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Griechenland: Jugendliche distanzieren sich von Gewalt

"Wir sind eure Kinder, keine Randalierer", skandieren Schüler in Athen. Die aufgeheizte Stimmung nach Protesten und Krawallen in Griechenland springt auf andere europäische Städte über.

Am Sonntag vor der Aristoteles-Universität im griechischen Thessaloniki.
Am Sonntag vor der Aristoteles-Universität im griechischen Thessaloniki.
Foto: ap

Athen. Nach den schweren Krawallen in Griechenland sind zahlreiche Schüler und Studenten auf die Straßen gegangen, um sich von den Randalierern zu distanzieren. "Wir sind eure Kinder, keine Randalierer", skandierten sie.

Zahlreiche Studenten und Schüler gingen auf die Straßen, um friedlich auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Sie blockierten zentrale Kreuzungen und zogen zu Polizeistationen. Dabei distanzierten sie sich ausdrücklich von den rund 4000 Randalierern, die seit Samstag hunderte Geschäfte, Banken und andere Gebäude in Athen und weiteren Städten des Landes verwüstet hatten.

Vor mindestens 15 Polizeistationen kam es zu kleineren Ausschreitungen. Die Polizei hielt sich zurück, hieß es. Vielerorts entstand ein Verkehrschaos.

"Geld für Banken, Kugeln für uns"

In der Nacht hatten maskierte Jugendliche in Athen und in Thessaloniki wieder Steine und Molotow-Cocktails auf die Polizei geschleudert, die Tränengas einsetzte.

Bei den Aufräumarbeiten schützten sich die Straßenreiniger mit Gesichtsmasken und Schals vor möglichen Tränengasresten, als sie Steine und Barrikaden aus der Nacht wegräumten. Die Lage blieb angespannt. Gruppen von Gymnasiasten und Studenten wollten in der Hauptstadt vereinzelt Straßen blockieren.

Nach den Krawallnächten in Griechenland formiert sich unter Schülern und Studenten Widerstand gegen die Randalierer. "Geld für die Banken, Kugeln für uns", skandierten tausende Schüler und Studenten.

Sie blockierten zentrale Kreuzungen und zogen zu Polizeistationen, um auf Probleme der Jugend aufmerksam zu machen. Ausdrücklich distanzierten sie sich von den rund 4000 Randalierern, die in den vergangen Tagen hunderte Geschäfte, Banken und andere Gebäude in Athen und weiteren Städten des Landes verwüstet hatten.

"Wir sind nicht die unbekannten Vermummten, wir sind eure Kinder", hieß es in einem offenen Brief eines Mädchens, der in der linksliberalen Zeitung "Eleftherotypia" veröffentlicht wurde.

"Ihr habt die Hosen voll und wartet auf den Tod. Ihr fantasiert nicht, ihr verliebt euch nicht mehr, ihr entwerft nichts mehr. Ihr kauft und verkauft nur", hieß es weiter. Das klingt wie eine Anklage gegen die gesamte Gesellschaft. Die wiederum ist ratlos, wie es weitergehen soll.

"Es ist, als ob wir einen Kranken mit einer Vielzahl von Symptomen vor uns hätten, aber nicht genau wissen, welche Krankheit er hat und daher auch keine Heilung möglich ist", sagte ein Soziologe im Radio.

Polizist in Untersuchungshaft

Vier Tage nach dem Tod des 15-jährigen - der die schwersten Krawalle seit Jahrzehnten in Griechenland ausgelöst hatte - ordnete ein Untersuchungsrichter am Mittwochabend in Athen Untersuchungshaft gegen den Polizisten an, der den tödlichen Schuss abgegeben hatte.

Nach Angaben seines Rechtsanwalts wird er jedoch durch die ballistische Untersuchung der tödlichen Kugel entlastet. So komme der noch nicht veröffentlichte Bericht zu dem Schluss, dass es sich um einen Querschläger gehandelt habe, sagte der Anwalt griechischen Medien. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Der 37-jährige Polizist hatte mehrmals beteuert, lediglich drei Warnschüsse abgefeuert zu haben; das Opfer sei von einem Querschläger getroffen worden. Er hofft nun, nicht wegen Totschlags oder gar Mordes belangt zu werden. Einem 31-jährigen Polizei-Kollegen wird Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Auch er bleibt in Untersuchungshaft.

Proteste in ganz Europa

In der Nacht war es auch außerhalb Griechenlands zu Protestaktionen vor diplomatischen Vertretungen des Landes gekommen. In Kopenhagen demonstrierten etwa 150 Jugendliche, 63 wurden nach Ausschreitungen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. In Rom und Sofia hielten Demonstranten Plakate des von der Polizei erschossenen 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos hoch.

Vor der Botschaft in der italienischen Hauptstadt warfen Aktivisten später Autos um, in New York schleuderte ein Passant einen Ziegelstein gegen das Konsulat, in Istanbul sprühten Unbekannte ein Anarchistenzeichen an die Hauswand der Vertretung. In Bordeaux steckten Unbekannte vor dem griechischen Konsulat zwei Autos in Brand. Die Tür der Vertretung wurde beschädigt.

Der Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis wird unterdessen immer größer. Der Tod des Jugendlichen Demonstranten hat Griechenland schockiert, der Regierung wird zudem schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Anwohner und Ladeneigentümer beschweren sich, dass die Polizei nur sich selbst geschützt habe. Meinungsumfragen stellen der Regierung ein verheerendes Zeugnis aus, die Opposition fordert den Rücktritt.

Karamanlis wollte am Donnerstag am EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen. (dpa/ap)

Datum:  11 | 12 | 2008
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