kalaydo.de Anzeigen

Frankfurter Pflanzenklappe: Wie sag ich's meiner Blume?

Die einen sagen: "Unmöglich, pietätlos!". Die anderen sagen: "Die spinnen doch!". Dritte wiederum müssen schmunzeln angesichts des Kunstprojekts der floristischen Adoption. Von Melanie Luke

Wer seine Blumen und Kakteen nicht mehr mag, kann sie in der Pflanzenklappe abgeben.
Wer seine Blumen und Kakteen nicht mehr mag, kann sie in der Pflanzenklappe abgeben.
Foto: FR/Arnold

Die Sukkulente Karla hat einen Hang zum Subversiven. Neben ihr steht die Elefantenfußpflanze Makabu, die als illegaler Einwanderer nach Europa kam. Beide haben einiges durchgemacht, bevor sie in der Pflanzenklappe des Künstlerduos Haike Rausch und Torsten Grosch abgegeben wurden. "Wir sprechen mit den Pflanzen", sagt Rausch. Sie päppeln sie wieder auf, finden heraus, welche Musik sie mögen, denken sich Biographien für sie aus. Gestärkt mit neuem Lebenswillen und frischem Grün suchen sie dann ein neues Zuhause.

Die Pflanzenklappe, die immer wieder an anderen Orten und in anderen Städten aufgestellt wird, und die Adoption sind Teile des Kunstprojektes botanoadopt. "Unsere Projekte sind sehr vielschichtig", so Rausch. Sie verstehen die Umwelt und den gesamten Lebensraum von Mensch, Natur und Umwelt als ein zusammenhängendes Gefüge. Es geht ihnen mit ihren sozio-ökonomischen, ironisch gefärbten Kunstaktionen vor allem darum, die Wahrnehmung der Menschen in Bezug auf ihre Umwelt zu verändern.

Deshalb bevorzugen die beiden Künstler auch eigentlich den Ausdruck "Mitwelt". Kommunikation in allen Formen ist das Stichwort. Die verwaisten Pflanzen zur Adoption freizugeben, hat aber auch einen wirtschaftlichen Aspekt. "Wir sehen darin eine Art geldfreien Tauschhandel", erklärt Grosch. Aber in erster Linie liegt ihnen das Wohlergehen ihrer Schützlinge am Herzen. Mit einem Eignungstest im Internet kann man herausfinden, ob die Adoptivpflanzeneltern zu ihrem neuen Familienmitglied passen. "Ich habe zum Beispiel zu Farnen keine gute Beziehung", bedauert Rausch.

Seit die beiden Künstler im Februar 2009 ihr Projekt gestartet haben, sind sie selbst ein bisschen über das Echo erstaunt. Nicht nur, dass reihenweise Pflanzen in der anonymen Klappe abgegeben wurden, auch die Medien interessieren sich für sie. Sogar eine Zeitung aus Russland hat schon bei ihnen angefragt. Mittlerweile ist ihr Projekt international, auf ihrer Internetseite kommunizieren Nutzer von überall auf der Welt über botanisches Wissen oder geben ihren Pflanzen ein neues Heim.

So wie die Frankfurterin Renate. Sie übergibt Grosch einen Setzling, den sie auf dem Kompost gefunden und auf den Namen Pinki von Kompost getauft hat. Welche Pflanze sie heute adoptieren möchte, weiß sie allerdings noch nicht. Botanoadopt ist ein langfristiges Kunstprojekt. In der mobilen Pflanzenklappe können Pflanzen anonym abgegeben werden.

Autor:  Melanie Luke
Datum:  9 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken