Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein
Samstag, 03. Dezember 2016
Hanna Waddingham, die die Schande-Nonne in der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ verkörpert, ächtet den plastikflaschenkaufenden Assistenten.
14. September 2008

Helmut Schmidt attackiert Lafontaine: Ein Populist wie Le Pen

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat Oskar Lafontaine scharf attackiert. (Archivbild)  Foto: Foto: dpa

Altbundeskanzler Helmut Schmidt attackiert Oskar Lafontaine und vergleicht ihn mit dem französischen Rechtspopulisten Jean Marie Le Pen. Die Linke weist den Angriff zurück.

Drucken per Mail

Berlin (ddp) - Führende Politiker der Linkspartei haben die von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gezogene Parallele zwischen ihrem Vorsitzenden Oskar Lafontaine und Adolf Hitler zurückgewiesen.

Es gebe "Vergleiche, die für Demokraten schon im Ansatz Tabu sein sollten, weil sie letztlich das NS-Regime verharmlosen und Millionen Opfer verhöhnen", sagte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) am Sonntag in Berlin.

Auch Links-Fraktionschef Gregor Gysi kritisierte Schmidts Äußerung. Er sagte der "Leipziger Volkszeitung" an die Adresse Schmidts: "Er ist auch ein charismatischer Redner". Gysi fügte hinzu: "Charismatische Redner sollten sich ihre Fähigkeit nicht untereinander vorwerfen und schon gar nicht so unglückliche Vergleiche anstellen, die sie gegenseitig nicht benötigen."

Schmidt: Lafontaine und Le Pen "vergleichbare Populisten"

Schmidt hatte der Zeitung "Bild am Sonntag" gesagt, Charisma für sich genommen mache noch keinen guten Politiker aus. Auch Adolf Hitler sei ein charismatischer Redner gewesen. "Oskar Lafontaine ist es auch", fügte Schmidt hinzu.

Zudem verglich er Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Jean Marie Le Pen. "Der eine ist links, der andere ist rechts. Aber vergleichbare Populisten sind Lafontaine und Le Pen schon", sagte der Alt-Kanzler. Lafontaine hatte sich bei seinen politischen Forderungen jüngst auch auf Schmidt berufen.

Schmidt zeigte sich besorgt über den Erfolg von populistischen Parteien. "Es ist ja kein Zufall, dass solche Gruppierungen - linke wie rechte - gerade in den Teilen Deutschlands ihre Wahlerfolge feiern, in denen es den Menschen wirtschaftlich nicht so gut geht. Also vor allem in den sechs neuen Bundesländern", sagte Schmidt.

"Berlin ist die Hauptstadt der Arbeitslosigkeit, die Hauptstadt der 'Hartz IV'-Empfänger." Der Populismus sei jedoch kein spezifisch deutsches Problem, obwohl es so scheine, sagte Schmidt. "Das finden Sie auch in Holland, Belgien, in Frankreich: rechte Populisten wie Le Pen und Konsorten", sagte er.

Lafontaine reagiert gelassen

Mit demonstrativer Gelassenheit hat Linke-Chef Oskar Lafontaine auf den Hitler-Vergleich von Altkanzler Helmut Schmidt reagiert. "Helmut Schmidt hat auch Charisma", aber man solle "seine Worte auch nicht mehr so wichtig nehmen", sagte Lafontaine am Montag in Berlin. "Wir gehen zur Tagesordnung über", erklärte er.

Bodo Ramelow sagte: "Schmidt will Lafontaine dämonisieren, aber dabei verharmlost er Adolf Hitler." Mit der "ingenieurtechnischen Ermordung von Millionen Menschen" sei Hitler der Repräsentant eines weltweit singulären Verbrechens. "Es kann nicht sein, dass aus Hass und Ressentiments gegen einen früheren SPD-Bundesvorsitzenden ein solcher Vergleich hergestellt wird."

Für Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) beglich Schmidt mit seinen Äußerungen eine alte Rechnung. Thierse verwies auf eine Verbalattacke 1982 des damaligen Saar-SPD-Vorsitzenden Lafontaine gegen Bundeskanzler Schmidt in der Diskussion über den NATO- Doppelschluss. Lafontaine, der den Ausstieg Deutschlands aus der NATO forderte, hatte damals gesagt: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzise gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben." Thierse sagte im MDR: "Also insofern steht es eins zu eins zwischen Helmut Schmidt und Oskar Lafontaine." Lafontaine soll sich später für seine Äußerung bei Schmidt entschuldigt haben.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus