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Gerhard Schröder: Der Russland-Versteher

Altkanzler Gerhard Schröder blickt auf den Kaukasuskrieg - von einer ganz eigenen Warte. Von Steffen Hebestreit

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) legte beim Benefizabend der Arbeiterwohlfahrt seine ganze eigene Sicht auf den Kaukasuskonflikt dar.
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) legte beim Benefizabend der Arbeiterwohlfahrt seine ganze eigene Sicht auf den Kaukasuskonflikt dar.
Foto: ddp

Berlin. "Das sind Töne, die von Russland als Provokation empfunden werden mussten." Nein, antirussische Ressentiments gibt es am Montagabend in Berlin nicht zu hören, als Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) beim Benefizabend der Arbeiterwohlfahrt seine ganze eigene Sicht auf den Kaukasuskonflikt darlegt.

In Europa seien wieder viele unterwegs, zürnt Schröder vor ausgewähltem Publikum, an deren Sprache er sich noch gut erinnere. Damals, kurz vor dem Irakkrieg, seien ihm diese konfrontativen Töne schon mal aufgefallen, obwohl es doch auf Kooperation ankomme.

Der Friedenskanzler spricht am Weltfriedenstag - und bricht eine Lanze für Russland, in dessen Seele offenbar niemand so tief zu blicken versteht wie der Vorsitzender des Aktionärsausschusses des Pipeline-Unternehmens Nordstream. Schließlich, so diagnostiziert Schröder, habe der Westen schwere Fehler im Umgang mit Moskau begangen.

US-Militärberater hätten Georgien einseitig aufgerüstet. Durch den Raketenschild, den die USA in Polen und Tschechien planten, habe sich Moskau eingekreist vorkommen müssen. Und dann die völkerrechtliche Anerkennung des Kosovo - "das habe ich immer für einen schweren Fehler gehalten", sagte Schröder.

Und, fügt der Altkanzler hinzu, man dürfe nicht vergessen, dass Georgien mit seinem Angriff auf Südossetien die rote Linie überschritten habe. Auch wenn es unpopulär sei, sei festzuhalten, wer den Krieg angefangen habe. Die Schuldfrage ist damit zu Ungunsten Georgiens geklärt, weshalb Schröder zugesteht, dass Russland bei seiner militärischen Reaktion überzogen habe - etwas.

Egal, nun komme es darauf an, den Konflikt zu entschärfen. Schröder fordert die EU-Staaten auf, sich als ehrlicher Vermittler zu zeigen. Ähnlich wie die jetzige Bundesregierung hält er nichts davon, Gesprächsfäden zu kappen. Es sei falsch gewesen, den Nato-Russland-Rat auf Eis zu legen, gerade wenn ein solches Forum wichtig werde. Der Kaukasuskonflikt sei friedlich zu lösen, glaubt Schröder. Dabei müsse aber stärker auf die russischen Befindlichkeiten Rücksicht genommen werden.

Es ist seine Sicht der Dinge, die der Altkanzler an dem Abend präsentiert, während das Unternehmen Gazprom ankündigt, die Lieferungen nach Europa zu drosseln - wegen Wartungsarbeiten.

Autor:  STEFFEN HEBESTREIT
Datum:  2 | 9 | 2008
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