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Hessen im Ländervergleich: Schlusslicht bei Organspendern

Die Hessen haben 2008 bundesweit die wenigsten Organe gespendet. Mit nur 8,7 Spendern pro Million Einwohnern ist Hessen Schlusslicht im Vergleich zu anderen Bundesländern.

Kühlbox: Gespendete Organe werden immer knapper.
Kühlbox: Gespendete Organe werden immer knapper.
Foto: dpa

Die Hessen haben 2008 bundesweit die wenigsten Organe gespendet. Mit nur 8,7 Spendern pro Million Einwohnern ist Hessen Schlusslicht im Vergleich zu anderen Bundesländern. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 14,6 Spendern. "Dramatisch", so erklärt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), sei insbesondere der drastische Rückgang bei hessischen Spendern um 38 Prozent: im Vorjahr waren es 86 Spender, 2008 nur noch 53. Dabei handelt es sich um Verstorbene, bei denen die Ärzte den Hirntod feststellen, die einen Spenderausweis haben und deren Angehörige der Entnahme nicht widersprechen.

Mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen gingen die Organspendezahlen 2008 zwar in ganz Deutschland zurück, doch in Hessen war der Einbruch mit Abstand am größten. Thomas Breidenbach, geschäftsführender Arzt der Region Mitte der DSO, zu der neben Hessen auch Rheinland-Pfalz und das Saarland gehören, spricht von einer "Katastrophe". Ein wichtiger Grund sei der Kostendruck in den Kliniken. Patienten, die im Sterben liegen, würden zunehmend auf normale Stationen verlegt, um Intensivbetten für Kranke mit Aussicht auf Rettung freizumachen. Mögliche Spender müssten jedoch auf der Intensivstation nach dem Eintreten des Hirntods bis zur Organentnahme beatmet werden.


Foto: FR-Grafik

Kosten werden nicht gedeckt

Außerdem würden Organspenden in Deutschland nicht kostendeckend abgerechnet. "Die Kliniken zahlen drauf", sagt Breidenbach. Dies gilt jedoch bundesweit. Warum ausgerechnet in Hessen der Rückgang so stark ist, sei schwer zu erklären. "Die Organspenderzahlen in den einzelnen Kliniken hängen stark an Personen", sagt Breidenbach. So ist die Entwicklung in den Häusern sehr unterschiedlich. Während beispielsweise das Klinikum Fulda die Organentnahmen in 2008 entgegen dem Trend von fünf auf zwölf steigerte, verzeichnen die Universitätskliniken Gießen und Marburg laut der DSO-Statistik einen starken Einbruch von 19 auf nur drei Entnahmen. Sie waren 2006 privatisiert worden und vergangenes Jahr aufgrund des damit einhergehenden Personalabbaus in die Schlagzeilen geraten.

Bei dem starken hessischen Rückgang könnten neben bundesweiten Skandalen wie der angeblichen Bevorzugung von Privatpatienten auch die schwierige politische Situation in Hessen im vergangenen Jahr eine Rolle spielen, vermutet Breitenbach. Die Landesregierung habe nicht ausreichend für Organspenden werben können. So sei der bundesweit einzige Anstieg um 8 Prozent in Nordrhein-Westfalen auch auf das starke Engagement des dortigen Gesundheitsministeriums zurückzuführen.

"Krankenhausärzte sind an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit", erklärt Winfried Fassbinder, Transplantationsbeauftragter des Klinikums Fulda, warum die Organspenden weniger werden. Viele Krankenhäuser kämen außerdem ihrer gesetzlichen Verpflichtung nicht nach, potenzielle Spender zu melden. Die DSO fordert daher durchgreifende strukturelle Reformen, mit denen die Zahl der Organgaben erhöht werden könne. Dazu gehört auch, dass Zahlen über Entnahmen in die Bewertung der Klinikqualität einfließen sollen. Und auch neue Vorschriften des Gewebegesetzes hätten dazu beigetragen, dass Ärzte auf die Meldung eines Spenders verzichten, weil sie den bürokratischen Aufwand scheuen.

Autor:  REGINE SEIPEL
Datum:  6 | 3 | 2009
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