Krise? Welche Krise? Das Finanzwesen ist zwar immer noch fragil, Kredite sind knapp, Risiken hoch, aber das System funktioniert wieder. Sechs Experten-Voraussagen, die nicht eingetroffen sind. Von Moisés Naím
Ein führender Gewerkschafter der amerikanischen Automobilindustrie propagiert wirtschaftlichen Protektionismus.
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Ein führender Gewerkschafter der amerikanischen Automobilindustrie propagiert wirtschaftlichen Protektionismus.
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Der Dollar brach nicht ein. Es gab keine Renaissance des Zollprotektionismus. Das Wachstum in den neu aufstrebenden Volkswirtschaften kam nicht plötzlich zum Erliegen. Im Zuge der Finanzkrise sind viele erwartete Schreckensszenarien nicht eingetreten.
Noch vor einigen Monaten war man sich in Fachkreisen einig darüber, dass die Wirtschaftskrise ein Meer von geopolitischen Plagen nach sich ziehen würde. Fremdenfeindlichkeit, Bürgerkrieg, Geldentwertung, Protektionismus, internationale Konflikte und Straßenschlachten wurden uns von den Experten vorausgesagt.
Zur Person
Debatte
Moisés Naím (* 1952 in Libyen) ist ein Journalist und Politiker. Er ist seit 2000 Chefredakteur der Zeitschrift Foreign Policy. Er war Handels- und Industrieminister von Venezuela und von 1992 bis 1994 Geschäftsführender Direktor der Weltbank.
Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise
All das ist nicht passiert. Obwohl die Krise schweren wirtschaftlichen Schaden und viel menschliches Leid nach sich zog und die globale Lage sich entschieden verschlechtert hat (der Internationale Währungsfonds beispielsweise geht davon aus, dass die neue Wachstumsrate der Weltwirtschaft um zehn Prozent des BIP niedriger sein wird als vor der Krise), muss man trotz allem sagen, dass die meisten der düsteren Prophezeiungen nicht eingetroffen sind.
Auffällig ist auch, dass dieselben Experten, die nicht vermochten, die Wirtschaftskrise vorauszusagen, nun von der schnellen Erholung genauso überrascht sind. Nach mehr als einem Jahr seit Beginn der Krise wissen wir jetzt, was von den Prophezeiungen dieser Seher zu halten ist, die uns versicherten, das internationale Finanzsystem werde demnächst zusammenbrechen und die folgende Rezession mindestens zehn Jahre dauern. Es folgen sechs der gängigsten Voraussagen, die nicht eingetroffen sind: Das internationale Finanzsystem werde zusammenbrechen. Tat es nicht.
Die Finanzkrise - wie alles begann
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Die Finanzkrise - wie alles begann
Im April 2007 muss einer der größten US-Hypotheken-Anbieter Gläubigerschutz bei der Börsenaufsicht beantragen. Die New Century Financial hat sich mit Risikokrediten verkalkuliert, die die Schuldner nicht mehr zurückzahlen können. Die Bank wird zahlungsunfähig und bleibt ihren Gläubigern selbst acht Milliarden Dollar schuldig. 3200 Leute verlieren ihren Job, viele Amerikaner müssen ihre Häuser verkaufen.
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Schon schrillen an der Wall Street die Alarmglocken: Zwei Hedgefonds der New Yorker Investmentbank Bear Stearns haben in großem Stil in die Immobilien-Papiere investiert. Die Bank erleidet dramatische Kurseinbrüche. Sie wird zwar in letzter Minute durch eine Finanzspritze von der amerikanischen Notenbank gerettet, der Kursrutsch hat an der Börse allerdings Panik ausgelöst.
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Bei den Menschen lösen die Nachrichten Panik aus: Besorgte Kunden stürmen im September 2007 die Schalter der britischen Bank Northern Rock. Die Regierung und die Bank von England garantieren die Einlagen, Northern Rock wird vom Staat übernommen.
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Die Krise rollt über den Atlantik nach Deutschland: Die deutsche Mittelstandsbank IKB erlebt eine Fast-Pleite - ebenfalls durch riskante Spekulationen. Nach dem Notverkauf an einen Finnazinvestor rollen die Köpfe. Diese beiden sollen die nun Industriebank aus der Krise führen: Der neue Vorstandsvorsitzende Günther Bräunig und Finanzvorstand Reinhard Grzesik.
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Anfang September 2008 stolpern die beiden größten Baufinanzierer der USA, Fannie Mae und Freddie Mac, über die faulen Kredite. Am Ende mischt sich die US-Regierung in den Markt ein und greift beiden Instituten unter die Arme. Beide Banken zusammen tragen etwa die Hälfte aller amerikanischen Hypotheken.
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Damit die Geldmärkte durch die großen Wertverluste an den Aktienmärkten nicht austrocknen, pumpen die EZB und Notenbanken auf der ganzen Welt kurzfristig mehrere hundert Milliarden in den Geldmarkt. Trotzdem können sie die Katastrophe nicht verhinden...
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Der 15. September 2008 wird wohl als "schwarzer Montag" in die Geschichte eingehen: Die einflussreiche US-Bank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden.
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Lehmans Konkurrent Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft. Von heute auf morgen müssen hunderte Banker ihre Büros räumen. Sie stehen nun auf der Straße und beobachten fassungslos den Untergang der sicher geglaubten Bankenwelt.
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Der US-Leitindex Dow Jones erleidet den stärksten Tagesverlust seit den Terrorattacken am 11. September 2001. Auch der Dax bricht zusammen. An den Börsen weltweit herrscht der Ausnahmezustand.
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Und wieder lässt das Echo in Deutschland nicht lange auf sich warten: Die deutschen Landesbanken, allen voran die WestLB und die BayernLB, verzeichnen millionenschwere Abschreibungen. Sie hatten in großem Stil bei Lehman Brothers investiert.
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Den größten Patzer leistet sich die Mittelstandsbank IKB: Obwohl die Pleite von Lehman Brothers inoffiziell schon bekannt ist, überweist das Management 336 Millionen Euro. Das Geld ist weg - die Verantwortlichen müssen das Bankhaus ebenfalls verlassen.
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Der Versicherungsriese AIG gerät durch Milliardenverluste in akute Kapitalnot. Der Aktienkurs bricht um 68 Prozent ein, die Weltbörsen setzen ihre Talfahrt fort. Die Notenbanken pumpen noch einmal fast 150 Milliarden Euro in den Geldmarkt. Tags darauf rettet die Bank of America AIG mit einem Kredit von 85 Milliarden Dollar.
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Auf der ganzen Welt rücken die überlebenden Banken zusammen: Die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley nimmt Fusionsverhandlungen mit dem US-Finanzkonzern Wachovia auf. Die britische Großbank Lloyds TSB übernimmt die kriselnde schottische Bank HBOS.
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Die US-Regierung unter der Führung von Finanzminister Henry Paulson ersinnt am 19. September ein milliardenschweres Rettungspaket und löst damit ein Kursfeuerwerk an den Börsen aus. Paulson wird als "King Henry" gefeiert. Die USA und Großbritannien verhängen ein weitreichendes Verbot für sogenannte Leerverkäufe, also Wetten auf sinkende Aktienkurse.
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Am 22. September kippt das 75 Jahre alte Modell der unabhängigen US-Investmentbanken: Die letzten verbliebenen Institute, Goldman Sachs und Morgan Stanley, geben ihren Sonderstatus auf und werden gewöhnliche Geschäftsbanken.
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Geldmann für Goldman: Der Amerikaner Warren Buffett wird zum milliardenschweren Schutzengel und unterstützt die ehemalige Investmentbank Goldman Sachs mit einer beispiellosen Finanzspritze. Damit verhindert er den Zusammenbruch eines weiteren traditionellen Bankhauses.
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Die größte Sparkasse der USA, Washington Mutual, fällt der Finanzkrise zum Opfer. Sie wird von JPMorgan Chase übernommen. In Europa bangen die Menschen um ihre Spareinlagen.
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Die Bankenkrise sorgt sogar für einen kurzfristigen Waffenstillstand im US-Wahlkampf. Ein Krisentreffen zwischen Präsident Bush und den beiden Kandidaten, Barack Obama und John McCain, bleibt allerdings ergebnislos. Der Senat stimmt nach tagelangen Debatten dem überarbeiteten Rettungsplan zu, der zusätzliche 100 Milliarden Dollar für Hausbesitzer und Unternehmen vorsieht.
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Doch die Krise ist nicht aufzuhalten und zieht weite Kreise in Europa: Der belgisch-niederländische Immobilienfinanzierer Fortis erleidet den größten Kursverlust seiner Geschichte. Der belgische Staat stellt schließlich in Absprache mit der EU-Kommission das rettende Finanzpaket.
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Ein ähnliches Schicksal erleidet die deutsche Hypo Real Estate. Auch hier springt der Staat rettend ein und löst damit eine Debatte um eine "Komplettlösung" für den Bankensektor aus. Andere europäische Länder wie Irland und Österreich haben bereits einen staatlichen Schutzmantel in Form einer Einlagensicherung über ihre Landesbanken gebreitet.
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Auch die Bundesregierung möchte den Sparern die Angst nehmen. Am 6. Oktober spricht Angela Merkel nach stundenlangen Verhandlungen eine Garantie für die Spareinlagen ihrer Bürger aus.
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Doch auch die guten Nachrichten vermögen die Talfahrt an der Börse nicht zu stoppen: Der Dax fällt am gleichen Tag auf einen historischen Tiefststand.
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Nebel über Island: Auf der Insel beginnt ein beispielloser Bank-Run. Kunden der Kaupthing-Bank, die im Ausland mit Zinssätzen von über sechs Prozent um Sparer geworben hatte, bleiben im Unklaren über ihre Einlagen. Deutsche Verbraucherschützer sind empört.
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Ende Oktober fordert die Finanzkrise in Deutschland ihr erstes politisches Opfer: Erwin Huber, bayrischer Finanzminister, stolpert über die desolate Lage der landeseigenen BayernLB, die als erste Bank unter den 500-Milliarden-Euro schweren Rettungsschirm des Bundes schlüpft.
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Nach der angeschlagenen Hypo Real Estate greift Anfang November auch die Commerzbank in großem Stil auf das Rettungspaket der Bundesregierung zurück und bessert damit ihr Kapital auf.
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Mitte November: Nach den Banken gerät die nächste Branche in Bedrängnis. Fast alle deutschen Autobauer drosseln die Produktion. Opel, deutsche Tochter der amerikanischen General Motors, ruft nach staatlicher Hilfe - und noch ist kein Ende der Spirale in Sicht.
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Text: Miriam Olbrisch
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So fing es an: Börsenkurse auf der ganzen Welt brechen ein. (Archiv)
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Plaßmann karikiert die Finanzkrise
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Plaßmann karikiert die Finanzkrise
Frankfurter Rundschau vom 17. Mai 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 13. Mai 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 15. Mai 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 2. Juni 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 3. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 05. Mai 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 13. Februar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 28. März 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 28. Februar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 22. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 6. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 23. März 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 26. März 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 25 März 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 26. Februar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 3. März 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 16. Februar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 31. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 27. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 26. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 13. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 14. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 12. Januar 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 4. Dezember 2008.
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Frankfurter Rundschau vom 29. November.
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Frankfurter Rundschau vom 27. November.
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Frankfurter Rundschau vom 24. November.
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Frankfurter Rundschau vom 16. April 2009.
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Frankfurter Rundschau vom 19. November 2008
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Frankfurter Rundschau vom 25. Oktober 2008.
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Frankfurter Rundschau vom 6. November 2008.
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Frankfurter Rundschau vom 23. Oktober 2008.
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Machtphantasien (FR vom 18.7.2011)
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Als Lehman Brothers, Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac Pleite gingen, Citigroup und viele andere Säulen des Finanzsystems ins Schwanken gerieten und überall die Aktienmärkte einbrachen, da sagten die Experten einen totalen Zusammenbruch des Systems voraus. Die Wirtschaft sei "von der Klippe gestürzt", sagte der Investment-Guru Warren Buffet.
Ins gleiche Horn blies auch der erfolgreiche Investmentbanker George Soros, der davon sprach, dass die Weltwirtschaft "am Tropf" hänge und die Lage schlimmer sei als während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und Vergleiche anstellte mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
Eine logische Folgerung aus solchen Weltuntergangsszenarien war, dass Anleger möglicherweise den Zugriff auf ihre Konten verlieren könnten. Von da aus war es für die Verschwörungstheoretiker im Internet nur ein kleiner Schritt zu Visionen von Massenaufständen, Verhängung des Kriegsrechts und der Stürmung von Bankgebäuden. Das Finanzsystem ist zwar immer noch fragil, Kredite sind knapp und Risiken hoch, aber das System funktioniert noch, und die Angst vor einem totalen Zusammenbruch hat sich weitgehend aufgelöst.