Hessen gibt viel zu viel Geld für die Verwaltung der Schulen und zu wenig für den Unterricht und die Entwicklung der Schulqualität aus. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Bank zu den Kosten der Schulverwaltung in den Bundesländern.
Wie in keinem Land sind in Hessen die Kosten der Schulverwaltung in den Jahren von 1995 bis 2005 explodiert. Sie stiegen von knapp 56 auf fast 134 Millionen Euro. Gleichzeitig halbierten sich die Ausgaben in Sachsen-Anhalt auf weniger als 20 Millionen Euro, in Baden-Württemberg sanken sie von 77 auf 66 Millionen Euro.
Zur Schulverwaltung gehören neben den 15 Staatlichen und 26 Kommunalen Schulämtern vor allem das Kultusministerium, das Amt für Lehrerbildung (AfL) sowie das Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) in Wiesbaden.
Das Amt für Lehrerbildung hat 1100 Mitarbeiter. Es ist für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zuständig.
Im IQ arbeiten knapp 100 Menschen. Es entsendet die Schul-Inspektoren (Schul-TÜV) und entwickelt Bildungsstandards, die die Lehrpläne ablösen sollen. Zudem entwickelt es Unterrichtsmaterialien, begleitet und überprüft Modellprojekte sowie bildungspolitische Maßnahmen.
"Wir haben in Hessen einen viel zu großen administrativen Wasserkopf im Schulsystem", sagt Jörg Feuchthofen, Bildungsexperte der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. So erlaube sich Hessen bei rund 60 000 Lehrern 15 Staatliche sowie 26 kommunale Schulämter. In Niedersachsen mit rund 80 000 Lehrern genügten eine einzige Landesschulbehörde plus die Behörden der kommunalen Schulträger.
Ingo Rollwagen, einer der Autoren der Deutsche-Bank-Studie, sieht einen Hauptgrund für das schlechte Abschneiden Hessens in hohen Personalkosten. So stiegen die Personalausgaben im Zehn-Jahres-Vergleich in Hessen um mehr als 30 Prozent. Zudem seien in den vergangenen Jahren viele Aufgaben wie etwa der Grundschüler-Vergleich Iglu hinzugekommen, die die Verwaltung beschäftigten.
"Obwohl Hessen so viel Geld in die Schulverwaltung steckt, ist den Schulen damit meist wenig geholfen", sagt Rollwagen. So klagten viele Schulleiter darüber, dass sie sehr viele Verwaltungsarbeiten zu erledigen und Erlasse zu befolgen hätten, deren Einhaltung die Schulämter überwachen. Zugleich gebe es zu wenig Unterstützung bei der Entwicklung moderner Unterrichtskonzepte und der gesamten Schulqualität.
So stiegen laut Studie von 1995 bis 2005 die Ausgaben je Schüler lediglich um knapp zehn Prozent, während sich die Verwaltungsausgaben mehr als verdreifachten. "Es muss aber viel mehr Geld und Personal direkt an den Schulen eingesetzt werden, auch für die Fortbildung der Lehrkräfte", fordert Jörg Feuchthofen.
Mehr Schul-Selbstständigkeit
Er spricht sich dafür aus, Ressourcen nicht zu kürzen, sondern umzuschichten und Aufgaben neu zu verteilen. Heute beispielsweise sind die Schulämter und nicht die Schulleiter die Personalvorgesetzten der Lehrer. Schulen sollten selbst über Personal und Geld entscheiden dürfen. Dabei benötigten sie vor allem Hilfe und nicht in erster Linie Kontrolle.
Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) hatte im Interview mit der Frankfurter Rundschau die selbstständige Schule als vordringlichstes Ziel ihrer Amtszeit genannt. Auf diesem Weg könne eine Einrichtung wie das Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) in Wiesbaden die Schulen begleiten, sagt Feuchthofen. Das IQ entsendet die Schul-Inspektoren (Schul-TÜV), die die Schulen besuchen, Stärken und Schwächen ergründen und Unterstützung bei der Verbesserung von Unterricht und Organisationsstrukturen geben.