Die Zahl der Pannen im Atomkraftwerk Biblis A ist Legende. Doch der Schaden im ältesten deutschen AKW, der am Montag gemeldet wurde, kam für den Betreiber RWE zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt.
Ausgerechnet beim Herunterfahren für eine monatelange Wartung gab es am Samstag eine Störung in der Spannungsmessung der Notstandsschaltanlage. Das berichteten RWE und das hessische Umweltministerium am Montag übereinstimmend. Menschen seien nicht gefährdet worden.
Die rund 70 Millionen Euro teuren Arbeiten können nach RWE-Angaben bis in den September dauern. Die lange Dauer hat nach Einschätzung von Kritikern auch politische Gründe. RWE würde Biblis A gerne länger laufen lassen - und kann darauf hoffen, dass eine neue Bundesregierung nach der Wahl am 27. September den Weg dafür freimacht. Nun begann die Wartezeit auf atomfreundliche Mehrheiten mit einer Panne.
Die Grünen hielten sofort den Finger in die Wunde. "Dieser Vorfall zeigt einmal mehr die Störanfälligkeit des ältesten deutschen Atomkraftwerks", sagte die hessische Grünen-Umweltpolitikerin Ursula Hammann. Biblis A müsse deshalb "so schnell wie möglich abgeschaltet", der Umstieg auf erneuerbare Energien vollzogen werden.
Biblis A hatte bereits von 2006 bis 2008 mehr als ein Jahr lang still gestanden, weil Tausende Dübel ausgetauscht werden mussten. Derzeit kommt kein Atomstrom aus Hessen. Auch Biblis B ist abgeschaltet.