequem zu erreichen sind.

Gut organisiert ist dieser Abend, der gleichzeitig der Abschluss der Frankfurter Musikmesse ist. "Aber die Cola ist schon aus", wundert sich Reiner Bierwirt, der mit seiner 13-jährigen Tochter Maren und Freundin Yael Juhnke aus der Nähe von Wetzlar angereist ist, gegen halb zehn. "Wir bleiben aber trotzdem den ganzen Abend hier im Zoo", sagen sie, "das Programm hier ist einfach toll." Neben dem Newcomer Philipp Poisel sind es die Friedberger Mädchenband Fräulein Wunder und Polarkreis 18, die hier in der warmen Frühlingsnacht für Stimmung sorgen. Der große Saal im Gesellschaftshaus ist voll und die Bierwirts feiern ausgelassen mit Hunderten anderer Besucher.

Gegen 22 Uhr steigt auch die Stimmung im Congress Center der Messe, als Cassandra Steen, bekannt als Sängerin der Rödelheimer Gruppe Glashaus, im frühlingsgelben Outfit den Saal rockt. "Darum leben wir", erklärt sie singend und das macht die Laune so gut, dass sich im Treppenhaus gleich nach dem Konzert eine spontane Polonaise bildet: "Bisher hatten wir eine richtig gute Party", bilanzieren die Freunde Henrik, Melanie, Frank, Anita, Antonio, Marcelo und Elodi, die aus Mannheim zu hr3@night gekommen sind. "Guantanamera, guajira Guantanamera" - weiter geht es durchs Treppenhaus. Die Nacht ist noch jung. Wem das noch nicht lustig genug ist, geht zwischendurch wenigstens für eine halbe Stunde nebenan in die Life Style Bar des Maritim-Hotels. Hier gibt es Comedy mit Mirja Regensburg, die den Zuschauern in der bis auf den letzten Platz gefüllten Bar von ihrem "Andrew-Lloyd-Webber-Tourette" erzählt und die Finanzkrise aufs Korn nimmt. Ganz ohne Musik geht es also auch bei dieser Veranstaltung nicht. Die Kellner kommen kaum nach mit dem Servieren von Cocktails und Burgern, aber die Zuschauer sind ja vor allem da, um Spaß zu haben, sich zur Abwechslung zwischendurch einmal hinzusetzen und natürlich zur Einstimmung auf ein weiteres Highlight der Nacht: Patrice performt seine Songs zusammen mit der hr-Bigband - eine Weltpremiere, für die sie zuvor tagelang geprobt haben.

"Dafür fliegt er extra aus Paris ein, wo er am Abend noch ein Konzert gegeben hat", verrät hr-Moderator Mathias Münch den Fans. Die Schlangen vor dem Eingang werden da lang und länger. "Patrice ist einfach der Coolste", sagen die Schülerinnen Anna und Maria aus Frankfurt, die die Wartezeit nutzen, um intensiv über den schönsten Song zu diskutieren und in welchem Video der 29-Jährige am besten aussieht. "Ich war schon einmal bei einem Konzert von ihm, aber soetwas wie heute ist einfach einmalig", freuen sie sich. Das dürften sie auf gar keinen Fall verpassen. Weil das noch mehr Menschen in Feierlaune so sehen, platzt das Congress Center gegen 23.30 Uhr dann auch fast aus allen Nähten. Und keineswegs nur Teenager sind gekommen.

"Everyday good" - der Beifall nimmt kein Ende, was zur selben Zeit in Sankt Peter auch Max Mutzke erleben darf. Knapp 16 000 Menschen tanzen bis 3 Uhr früh und noch viel länger an den angesagtesten Orten der Stadt. Die Nacht ist noch lang.

Autor:  KRISTIANE SCHENGBIER
Datum:  6 | 4 | 2009
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