Tel Aviv/Gaza/New York. Am Rande des Gazastreifens warten nach israelischen Rundfunkangaben Bodentruppen auf den Einmarschbefehl. Der israelische Sender meldete, mehrere tausend Soldaten seien in Bereitschaft, darunter viele Reservisten. Der Bodeneinsatz mit starken Verbänden solle nach Vorstellung der Armee heftig und kurz sein, hieß es.
Während sich die israelischen Soldaten entlang der militärischen Sperrzone um den Gazastreifen für den Angriff rüsten, warten einem Medienbericht zufolge wenige hundert Meter entfernt Kämpfer der Hamas in Schützengräben auf eine Offensive. Die palästinensischen Extremisten haben angekündigt, im Falle eines Einmarschs mit einem breit angelegten Netz aus Sprengfallen und Minen der israelischen Armee hohe Verluste zufügen zu wollen.
Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bekräftigte, Israel wolle mit "eiserner Hand" gegen die Hamas vorgehen. "Ich hoffe, dass wir unsere Ziele so schnell wie möglich erreichen", sagte Olmert bei einem Besuch in Beerschewa.
Livni auf dem Weg nach Paris
Unterdessen gehen die diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas weiter. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy berät mit der israelischen Außenministerin Zipi Livni in Paris über einen Ausweg aus der jüngsten Krise im Gazastreifen.
Außerdem will Sarkozy am Montag zu weiteren Vermittlungsbemühungen in den Nahen Osten reisen. Er werde in Kairo, Ramallah und Jerusalem Gespräche führen, teilte der Élysée mit. Die Reise war bereits länger geplant, weil Sarkozy französische UN-Soldaten im Südlibanon besuchen wollte. Er weitete sie jedoch angesichts der aktuellen Krise aus. In der kommenden Woche wird auch eine hochrangige EU-Delegation mit EU-Chefdiplomat Javier Solana in der Krisenregion erwartet.
Israel hatte schon vorher einen französischen Vorschlag über eine 48-stündige Waffenruhe abgelehnt. Das Land verlangt einen vollständigen Stopp des Raketenbeschusses von Seiten der Hamas und Sicherheitsgarantien für die Städte im Süden Israels. "Wir haben die Gaza-Offensive nicht begonnen, um sie mit der gleichen Anzahl von Raketenangriffen zu beenden", sagt Olmert.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warb bei der israelischen Regierung für eine konstruktive Haltung zu arabischen Bemühungen um eine Beruhigung des Konflikts im Gazastreifen. In einem Telefonat mit der Außenministerin Livni äußerte er nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin "seine große Sorge über das Andauern der Kampfhandlungen".
Abbas verurteilt Israels Angriffe
Der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas stellt die direkten bilateralen Verhandlungen mit der israelischen Regierung infrage. In einer vorab aufgezeichneten TV-Ansprache zum 44. Gründungstag seiner Fatah-Bewegung sagte Abbas am Mittwoch: "Wir werden nicht zögern, (diese Verhandlungen) auszusetzen, wenn sie unsere unveräußerlichen Rechte gefährden oder zum Deckmantel für eine Aggression werden." Abbas verurteilte das israelische Vorgehen als "abscheuliche Aggression" und "schreckliches Verbrechen".
Der ehemalige palästinensische Ministerpräsident von der Hamas, Ismail Hanija, machte klar, vor einer Waffenruhe müsse Israel die Bedingungen der Hamas erfüllen. Die Islamisten verlangen das sofortige Ende der Militäroperation, die Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens und die Öffnung der Grenzübergänge, sagte Hanija in einer Fernsehansprache. Hanija hält sich wie andere Hamas-Führer versteckt.