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13. Januar 2009

Hessenwahl: Al-Wazir ohne Angst

 Von MATTHIAS THIEME
Antreten zur FFH-Diskussion: Die hessischen Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen Tarek Al-Wazir (Grüne - l-r), Jörg Uwe Hahn (FDP), Roland Koch (CDU), Willy van Ooyen (Die Linke) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD).  Foto: dpa

Der Grünen-Chef Tarek Al-Wazir ist beim Rededuell der Elefantenrunde vor der Landtagswahl der einzige, der Koch scharf angreift. Blass und fast zerfahren wirkt SPD-Kandidat Thorsten Schäfer-Gümbel. Von Matthias Thieme

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Zu einem zeitweise spannenden Schlagabtausch gerät das erste öffentliche Rededuell der Spitzenkandidaten aller Parteien bei Radio FFH. Das liegt zunächst weniger an der Streitlust der Kontrahenten als an gezielten Provokationen des Fokus-Chefs Helmut Markwort, der es als seine Moderatorenaufgabe definiert, "Stunk in die Diskussion zu bringen" und "hessische Verhältnisse hervorzurufen". Wenigstens einmal noch.

Von Roland Koch will Markwort wissen, was er denn macht, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Berlin anruft und sagt: "Roland, du musst Finanzminister werden." Koch schließt dies aus und spricht von der "Faszination am Amt des Ministerpräsidenten".

Vor allem mit Grünen-Chef Tarek Al-Wazir gerät Koch dann heftig aneinander. "Roland Koch kämpft in Zeiten wie diesen vor allem um seinen Arbeitsplatz", ruft der Grüne und wirft der CDU eine völlig veraltete Wirtschaftspolitik vor. Den direkt neben ihm sitzenden Koch hält es dabei kaum auf dem Stuhl. "Sie werden ja aufgeregt", stichelt Al-Wazir weiter und erntet Gelächter im Publikum. Der grüne Spitzenkandidat ist auch unter Live-Bedingungen der Einzige, der Koch verbal wirklich das Wasser reichen kann.

Blass und fast zerfahren wirkt dagegen SPD-Kandidat Thorsten Schäfer-Gümbel. Dauernd muss er sich entschuldigen, Fehler eingestehen, Vergangenheit aufarbeiten. Und wenn er über Inhalte redet, tut Schäfer-Gümbel dies oft in schwer verständlicher Aktensprache. Da geht es beispielsweise ausufernd um "energetische Sanierung im ländlichen Raum". Und als Markwort den Kandidaten auffordert, einmal verständlich zu erklären, was das überhaupt ist, folgt der nächste zerfaserte Vortrag, der bei der Ortskernsanierung hessischer Dörfer versandet.

Nur mit dem nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag, die Commerzbank-Arena wegen der Teilverstaatlichung der gleichnamigen Bank in "Peer-Steinbrück-Arena" umzubenennen, kann Thorsten Schäfer-Gümbel die Zuhörer etwas zum Lachen bringen.

Ob er denn Ypsilanti zur Ministerpräsidentin machen würde, wenn die SPD wider Erwarten doch zum Regieren kommt, fragt Markwort. Schäfer-Gümbel weicht aus, will sich nicht festlegen und sagt schließlich wieder eine Entschuldigung: "Es tut mir leid, dass Menschen enttäuscht wurden." Und dann noch eine Aussage, die man ihm voll abnimmt und fast Mitleid mit dem Kandidaten hervorruft: "Niemand in diesem Saal spürt mehr als ich, welches Paket die Sozialdemokratie in Hessen trägt." Schlimm muss es sein, als SPD-Spitzenkandidat durch hessische Dörfer zu reisen.

Die anderen Kandidaten, Jörg-Uwe Hahn (FDP) und Willi van Ooyen (Linke), sagen Erwartbares oder kommen kaum zu Wort. Al-Wazir setzt dagegen auch offensiv seine Körpersprache ein, um Koch in seinem Redefluss zu konterkarieren. Wenn Koch plötzlich CO2-Abgaben für Autos sinnvoll findet, dann rollt der Grüne die Augen, runzelt die Stirn und schüttelt den Kopf. "Koch der bessere Öko - niemals", schreit Al-Wazirs Mimik, die man im Radio leider nicht mitbekommt. FFH sendet im Internet alles live und bringt den Hörern abends Ausschnitte der Gesprächs-Höhepunkte.

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