Vom "Bahare Azadi", dem Frühling der Freiheit, singen sie in dem Lied, das am frühen Samstagnachmittag weithin über den Frankfurter Römerberg schallt. Viele der insgesamt etwa 1500 Demonstranten singen voller Inbrunst mit.
Einige Frauen weinen und halten Plakate fest umklammert, auf denen "Stop killing Iran!" oder "Wer wegschaut, macht mit" steht. Neda, die junge Frau, die bei Protesten in Teheran vor einer Woche zu Tode gekommen ist, ist überall auf Bildern zu sehen. Auch rund um den Gerechtigkeitsbrunnen, zu dem die Menschen Blumen und Kerzen bringen, ist es vor allem sie, die für den Protest steht. Sie hat dem Aufstand ein Gesicht gegeben. Trotzdem sind sie heute zusammengekommen, um generell gegen die Gewalt im Iran zu protestieren.
Viele der Teilnehmer haben ihre Wurzeln dort, aber die Solidarität macht nicht an Ländergrenzen Halt. Die sichtlich betroffenen Menschen kommen von überall her, um für Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit einzutreten. "Wir sind unabhängig und gehören keiner bestimmten politischen Richtung an, sondern möchten einfach Solidarität mit der Protestbewegung im Iran zeigen", sagt Peyman Pakzad, der zu einer kleinen Gruppe iranischer Studenten aus Darmstadt gehört, die beim Aktionsbündnis dabei sind, das die Kundgebung am Römerberg innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt hat. Es gehe weder um die Kopftuch-Debatte noch um die Atom-Politik des Iran, sondern um ein Zeichen gegen Menschenrechtsverletzungen und für die Demokratie.
Das sieht auch der Vorstandssprecher der Frankfurter Grünen, Bastian Bergerhoff, so: "Wir wollen den Demonstranten im Iran klarmachen, dass sie nicht alleine sind." Besonders freut er sich über einen prominenten Redner des Nachmittags, der neben Chef-Organisatorin Nargess Eskandari-Grünberg die Menge am meisten mitzureißen versteht: Daniel Cohn-Bendit, Fraktionschef der Grünen im Europäischen Parlament, konnte kurzfristig gewonnen werden. "Wir dürfen niemals die Menschen vergessen, die in den Gefängnissen dieser Diktatur leben", ruft er laut und erinnert zugleich daran, dass auch die Menschen in China, Russland und Palästina noch immer um ihre Rechte kämpfen müssten. "Wir wissen, dass wir in Zukunft auch mit Diktaturen wirtschaftliche und politische Beziehungen haben werden, aber die Bedingungen stellen wir!"
An die Menschen im Iran richtete Cohn-Bendit die Botschaft: "Wir werden euch nicht vergessen, denn erst, wenn ihr frei seid, werden wir uns frei fühlen." Dass sich einige Länder wie Russland, China, Venezuela oder Kuba mit Mahmud Ahmadinedschad solidarisierten, läge daran, dass sie "Angst haben vor Menschen, die auf die Straße gehen." Die Menschen, die in Frankfurt auf der Straße sind, applaudieren. "Bravo!" und "Genau!" ist immer wieder aus den Reihen zu hören. Stadtverordnetenvorsteher Karlheinz Bührmann, der das Grußwort der Stadt überbringt, wird nicht weniger bejubelt. "Den Vorwurf der Einmischung weisen wir zurück.
Die Wahrung der Menschenrechte ist keine innere Angelegenheit." Iran solle friedliche Demonstrationen zulassen, die inhaftierten Oppositionellen freilassen, die Präsidentenwahl neu auszählen und die Nutzung des Internets und des Mobilfunknetzes uneingeschränkt ermöglichen. Deutliche Forderungen, die aber die leisen Töne der Kundgebung nicht verschwinden lassen. Frauen erzählen aus dem Alltag im Iran, der Schauspieler Peter Heusch trägt ein Gedicht vor und in einer Schweigeminute gedenken alle der Opfer.