Auf den ersten Blick fallen keine Veränderungen ins Auge. Elegantes Weiß dominiert noch immer die schlichten, sonnendurchfluteten Räume hoch über dem Frankfurter Bahnhofsviertel, bis hin zum Sofa. Aus den Straßenschluchten hallt ferner Lärm herauf. Hier hatten Rainer Weiss und Anya Schutzbach im Januar 2008 ihren eigenen Verlag gegründet - mit dem demonstrativen Namen "weissbooks".
Jetzt sitzen sie stolz zwischen ihren Büchern und Plakaten, mitten in der Vorbereitung zum Herbstprogramm - und freuen sich ganz einfach über die gute, noch ganz junge Nachricht. Der ehemalige Geschäftsführer und die frühere Marketingleiterin des Suhrkamp Verlages haben den Frankfurter Gründerpreis 2009 gewonnen - ausgelobt von der städtischen Wirtschaftsförderung für das beste, das überzeugendste unternehmerische Debüt. "Wir können es besser":
Diesen Anspruch hatten sie 2008 für sich erhoben, als sie auf den Markt der 3000 deutschen Verlage kamen. "Dieser Preis ist jetzt die Bestätigung für uns, dass wir es können", sagt Schutzbach. Und Weiss ergänzt: "Uns ist wirklich etwas gelungen: Nämlich seit der Gründung auf dem Markt immer präsenter zu werden." Weissbooks: Das sind neben den beiden Verlegern noch eine Mitarbeiterin im Office Management, zwei Volontäre - und zehn freie Handelsvertreter, die von Buchhandlung zu Buchhandlung reisen.
Sie bekommen nun 12.500 Euro Preisgeld
Von der Zeitschrift "Buchmarkt" waren sie schon als "Newcomer des Jahres" ausgezeichnet worden - aber der mit 12.500 Euro dotierte Gründerpreis ist natürlich gewichtiger. Erfolg - und das in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Krise geradezu überbordend präsent ist. Doch Schutzbach glaubt fest daran: "Die kleinen Verlage wie wir sind die, die überleben werden." Weil sie nämlich "keinen teuren Apparat haben", weil sie laut Weiss jeden Tag "größte Flexibilität" demonstrierten.
Gewiss, es ist nicht möglich, sich vollständig vom wirtschaftlichen Umfeld abzukoppeln. "Ich lese sehr viel mehr als früher den Wirtschaftsteil in der Zeitung", gibt der 60-jährige Weiss lachend zu. Aber Schutzbach bekennt sich auch zu einer anderen Tugend: "Man darf nicht so lange nachdenken und grübeln - das Zauberwort heißt: machen!" Die 45-jährige Unternehmerin versucht zumindest, "angstfrei zu sein, nicht so viele Bedenken zu hegen".
Und dann natürlich die Inhalte. "Die Zwillinge", die glamouröse Biografie von Gisela Getty und Jutta Winkelmann, die Musen der 68er-Bewegung. Das war der wirtschaftliche "Türöffner", wie Weiss es nennt. Der brachte ihnen viel Medienaufmerksamkeit, sogar Sendezeit im ZDF. Zur Zeit verkauft sich "Die Geliebte des Gelatiere" am besten, ein Roman von Daniel Zahno, die Geschichte eines jungen Venezianers, der "auf der Suche ist: nach der richtigen Arbeit, der richtigen Frau, dem richtigen Leben". Und weil es da auch um prächtiges Speiseeis geht, ließen die Verleger zum ersten Mal Farbe auf dem Schutzumschlag zu. Mehr noch: Sie druckten erstmals Plakate, drehten einen Video-Clip, entwarfen farbige Ansteck-Buttons mit Eistüten darauf.
Richtiges Marketing also - das sich auszahlte. Und für den Bücherherbst 2009 legen sie gleich mit fünf Titeln nach. "Perlensamt" zum Beispiel von Barbara Bongartz, ein Berlin-Roman um Raubkunst. Oder "Letzte Liebe", das literarische Debüt der mehr als 70-jährigen Dorothea Razumovsky.