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19. März 2010

Geheimdienst: BND arbeitet Nazi-Zeit auf

 Von Volker Schmidt
Ernst Uhrlau steht hinter dem Logo des Bundesnachrichtendienstes.  Foto: rtr

Erstmals gibt der Nachrichtendienst Geheimakten aus der Frühzeit frei. Diese zeigen, in welchem Umfang er Ex-NS-Schergen beschäftigte. Von Volker Schmidt

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Der Bundesnachrichtendienst (BND) bemüht sich offenbar um die Aufarbeitung seiner Vergangenheit. Schon 2006 hatte BND-Präsident Ernst Uhrlau gesagt, der Dienst müsse sich damit befassen, dass er noch bis in die 70er Jahre ehemalige Schergen des NS-Regimes in seinen Reihen beschäftigte. Nach Informationen der FAZ geht der Dienst die Aufarbeitung nun mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes an, das für 2010 ein Budget von 500000 Euro dafür zur Verfügung stellt.

Der BND ging aus der "Organisation Gehlen" hervor, die die US-Besatzungsbehörden im Juni 1946 in "Camp King" in Oberursel im Taunus vor allem aus personellen Überbleibseln der "Abteilung Fremde Heere Ost" bildeten. Der Leiter dieses für die Ostfront zuständigen Nachrichtendienstes der Wehrmacht war Generalmajor Reinhard Gehlen. Am 1. April 1956 wurde die Organisation zum BND, Gehlen dessen Präsident.

Neben Wehrmachtsoffizieren holte Gehlen sich auch zahlreiche ehemalige Angehörige der Gestapo, des Sicherheitsdienstes (SD) und anderer Organe des NS-Regimes in seinen Dienst. Sie konnten die zu Zeiten des "Dritten Reichs" erworbenen Kenntnisse anwenden und bekamen oft eine neue Identität, die sie vor Konsequenzen für ihre NS-Vergangenheit schützte. Dass die neuen Verteidiger der Demokratie zuvor an Massenerschießungen, der Organisation des Holocaust und der Verfolgung von Gegnern des NS-Regimes beteiligt gewesen waren, kümmerte weder die BND-Führung noch den US-Geheimdienst, der die Personalpolitik absegnete.

Jetzt hat der BND erstmals geheime Akten freigegeben, die zeigen, in welchem Umfang der Dienst Ex-NS-Schergen beschäftigte. Die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg bestätigte der FR, dass sie Akten einer BND-internen Ermittlungsgruppe von Mitte der 60er Jahre im Bestand hat. Die Akten kann auf Antrag einsehen, wer Forschungs- oder journalistisches Interesse nachweist.

Auslöser der Säuberungsaktion war offenbar der Fall des 1961 als Doppelagent enttarnten Heinz Felfe. Er hatte die Spionageabwehr gegen die Sowjetunion geleitet - und zugleich für den KGB gespitzelt. Im Prozess gegen ihn und mehrere Mitangeklagte vor dem Bundesgerichtshof wurde öffentlich, dass Felfe bis 1945 für das Reichssicherheitshauptamt gearbeitet hatte.

Das dadurch entstandene Medieninteresse an NS-Altlasten im BND brachte Gehlen, der den Dienst bis 1968 leitete, offenbar dazu, aus jungen, unbelasteten Agenten die "Organisationseinheit 85" zu gründen. Die Ermittlungsgruppe überprüfte laut FAZ 146 BND-Mitarbeiter, davon mussten 71 gehen.

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