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Hessen: Hymne für die Eintracht

Neben solchen männerverstehenden Einsichten gilt das Interesse des Meisters ebenso lebenspraktischen Fragen. Nachtsheim zupft an seiner blauen Sportjacke und erzählt, wie er nach zwei Tagen ohne Computerzugang 800 Mails vorgefunden habe, 650 von ihnen "nervige Spams". Zum Glück seien das letzthin weniger geworden, gleichwohl widmet er den virtuellen, unerwünschten Werbe-Anschlägen einen "Spams, Spams, Spams"-Song: "Meine Platinschuhe funkeln super dank Hightechputzmaschine, mein Rasenmäher fährt 120 dank Extraspeedturbine."

Im Grunde sieht Nachtsheim seine Vita als einen der Glücksgriffe in Serie. Am hm-hm-hm wurde er geboren - Details will er wegen einer Wette mit Gerd Knebel nicht verraten. Wer es jedoch unbedingt wissen will, kann im Internet nachschauen - und dann wird er herausfinden, dass beim Alter vorne sowas wie eine Fünf steht und hinten eine Eins.

Der in Neu-Isenburg aufgewachsene Bub baute in Frankfurt ein mäßiges Abi und wollte Sportjournalist werden, was er inzwischen in Eintracht-Kolumnen tatsächlich nebenberuflich verwirklicht hat. Doch damals kamen dem jungen Mann die Rodgau Monotones und ein Mega-Hit "Erbarme, die Hesse komme!" dazwischen. Nachtsheim arbeitete fortan als Profi-Musiker und schrieb auch viele Songs für die Truppe.

Nach zwölf Jahren bei den Monotones ging der Sänger und Saxophonist, übrigens ganz ohne rockigen Rosenkrieg. Befreundet nämlich sind sie alle noch, siehe Ali Neanders Mitwirken an der Nachtsheim-Band und gemeinsamen Auftritten bis heute. Mit Gerd Knebel schließlich, "und wir verstehen uns längst blind", startete er vor einem Vierteljahrhundert eine neue Erfolgsgeschichte der Marke Hessen-Comedy: Badesalz. Mitunter campierten Fans eine Nacht lang, um Karten für das neue Programm des Duos zu bekommen.

"Badesalz ist natürlich Gerds und meine Basisstation, auch wenn wir beide immer viel neben heraus gemacht haben", befindet Nachtsheim. Die üblichen Pausen nach intensiven Badesalz-Phasen hätten beide stets für andere Projekte genutzt. Und dann sei in ihm der Wunsch gewachsen, wieder richtig Musik zu machen.

So kam es zu Henni Nachtsheim und die Band. Deren Club- und Sommertour startet am Samstag im Frankfurter Sinkkasten, im Mai soll das zweite Album herauskommen, das bereits im Offenbacher Studio eingespielt worden ist. Er beschreibt es als "schneller und rockiger als das erste".

Anfangs habe er wegen der Band die Angst beim Publikum gespürt, ob Badesalz nun aufhöre. Kopfschütteln, dass die Brille wackelt. "Das ist natürlich Unsinn. Und da ich auch bei den Band-Auftritten einige Standups biete, während derer alle die Geduld haben müssen, dass ich mal wieder ein paar Minuten labere, sind alle dann doch gewiss, dass es mit mir in welcher Rolle auch immer lustig und locker zugeht."

Selbst kann Nachtsheim am besten beim Eishockey entspannen. Er streicht über die Jeans. "Wenn es bei den Lions richtig zur Sache geht, fahre ich total runter, das hat was Meditatives." Am besten gefalle ihm, "wenn sie sich die Helme ausziehen und auf die Fresse hauen, das ist so schön".

Und natürlich beglücken den Barden ebenso, eben "Herz schwarzrot gestreift", die Spiele der Eintracht. "Ich war schon baff, als ich ins Stadion ging und der Song lief. Mein Song." Er blickt gerührt. "Den Spielern scheint er auch zu gefallen, wir werden ihn nochmal mit ihnen einspielen, dann singen sie alle mit."

Jetzt allerdings muss er zurück ans Mikro in den Keller. Proben, proben, proben. Vom Ende der musikalischen Klassenfahrt kann noch keine Rede sein.

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Autor:  PETRA MIES
Datum:  3 | 2 | 2009
Seiten:  1 2
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