kalaydo.de Anzeigen
Eurovision Song Contest in Baku
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.

Gegen Killerspielverbot: Die Demokratie geht online

Die Internetgeneration kämpft weiter. Diesmal gegen ein Verbot von Killerspielen. Die Online-Petition findet so viel Zuspruch, dass der Bundestags-Server zeitweise dem Ansturm nicht stand hält. Von Andreas Kraft

Bild aus dem Spiel Counterstrike.
Bild aus dem Spiel Counterstrike.
Foto: Hersteller

Die Internetgeneration hat die Politik für sich entdeckt. Langsam aber sicher tastet sie sich an die Spielregeln heran. Jetzt sind die Computerspielfans dran. Am Dienstag startete Peter Schleußer eine Online-Petition gegen das Verbot von so genannten Killerspielen. "Mit Bedauern stelle ich fest, dass die Debatte von Unkenntnis, Polemik, Unsachlichkeit und Vorurteilen geprägt ist", schreibt er in der Petition, "gerade aus den Reihen der Politik". Die Verbotsforderung, die nach Amokläufen Jugendlicher immer wieder hoch kocht, werde den Ereignissen nicht gerecht. Sie verhindere vielmehr eine gründliche Aufarbeitung.

Die Resonanz ist immens. Zeitweise hielt der Server des Deutschen Bundestags dem Ansturm gar nicht stand. Allein am Mittwoch unterzeichneten 10000 Computerspieler die Petition. Bis Freitagmittag wuchs die Zahl der Unterschriften auf über 28000. Mehr als fünf Wochen haben die User der Bundestags-Homepage jetzt noch Zeit den derzeit gültigen Rekord von 130000 Unterschriften zu knacken. Dabei hatte die Online-Petition gegen die Sperrung von kinderpornografischen Internetseiten keinen konkreten Erfolg. Vielleicht kam sie Ende April ja einfach zu spät. Das Gesetz war ja schon medienwirksam vom Kabinett beschlossen, im Juni zog dann der Bundestag nach.

Offenbar rechen sich die Unterzeichner jetzt mehr Chancen aus. Denn das Verbot ist im politischen Prozess noch nicht all zu weit gekommen. Anfang Juni haben lediglich die Innenminister der Länder beschlossen, "so schnell wie möglich" dafür zu sorgen, dass Computerspiele, in denen "wirklichkeitsnah" getötet wird, in Deutschland nicht mehr hergestellt und verkauft werden dürfen. Beschließen müsste das allerdings der Bundestag. Einen entsprechenden Gesetzentwurf kann es frühestens nach der Wahl im September geben.

So dürfte Peter Schleußer schon vorher seine Argumente persönlich dem Petitionsausschuss vortragen. Die dafür nötigen 50000 Unterschriften scheinen nur noch eine Frage der Zeit. In seiner Petition stützt er sich vor allem auf Artikel 5 des Grundgesetzes: "Eine Zensur findet nicht statt". Zudem gebe es aktuell durchaus genug Möglichkeiten, Jugendliche von den Spielen fern zu halten. Sie werden schließlich von den Landesjugendbehörden deutlich gekennzeichnet und dürfen nur an Volljährige verkauft werden.

Helfen könnte den Fans zudem die Computerspielindustrie. Schließlich erwirtschaftete die Branche 2008 fast 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Die Einspielergebnisse an den Kinokassen hat sie damit längst überholt.

Autor:  Andreas Kraft
Datum:  10 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken